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Das Schulgelände der TSS (im Frühling) von der Dachterasse
Das Schulgelände der TSS (im Frühling) von der Dachterasse
18. Juni 2020

Ein Freiwilligendienst ist kein Wunschkonzert

Arne

Arne

Jordanien
arbeitet in der Theodor-Schneller-Schule mit
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Vom plötzlichen Ende meines Jordanienaufenthalts

So. Nach... wie vielen Monaten? Vier? Fünf? Melde ich mich jedenfalls auch mal wieder: Diesmal leider nicht mehr aus Jordanien, sondern schon wieder von zuhause. Eigentlich hatte ich mir ja schon ein Thema für meinen dritten Blogeintrag überlegt, aber das muss jetzt wohl warten, denn seit März bin ich ja gar nicht mehr da. Okay... wo fange ich an?

Also zunächst einmal ließ sich 2020 ja ganz gut an (vielleicht nicht politisch angesichts der militärischen Aktionen der USA im Irak, ganz lokal bei uns an der TSS aber schon): Internatsbetrieb fing wieder an, meine Arabisch-Kenntnisse hatten sich über die freie Zeit zwischen den Jahren - sehr zu meiner Überraschung - deutlich verbessert, und auch das Wetter wurde langsam wieder wärmer. Ab und an las man mal was von einer Quarantänezone um Wuhan, aber das schien dann doch sehr weit weg zu sein.

Im Februar kam dann meine Familie zu Besuch - gerade noch rechtzeitig, wie sich später herausstellen sollte - und Anfang März war eigentlich unser Zwischenseminar geplant. Da fing's dann an drunter und drüber zu gehen: Da unser Zwischenseminar nicht nur für uns drei Freiwillige in Amman, sondern noch andere Freiwillige aus der Westbank und Israel veranstaltet wurde, sollte es in Jerusalem stattfinden. "Eigentlich" und "sollte" deshalb, weil es dazu gar nicht kam. Am Abend bevor wir nach Jerusalem gefahren wären (und nachdem wir schon den Bus gebucht und Geld gewechselt hatten), erreicht uns eine Mail, dass das Seminar nicht stattfindet. Der Grund: Israel hat Deutschland zum Corona-Risikogebiet erklärt und kurzerhand die Grenze nach Deutschland dichtgemacht. Soweit kein Problem für uns, die wir ja aus Jordanien eingereist wären, für unsere Seminarleitung allerdings schon, die war nämlich noch in Deutschland. In der Folge wurde unser Zwischenseminar mehrfach verschoben und schließlich ganz abgesagt: Israel und Jordanien hatten ihre Grenze geschlossen.

Soweit so (noch) nicht ganz so tragisch. An der TSS ging die Arbeit weiter und so war zwar aus unserem Israelbesuch nichts geworden, aber man kann ja auch nicht immer alles haben. Auf Jordanien würde die Corona-Krise ja so schnell nicht übergreifen - die Grenzen waren ja geschlossen und innerhalb Jordaniens gab es quasi keine Fälle -, also würden wir ja weiterhin unserem Alltag nachgehen können - Sprachkurs, Arbeit und so weiter. Dachte ich jedenfalls noch Anfang März. Bevor am folgenden Sonntag der Schulbetrieb in Jordanien landesweit für zwei Wochen eingestellt wurde - eine der ersten von mittlerweile sehr vielen Maßnahmen, die Jordanien zur Einschränkung des Corona-Virus unternommen hat. Da wurde es dann doch ärgerlich: Nichts zu tun an der TSS, kein Sprachkurs... und keine zwei Wochen später die Nachricht: Jordanien stoppt am 17. März den Flugverkehr. Hmm... den wievielten haben wir nochmal? Den 15.? Ups... und tatsächlich kam tags darauf der Anruf: "Packt mal, ihr fliegt wahrscheinlich heute noch nach Deutschland." Keine 24 Stunden später stehe ich am Frankfurter Flughafen. Ohne mir meine geplanten Souvenirs kaufen zu können und - viel schlimmer - ohne mich von irgendjemandem an der TSS verabschieden zu können. Weder von den Kindern noch von den Educatorn. War ja keiner da, weil die Schule zu war.

Jetzt, im Nachhinein muss man zugeben, dass die Entscheidung der EMS, uns zurückzuholen, die richtige war. Nicht, dass man in den letzten Monaten in Deutschland besonders viel machen konnte - in Jordanien waren die Ausgangssperren jedenfalls definitiv heftiger, die Schule hat nach wie vor nicht aufgemacht (mittlerweile sind dort Sommerferien) und auch sonst hätte man nichts unternehmen können. Schade finde ich, mich nicht verabschieben gekonnt zu haben, aber da ließ sich aufgrund der kurzen Frist wohl nichts machen.

Naja, auch wenn mein Freiwilligendienst jetzt etwas kürzer ausgefallen ist als gedacht und ich nicht alles habe machen und erleben können, wie ich es gerne hätte, so hatte ich doch eine tolle Zeit in Jordanien. Die drei Monate hätte ich zwar gerne noch mitgenommen, gerade da mein Arabisch langsam reichte um mich richtig unterhalten zu können, aber das Leben ist halt wohl kein Wunschkonzert. Vor allem wenn einem eine weltweite Epidemie in die Quere kommt.

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