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Alltag, Büffelrennen und Weihnachtsferien
Im letzten Blogeintrag habe ich über meine ersten
Nachdem die Ferien vorbei waren, konnte ich mit meiner eigentlichen Aufgabe hier in Blimbingsari beginnen. Ich helfe montags bis samstags vormittags in der Schule des Ortes, die überwiegend von den Kindern des Kinderheims besucht wird, beim Englischunterricht. Direkt in der ersten Woche war allerdings eine Lehrerin krank und deshalb übernahm ich deren Klasse in allen Fächern. Das hat teilweise besser, teilweise schlechter geklappt. Englisch und Mathe liefen sehr gut, aber meine Bemühungen als Indonesischlehrer sind auf jeden Fall noch ausbaufähig, da es für mich schwierig ist, den Kindern Indonesisch beizubringen, wenn sie es selbst besser können als ich. Mittlerweile ist die Lehrerin wieder gesund und es hat sich alles eingependelt. Ich wechsle jeden Tag die Klasse, je nachdem wo gerade Bedarf ist.
Nachmittags nach der Schule machen die meisten Leute hier ähnlich einer Siesta Mittagsschlaf, was auch verständlich ist, immerhin beginnt der Tag für die Kinder schon um 4:30 Uhr. Das hat den Grund, da es morgens einfach deutlich kühler und angenehmer ist. So wird der Tagesablauf um die Mittagshitze herumgestaltet. Danach habe ich dann Zeit, um entweder mit den Kindern Fußball zu spielen oder auf dem Roller die Gegend zu erkunden. Allgemein bin ich aber recht eingespannt, weshalb ich bisher noch nicht wirklich klassische Sehenswürdigkeiten von Bali angeschaut habe. Das will ich in den Weihnachtsferien auf jeden Fall ändern, aber dazu später mehr.
Des Weiteren gebe ich immer noch jeden zweiten Tag Englischnachhilfe in Melaya, so bekomme ich auch mit was dort alles im Kinderheim ansteht. Zum Beispiel war Mitte Oktober eine australische Partnerschule zu Besuch. Außerdem fand in der dortigen Nachbarschaft ein Fest für ein Neugeborenes statt. Das ganze Haus war geschmückt und ein Chor spielte auf dem für Bali so typischen Gamelan, einer Art großem Glockenspiel, am ehesten mit dem bei uns bekannten Xylofon vergleichbar. Mit dem Gamelan werden viele schnelle, sich in leichter Variation wiederholende Rhythmen gespielt. Dazu tanzten zwei Tänzerinnen traditionell balinesische Tänze.
Mehr oder weniger durch Zufall habe ich herausgefunden, dass hier in der Region traditionelle Büffelrennen veranstaltet werden. Es war gar nicht so leicht herauszufinden, wo das Mekepung, wie es auf Indonesisch heißt, letztendlich stattfindet, da der Austragungsort öfters wechselt. Pak Jaka, ein Lehrer aus der Schule, hat mir dabei sehr geholfen und organisiert, dass ich einen Verwandten von ihm begleiten kann, der dort arbeitet. Das ganze kann man sich ähnlich vorstellen wie ein römisches Wagenrennen, allerdings mit Büffeln anstatt Pferden. Sowohl Büffel als auch Wagen sind reich verziert. Die einzelnen Gespanne fahren nicht gegeneinander, sondern auf Zeit und es gibt zwei Durchgänge. Während es die meisten beim ersten Durchgang eher ruhig angehen ließen, ging es beim zweiten Durchgang deutlich rasanter zu und die Menge feuerte fleißig ihre Favoriten an. Vor Ort traf ich einen Fotografen aus Kanada, der Indonesien schon öfters bereist, es aber noch nie zum Mekepung geschafft hat. Er war überglücklich und in der Tat war das ganze Spektakel sehr beeindruckend. Auch eine Gruppe indonesischer Hobbyfotografen gesellte sich zu uns, sie waren, wie sie erzählten, extra aus allen erdenklichen Teilen Indonesiens angereist und so warteten wir alle zusammen, mit unseren Kameras bewaffnet darauf, dass das nächste Büffelgespann um die Ecke schoss.
