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Vermüllter Strand am Toten Meer (Foto:EMS/Thier)
Vermüllter Strand am Toten Meer (Foto:EMS/Thier)
14. Juli 2019

Ganz schön viel Müll?

Felix

Felix

Jordanien
arbeitet in der Theodor-Schneller-Schule mit
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Wenn man in den meisten Städten Jordaniens durch die Straßen läuft, fällt einem sofort etwas auf. Es liegt sehr viel Müll herum. Von Plastiktüten und Flaschen bis hin zu Kartons, Verpackungen und Kaffeebechern. So gut wie alles wird fallengelassen, sobald man keinen Verwendungszweck mehr darin sieht. Es ist üblich den Müll einfach draußen zu entsorgen.

Nicht nur auf Straßen in Städten und Dörfern fällt der Müll auf, sondern auch in der Natur. Wiesen und Strände, die übersät sind von Plastikverpackungen und Flaschen oder Bäume an denen Plastiktüten „wachsen“, habe ich schon an allen möglichen Orten zu Gesicht bekommen und ich kann nach meinen Reisen durch Jordanien nicht behaupten, dass das Ausnahmefälle waren…

Beim Einkaufen wurde mir oft alles doppelt und dreifach in Plastiktüten eingepackt und die Verkäufer konnten es gar nicht nachvollziehen, wenn ich ihre Plastiktüte ablehnen wollte und haben mir meine Einkäufe meistens dann doch in eine Tüte gepackt. Auch bereits abgepackte Dinge, wie zum Beispiel eine Klopapier-Packung, werden nochmal extra in Plastik gehüllt.

Allerdings gibt es dafür auch Gründe, die das Verhalten zumindest etwas nachvollziehbarer machen. Zum einen gibt es vielerorts in Jordanien weit und breit keine Mülltonnen. In der Innenstadt Ammans tauchen solche zwar gelegentlich auf, aber die modernen Ecken Ammans lassen sich kaum mit den restlichen Teilen Jordaniens vergleichen. Getrennt wird der Müll auch nicht, sondern meistens nur zusammengekehrt und verbrannt. Ein möglicher und vielleicht erklärender Gedanke wäre also: „Wenn mein Müll sowieso einfach nur verbrannt wird, wo ist dann der Unterschied darin, ob ich den Müll in den Mülleimer oder irgendwo auf den Boden werfe?“

Zudem herrscht, soweit ich es nach meinem Aufenthalt beurteilen kann, kaum ein Bewusstsein für eine saubere Müllentsorgung und insgesamt ein viel geringeres Interesse an der Umweltfrage. Viele Bürger Jordaniens, haben es aber natürlich auch mit essenzielleren Problemen zu tun, da viele von starker Armut und/oder Arbeitslosigkeit betroffen sind. Da bleibt wenig Zeit zu fragen, was mit dem Müll eigentlich passiert.

Nach diesen Sätzen scheint die Müllproduktion in Jordanien um einiges höher zu sein, als hier bei uns in Deutschland. Aber der Schein trügt. Jordanien hat einen jährlichen Anfall von Siedlungsabfällen von 2 bis 3 Millionen Tonnen (Stand 2018). Deutschland hingegen produziert jährlich um die 51 Millionen Tonnen Siedlungsmüll (und das 2012 bei einem steigenden „Mülltrend“). Klar hat Deutschland mehr als acht Mal so viele Einwohner wie Jordanien, aber auch, wenn man nur mit einem „10-Millionen-Einwohner-Deutschland“ rechnen würde, (Jordanien besitzt ca. 9,7 Millionen Einwohner) wäre das Ergebnis ein jährliches Siedlungsmüll-Aufkommen, das mehr als doppelt so hoch ist. Ein interessanter Fakt, der uns dazu bringen sollte, auch den Konsum sowie die eigene Müllproduktion und Entsorgung zu überdenken (Ich beziehe mich hier nur auf den Haushalts-und Siedlungsmüll, der in Deutschland nur einen sehr geringen Anteil des gesamten Müllaufkommens ausmacht).

Dass viel Müll zu sehen ist, heißt also nicht, dass auch überdurchschnittlich viel Müll produziert wird. Trotzdem hat auch der Müll in Jordanien umweltschädliche Folgen und ist ebenso giftig für Mensch und Tier um ihn herum. Deswegen gibt es immer wieder Projekte, die gegen den sich vermehrenden Müll ankämpfen oder versuchen mehr Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umwelt zu schaffen.

Es gibt mittlerweile staatliche Müllwerker in Amman die durch die Straßen ziehen, um Müll zu sammeln und Initiativen wie “One Dead Sea Is Enough” sollen Aufmerksamkeit erregen (Der Link zum Video: https://youtu.be/Ruxn9uL33SU).

Auch eine kleine „Fridays for Future“-Veranstaltung gab es in Amman, an der wir Jordanien-Freiwillige uns u.a. beteiligt haben. Da Demos in Jordanien nicht so gerne gesehen werden, sind wir zusammen mit den offiziellen Müllwerkern Müllsammeln gegangen. Wie man auf dem Bild sieht, ist das anschließende Essen komplett in Plastik verpackt… Damit ist die „Ökobilanz“ für den Abend wahrscheinlich wieder im Keller gewesen. Aber das zeigt umso mehr, dass ein größeres Umweltbewusstsein geschaffen werden muss, wozu die Veranstaltung sicher beigetragen hat.

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Das "One Dead Sea Is Enough"-Projekt des jordanischen Umweltministeriums (Foto:Art Media - Jordan)
Das "One Dead Sea Is Enough"-Projekt des jordanischen Umweltministeriums (Foto:Art Media - Jordan)
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"Fridays For Future" in Amman (Foto:EMS/Thier)
"Fridays For Future" in Amman (Foto:EMS/Thier)

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