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Mit dem Pick-up durch die Straßen Mamasas (Foto: EMS/Isterheld)
Mit dem Pick-up durch die Straßen Mamasas (Foto: EMS/Isterheld)
20. Februar 2025

Weihnachten in grün

Hanna

Hanna

Indonesien
Kindergarten
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Wie ich es ein Jahr ohne Lebkuchen ertragen konnte

Hallo zusammen,
Ich weiß, Weihnachten ist eigentlich schon längst vorbei und auch hier in Mamasa sind die letzten festlichen Veranstaltungen schon seit einem Monat zu Ende gegangen. Nun geht es mit den Vorbereitungen strikt auf Ostern zu. Aber ich dachte mir, dieser Abschnitt meines Auslandsjahres, der so anders schien als ich es gewohnt war, sollte in meinem Berichtverlauf nicht fehlen. Somit hoffe ich, dass ihr eine schöne Weihnachtszeit hattet und gut in das neue Jahr gestartet seid.
Ehrlich gesagt, hätte ich erwartet, dass mich nun - zur besten Zeit des Jahres - das Heimweh packen würde, weil die gemeinsame Zeit mit meiner Familie und den gewohnten Traditionen für mich dieses Jahr mal ausfallen würden. Doch tatsächlich hielten sich die Gedanken an Zuhause in Grenzen. Vermutlich liegt es daran, dass ich im Dezember sehr beschäftigt war mit Vorbereitungen und Teilnahmen an unzähligen weihnachtlichen Aktivitäten und ich ohnehin mit sehr herzensguten Menschen unterwegs war.
Doch fangen wir lieber vom Beginn der Weihnachtszeit an, auch wenn ich dafür noch lange vor dem Dezember starten müsste. Denn schon Mitte Oktober leuchteten die Straßen in Mamasa hell auf, Lichterketten blinkten in allen Farben und sowohl internationale als auch indonesische Weihnachtshits wurden überall unüberhörbar rauf und runter gespielt. Und das meistens natürlich in Kombination mit dem allseits beliebten Rhythmus des traditionellen Musikstils - dem „Dangdut“. Das wirkte für mich auf den ersten Blick eher befremdlich als besinnlich, aber mit der Zeit verstand ich das Gefühl des fröhlichen Mitschwingens und gewöhnte mich daran. Viel dekoriert werden musste bei uns im Haus nicht mehr, weil die Weihnachtsbäume (aus Plastik oder Pappe) und Girlanden sowieso schon über das ganze Jahr da standen. Wir wechselten nur nochmal die Batterien der Lichterketten, entstaubten alles und ergänzten noch ein paar elektrische Kerzen für die Gemütlichkeit. So war es jedenfalls bei meiner Gastfamilie. Mehr Aufwand machte sich die Jugendgruppe der Kirche. Im November trafen sie sich fast jeden Nachmittag und kreierten Weihnachtsbäume aus den einfachsten Dingen wie z.B. Plastikflaschen, alten Holzlatten, bunten Plastiktüten, Kreppband und vielem mehr. Am Ende sah es sehr ästhetisch aus und nebenbei hatten sie sich das große Müllproblem hier zu Nutze gemacht.
So war ich pünktlich zum 1. Dezember weihnachtlich ganz gut eingestimmt, auch wenn die tägliche pralle Mittagssonne mich manchmal doch ein wenig durcheinander brachte. Die Adventszeit war gefüllt mit unzähligen Veranstaltungen sowie Gottesdiensten und Andachten in der Kirche, auf öffentlichen Plätzen und bei Leuten zu Hause.
Einer der größten Unterschiede, der mir aufgefallen ist, bezieht sich auf die Adventszeit. Mein Eindruck war, dass die eigentliche Bedeutung des Advents, die Vorfreude und das Warten auf den Heiland nicht wirklich im Vordergrund stand. Vielmehr lag der Fokus ab dem 1.12. sofort auf der Geburt Jesu und das solange bis Weihnachten im Februar endete. Dementsprechend hatte ich zu diesem Weihnachten sicherlich insgesamt mehr Krippenspiele gesehen, wie in meinem ganzen Leben nicht zuvor. Einmal predigte ein Pfarrer auch genau über dieses Thema, dass es eigentlich nicht unbedingt im Sinne des Glaubens stehe, das Warten und das damit verbundene Vorbereiten auf das Kommen des Herrn zu vernachlässigen. Weihnachten beinhalte doch viel mehr als nur die Feier der Geburt, man verliere doch den eigentlichen Sinn für das Fest.