Ende November fand in Blimbingsari anlässlich des Gründungsjubiläums des Ortes das „Blimbingsari Festival“ statt. Schon im Vorfeld wurde die gesamte Ortsmitte geschmückt. Unter anderem mit sogenannten Penjors, einer Art Maibaum, hergestellt aus einer langen Bambusstange. Das Penjor ist ursprünglich Teil des hinduistischen Glaubens und wird dort an Feiertagen wie etwa dem Galungan aufgestellt. Die balinesischen Christen haben diesen Brauch adaptiert und so werden auch in Blimbingsari an Fest und Feiertagen Penjors aufgestellt. Das Blimbingsari Festival selbst ging über ein Wochenende und es fanden verschiedenste Tanzwettbewerbe und Aufführungen statt. Die Männer aus dem Dorf hatten eine große Pyramide aus Früchten gebaut, welche in einer feierlichen Prozession vor die Kirche getragen wurde.
Mit Beginn des Dezembers begann schlagartig die Vorweihnachtszeit. Diese unterscheidet sich allerdings sehr von der, wie man sie aus Deutschland kennt. Zum einen ist der Großteil der Balinesen nicht christlich und Weihnachten deshalb allgemein in der Gesellschaft weniger präsent, zum anderen gibt es auch die Adventszeit an sich als Konzept nicht wirklich. Anstatt langsam mit Adventskalendern oder Kränzen auf Weihnachten hinzuarbeiten, werden hier direkt den ganzen Dezember hindurch Weihnachtsfeiern veranstaltet. Und das in großer Zahl. In Blimbingsari und Melaya sind die Ortschaften jeweils noch in Untergruppen aufgeteilt. Jede Gruppe feiert ihre eigene Weihnachtsfeier, welche im Prinzip so abläuft wie ein Gottesdienst in Deutschland am 24. Dezember. Dazu feierten die Kinderheime in Melaya und Blimbingsari ihre eigenen Weihnachtsfeiern und nahmen teilweise auch an den anderen im Ort teil. Es war also reichlich was los, mir wurde es zwischendurch fast ein bisschen viel. Weihnachten selbst war dann allerdings gar nicht so spektakulär, ich hatte das Gefühl, das man den Großteil der Feierlichkeiten schon „erledigt“ hatte. Im Kinderheim waren die meisten Kinder schon aufgrund der Weihnachtsferien nach Hause gegangen und so waren wir eine überschaubare Runde.
Für die Weihnachtsferien hatten die andern Indonesien Freiwilligen Emil, Hanna und ich geplant, uns zu treffen und gemeinsam Bali und Java zu bereisen. Wir übten uns in den Wellen vor Medewi im Surfen und verbrachten Silvester in Canggu am Strand. Danach ging es mit Bus und Fähre auf die Insel Java. In Banyuwangi gab es ein den Magen herausforderndes Nasi Goreng, was uns aber nicht davon abhalten konnte, den dortigen Vulkan Ijen zu besteigen. Dazu machten wir uns um Mitternacht auf, um noch im Dunklen am Krater anzukommen und eine Chance zu haben, das blaue Feuer zu sehen. Diesbezüglich hatten wir leider kein Glück, der Vulkan ist wohl gerade nicht so aktiv. Trotzdem war das Ganze sehr beeindruckend. Im Krater vom Ijen tritt Schwefel an die Oberfläche. Dieser wird von Arbeitern für wirklich klägliche Bezahlung abgebaut und mit Holzkörben den steilen Krater hinaufgetragen. Des Weiteren tritt überall Schwefeldampf aus, wenn dieser in die Augen und Atemwege kommt brennt es. Die Touristen bekommen deshalb Atemschutzmasken, die Arbeiter verwenden maximal ein altes T-Shirt vor dem Gesicht.
Danach ging es für uns weiter nach Jogjakarta, welche gewissermaßen die Kulturhauptstadt Indonesiens ist. Wir besichtigten den Borobudur und den Prembanantempel, welche beide ca. 1200 Jahre alt sind. Mich haben besonders die detaillierten Reliefs beeindruckt, die jeweils Geschichten aus der Hindu und Buddha Mythologie erzählen. Des Weitern sind wir auf Java in den Genuss gekommen, Zug zu fahren. Man kann sich nicht vorstellen, wie angenehm nach so langer Zeit eine Motorroller und schlaglochfreie Form der Fortbewegung ist. Allgemein hatte ich den Eindruck, dass Zugfahren in Indonesien eher etwas Gehobenes ist. Die Stationen sind alle herausgeputzt und mit Zierpflanzen und Koikarpfenteichen verziert. Dazu kamen die Züge auf die Minute genau pünktlich.
Mittlerweile sind die Weihnachtsferien allerdings um und ich starte wieder in den Schulalltag.
Sampai Jumpa,
Micha
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
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