info_outline
Der Chor bei der Weihnachtsfeier im RBM (Foto: EMS/Arief)
Der Chor bei der Weihnachtsfeier im RBM (Foto: EMS/Arief)
30. Dezember 2019

Tropische Weihnachten

Charlotte

Charlotte

Indonesien
unterstützt eine Einrichtung für Kinder mit Behinderung
zur Übersichtsseite

Dass mein Weihnachtsfest dieses Jahr etwas anders ausfallen würde, das war mir schon vor der Abreise klar. Und das es für mich bestimmt eine schwierige Zeit wird, nicht am gemeinsamen Familienfest in Deutschland dabei zu sein, das auch. Doch wie genau sah Weihnachten dieses Jahr für mich aus?

Die erste Weihnachtsfeier bei der ich dabei war, war am 7. Dezember im Panti. Dort wurde mit Gästen zusammen gefeiert, die die ganze Aula gefüllt haben, alles in allem waren wir bestimmt 200 - 300 Leute. Da gab es dann gemeinsamen Gottesdienst (der bestimmt über  3 Stunden lang war) mit anschließender Geschenkverlosung: Auf jedem Liedblatt, bei dem auch generell der Ablauf des Gottesdienst gegliedert war, stand eine Zahl von 1-400. Dann wurden aus einer großen Schüssel 30 Zahlen gezogen, die ein Geschenk bekommen haben. Hier hatten dann auch drei der Kinder aus dem Panti Glück und haben jeweils eine Tupperdose bekommen. Im Anschluss wurde dann noch zusammen gegessen und sich unterhalten. Das ist so der übliche Ablauf der Weihnachtsfeiern hier: Gemeinsamer Gottesdienst mit darauffolgendem gemeinsamen Essen. Und natürlich genug Weihnachtsdekoration (die man in den Straßen und vor den Geschäften schon lange vorher sehen konnte).

Sonst gab es noch mehrere kleine Feiern, auch wo die Kinder im Panti eingeladen wurden um zu singen. Leider habe ich da mehrere verpasst weil schon am 10. Dezember die große Weihnachtsfeier im RBM war, zu der auch um die 300 Leute kamen. Für die musste dann natürlich auch gekocht und alles hergerichtet werden, so dass eigentlich alle Angestellten dort, inklusive mir, die Tage vorher immer bis spät nachmittags dort waren und wir alles mögliche geschnitten, gekocht und in Behälter verpackt haben. Vor der Weihnachtsfeier am 10. Dezember morgens, haben dann ein paar der Lehrerinnen, ein paar Schüler und vor allem ehemalige Schüler, die zur Weihnachtsfeier einen traditionellen Toraja-Tanz aufgeführt haben, und ich eine Nacht im RBM geschlafen. Um 3 Uhr früh sind dann schon alle wieder aufgestanden (nach ca. 2 Stunden Schlaf). Warum so früh? Weil dann die späteren Tänzerinnen und ich im „Toraja asli“ (echt Toraja) Style geschminkt und unsere Haare gemacht wurden.

Der Gottesdienst an sich wurde dann von kleinen Aktionen begleitet: Ein paar Schüler des RBMs haben was vorgesungen, aus der Bibel gelesen (dabei gab es immer jemanden der das in Gebärdensprache übersetzt hat), es gab einen Chor aus den Lehrerinnen und einigen Frauen aus der Kirche, und als Highlight die Tanzaufführung.

Was die Geschenke betrifft gab es im RBM für jeden ein neues Handtuch oder eine neue Decke (gerade für die bettliegenden Kinder/Erwachsenen mit Spastiken) und eine Tüte mit etwas Süßem, Seife, einer Zahnbürste und Zahnpasta. Das Highlight im Panti war aber bestimmt eine Weihnachtsfeier zusammen mit Gästen aus Manado: für jeden gab es ein personalisiertes Geschenk von Freunden der Gäste, neue Blusen und Schuhe für manche der älteren Mädchen, Inline-Skates für die Jüngste im Panti (10 Jahre alt) und es waren auch ein Fahrrad und eine Gitarre dabei.

Trotzdem sind die Geschenke an sich eher praktisch ausgefallen. Es ist auf jeden Fall nicht zu vergleichen mit dem Konsumrausch in Deutschland und auch dem eventuellen Druck kurz vor Weihnachten für jeden noch ein passendes (oft materielles) Geschenk zu finden. Das ganze Thema „Konfrontation mit seinen eigenen Privilegien“ durch den Kontakt mit den Leuten hier, die doch oft materiell weniger zur Verfügung haben ist aber nochmal ein super großes Thema, welches ich in meinem nächsten Blogpost genauer ausführen werde.

Weil das RBM nach der Weihnachtsfeier schon zumacht bis Anfang Januar und die Kinder im Panti auch für drei Wochen zu ihren Familien fahren, bin ich für die Weihnachtsfeiertage zu meiner Familie nach Java geflogen. Erst hier in der Hauptstadt Jakarta wird mir klar, wie viel ländlicher das Leben in Toraja ist und wie sehr sich die Kultur innerhalb des Landes schon unterscheidet.

Weihnachten war für mich dieses Jahr auf jeden Fall anders – interessant, lebendig, auch etwas einsam, und auf jeden Fall sehr heiß!

Jetzt hoffe ich nur noch, dass ihr alle eine wunderschöne Adventszeit und beschauliche Feiertage mit euren Liebsten hattet und wünsche euch einen guten Start ins kommende Jahr!

Selamat hari natal dan tahun baru 2020!

Charlotte

info_outline
Die Tanzaufführung (Foto: EMS/Arief)
Die Tanzaufführung (Foto: EMS/Arief)
info_outline
Eine Weihnachtsfeier im Panti (Foto: EMS/Suwita)
Eine Weihnachtsfeier im Panti (Foto: EMS/Suwita)

Kommentare

Kommentar schreiben