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Olivenbäume sehe ich hier überall! (Foto: EMS/Jeric)
03. November 2016

Das Olivenpflücken

Alisa

Alisa

Jordanien
leistet ihren Freiwilligendienst in einer integrativen Blindenschule
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Eigentlich war die Einladung nicht richtig ernst gemeint, aber Julia und ich fanden sie sofort gut: „Wollt ihr morgen mir und meiner Familie beim Olivenpflücken zu helfen?“ fragte uns ein Freund. Ohne lange zu überlegen sagten wir zu seiner Verwunderung zu. Er macht das jedes Jahr, da ist das nicht sonderlich spannend. Seinem guten Rat uns warme Kleidung anzuziehen folgten wir. Wie sich später herausstellen sollte, folgte ich dem Rat zu gut – denn es wurde ziemlich warm.

Mittags wurden wir abgeholt und als wir ankamen, ging es auch sofort los. Ich finde diese Arbeit angenehmer, als Zwetschgen oder Kirschen zu pflücken, denn Oliven sind fester und: Du darfst sie einfach auf den Boden fallen lassen. Um den Baum herum liegen mehrere Planen, die am Ende samt Oliven weggetragen werden können. Das war an sich auch schon die gesamte Arbeit. Anfangs stehen alle auf dem Boden und strecken sich. Als wir nicht mehr an die unteren herankamen, wurden Stühle und Leitern herbei geholt, um die Oliven in der Baumkrone zu erreichen. Jedoch wurde nicht durchgängig gearbeitet: Schon nach – gefühlt – kurzer Zeit wurde uns Kaffee gebracht und ein Päuschen eingelegt. Hunger hatten wir bisher keinen, sodass wir die Falafel-Sandwichs dankend ablehnten. Dabei habe ich Interessantes erfahren... Eigentlich war es gar nicht so praktisch, dass wir an dem Tag die Oliven gepflückt haben. Es hatte bisher noch nicht geregnet und das bedeutet, die Arbeit wird dreckig. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Alle Oliven und Blätter waren noch voller Staub und so auch wir nach getaner Arbeit. Die Hände und Kleidung war braun, die Haare völlig verklebt und währenddessen hatte ich ständig etwas im Auge. Problematisch war das nicht, denn es ist alles wieder sauber und gewaschen. Außerdem haben Oliven eine besondere Bedeutung für Muslime, denn Allah schwört unter anderem auf die Oliven. Das wusste ich auch noch nicht. Im Koran werden die Oliven übrigens öfters genannt, auch im Hinblick auf ihre positiven Auswirkungen auf die Gesundheit. Mehr kann ich dazu aber nicht berichten, tut mir leid. Die Familie macht aus den Oliven Öl. Industriell hergestelltes Öl schmeckt anders, selbstgemachtes schmeckt mir besser. Die weiteren Schritte im Detail kenne ich nicht, aber es klang sehr aufwendig. Deswegen verkauft die Familie das selbstgemachte Öl nicht, es rentiert sich für den Aufwand nicht.

Nach dieser Pause ging es weiter bis wir fertig waren. Einen Baum haben wir gemacht und es stimmt wirklich, dass das viel Zeit und Arbeit kostet. Nach einer gründlichen Wäsche saßen wir kurz beieinander, um dann gemeinsam in der Küche zu essen. Es gab leckere Pasta, Falafel und Sandwiches bis alle satt waren. Im Anschluss kam weiterer Besuch und es wurde eine lustige Runde mit viel Tee, Süßem, schönen Gesprächen und kleinen „Arabischeinheiten“. Ich habe den Tag sehr genossen, es ist immer wieder schön am Alltag der Familien teilhaben zu können.

Liebe Grüße und bis demnächst,

Alisa

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Unser Geschenk für die Unterstützung - natürlich war das Glas voll! (Foto: EMS/Jeric)