Da ab dem 9.12. für die Kinder die Ferien begannen, war ich zunächst in unserem Kindergarten reichlich beschäftigt, alles für die Weihnachtsabschlussfeier vorzubereiten. Mit den einzelnen Klassen probten wir schon seit November mehr oder weniger komplizierte Tänze und den genauen Ablauf der Veranstaltung, dekorierten die Klassenräume mit selbstgebasteltem Schmuck und organisierten gemeinsam mit den Eltern die Feier. Dann endlich war der Tag gekommen, an dem sich die ganze Mühe und Geduld über mehrere Wochen sowohl bei den Lehrerinnen als auch bei den Kindern auszahlte. Und es war ein voller Erfolg: die Kinder führten ihre Tänze auf, einige nahmen wieder an einem Krippenspiel teil und wieder andere sangen mutig ein Solo, die uns alle zu Tränen rührten. Am Ende wurden natürlich noch zahlreiche Fotos von geschafften Lehrerinnen und ihren Schülern geschossen und reichlich gegessen. Fröhlich jubelnd verabschiedeten sich die Kinder von uns und stiegen in ihre wohlverdienten vierwöchigen Ferien ein.
Doch so leicht ließ sich der TK mit seinen engagierten Lehrkräften nicht von seinen fleißigen Bienchen trennen. Denn an den ersten beiden Ferientagen kamen wir Lehrerinnen nochmal zusammen, um mit dem Weihnachtsmann (der hier auch „Santa“ genannt wird) auf Tour zu gehen. Auf der Ladefläche eines Pick-ups, beladen voller süßen Kleinigkeiten fuhren wir gut gelaunt und mit schallender Musik durch Mamasa und besuchten die Kinder zu Hause. Dort sangen und tanzten wir meist mit der ganzen Familie, Santa übergab Geschenke und die Nachricht, immer schön brav zu bleiben, den Eltern im Haushalt zu helfen anstatt nur vor dem Handy oder Fernseher zu sitzen. Dass jedes Kind – selbst das Frechste – vollkommen eingeschüchtert war und des Öfteren sogar in Tränen ausgebrochen ist, lag bestimmt an dem angsteinflößenden Kostüm und der Stimme des Weihnachtsmannes, da bin ich mir ganz sicher. Da half nicht mal mehr das größte Geschenk von allen als Lockmittel für das gemeinsame Foto ;) Eine Erfahrung wert war es auch zu sehen, wie groß die Unterschiede zwischen eher ärmeren und reicheren Lebensverhältnissen waren. Von einem einräumigen hölzernen Haus mit acht Personen, die uns nicht mal einen Keks anbieten konnten, bis hin zu modernen weiträumigen Einfamilienhäusern mit Essensbuffet war alles dabei. Doch insgesamt war es eine echt positive und spaßige Angelegenheit für uns alle, auch wenn wir nach zwei Tagen, an denen wir von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends unterwegs waren, echt kaputt waren. Nach dieser Aktion hatten die Lehrerinnen und ich in den darauffolgenden Wochen noch viel in der Sonntagsschule zu tun (genannt „sekolah minggu“), wobei auch hier der „Bule“ die größte Attraktion zu sein schien. Die süßen Tanzauftritte der Kinder und selbst Santa rückten deutlich in den Hintergrund.
Viel Freizeit blieb jedenfalls dann nicht mehr für mich übrig, weil ich nebenbei auch noch mit zahlreichen Chorauftritten bei Hochzeits- und Weihnachtsfeiern zu tun hatte. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und hat mir automatisch wieder neue Energie für die nächsten Events gegeben.
Und schließlich kam der 24. Dezember, der hier zu meiner Überraschung gar nicht der Höhepunkt von Weihnachten zu sein schien. Anstatt dass es einen festlichen Gottesdienst gab und danach gemütlich im Familienkreis gefeiert wurde wie ich es gewohnt war aus Deutschland, waren alle im Haus mit Kochen für die bevorstehenden Festtage beschäftigt. Abends gingen dann auch fast alle aus meiner Gastfamilie zeitig schlafen, um genügend Kraft für die nächsten Tage zu tanken. Aber ein gemeinsames Abendessen mit Soto (eine Suppe mit Huhn, Ei, Kohl und dünnen Nudeln) und von mir selbstgebackenen Zimtschnecken war trotzdem drin. Wer dann nicht schon zeitig schlafen gehen möchte, bleibt bis Mitternacht wach und feiert mit lautstarken Feuerwerk in den 25.12. rein, so wie ich es dann mit meinem Freundeskreis getan habe. Unausgeschlafen ging es am nächsten Morgen 9 Uhr in den Gottesdienst. Danach schloss ich mich der Jugend der Kirche an und gemeinsam gingen wir von Haus zu Haus, um uns die Bäuche vollzuschlagen. Ob man sich dann schon innerhalb von vier Stunden auch viermal bei unterschiedlichen Familien reichlich am Buffet bedient hatte, spielte da keine Rolle mehr. Als ich dann abends nach Hause kam und ich mich mit meiner Gastfamilie fertig für den Abendgottesdienst machte, war ich froh, noch in mein maßgeschneidertes Batikkleid zu passen. Der Gottesdienst war für mich das Highlight an diesem Tag. Es wurde viel gesungen, Kinder tanzten mit bunten Lichtern und Kerzen wurden ausgeteilt, sodass man innerhalb kürzester Zeit im Lichtermeer einer dunklen Kirche stand und lauthals „Malam khudus“ (Stille Nacht) mitsang. Da so eine ähnliche Tradition auch in meiner Kirche in Deutschland üblich ist, fühlte ich mich umso mehr angekommen. Nachdem beim letzten Lied ein poppiger Remix aus „Feliz Navidad“ und „We wish you a merry christmas“ erklang und sich alle die Hände schüttelten, ging ich am Ende mit einem zufriedenen Lächeln aus der Kirche.
Die Hausbesuche und das Anbieten von Essen zogen sich bis Ende Januar, der letzte Weihnachtsgottesdienst wurde im Februar abgehalten und noch bis jetzt kann man sich herzlich in die Arme fallen und sich „Selamat Natal“ (=Fröhliche Weihnachten) oder „Selamat tahun baru“ (=Frohes neues Jahr) wünschen.
Alles in allem war dieses Weihnachten hier in Indonesien für mich definitiv anders was bestimmte Traditionen und Feste angeht. Und natürlich hatte ich nicht meine Familie und Freunde um mich (vor allem die heißgeliebten Lebkuchen mussten für dieses Jahr aussetzen). Aber dafür hatte ich meine herzliche Gastfamilie und einige neue Freunde um mich herum, die mir immer das Gefühl von zu Hause sein - halt eben nur anders - gegeben haben. Es war auf alle Fälle eine Erfahrung wert, an die ich mich noch lange gerne erinnern werde.

So, das war´s dann auch erstmal wieder von mir, wer weiß worüber sich in den nächsten Monaten berichten lässt. Ich bin gespannt!

 

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Klassenfoto zur Weihnachtsabschlussfeier mit unseren maßgeschneiderten Batikkleidern (Foto: EMS/Isterheld)
Klassenfoto zur Weihnachtsabschlussfeier mit unseren maßgeschneiderten Batikkleidern (Foto: EMS/Isterheld)
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Gemeinsames Abendessen mit meiner Gastfamilie an Heiligabend (Foto: EMS/Isterheld)
Gemeinsames Abendessen mit meiner Gastfamilie an Heiligabend (Foto: EMS/Isterheld)

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