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Herzlicher Willkommensbanner vor der deutschen Haustür von meiner Familie (EMS/Mayer)
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04. Juni 2020

Ausgebremst...für den Moment

Rahel

Rahel

Indien
arbeitet in einem Heim für Kinder mit geistiger Behinderung mit
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Ausgebremst… für den Moment

 

Hallo meine Lieben,

wie manche von euch vielleicht schon mitbekommen haben, wurde mein 10-monatiger Freiwilligendienst mittendrin - in der aktiven Hochphase – ohne Rücksicht auf Gefühle und begonnene Projekte, ausgebremst.

Corona war der Grund, der mich zwang, innerhalb weniger Stunden, Indien zu verlassen. Wenn ich an die Situation zurückdenke, als ich die schockierende Nachricht von meiner Mitfreiwilligen Lea erhielt, bekomme ich heute noch eine Gänsehaut. Ich befand mich zu dem Zeitpunkt im Nachmittagsunterricht und konnte der Stimme am Telefon kaum glauben. Wieso sollte ich den Ort und die Menschen von einem auf den anderen Tag verlassen, die mir so lieb geworden sind? Ich fühlte mich doch in den letzten Monaten in meinem zweiten Zuhause sehr wohl und war voller neuer Ideen und Zielen. Durch den plötzlichen Abbruch blieb keine Zeit für Abschied, Nachdenken und das Realisieren der Gegenwart. Ich fühlte mich wie eine herausgerissene Pflanze, die sich mit ihren zarten Wurzeln, in einer fremden Erde verankert hatte, mit dem Ziel zu blühen und zu erfreuen. Gegen ihren Willen wurde sie achtlos und ohne Vorwarnung zurückgepflanzt. Dieses Bild entsteht in mir, wenn ich an die letzten Wochen denke.

 

Ich bin jetzt wieder in meiner deutschen Heimat. Versuche die abgerissenen Wurzeln neu anwachsen zu lassen. Neues Grün, neue Blüten hervorzubringen. Das braucht Zeit, Pflege und Achtsamkeit. Im „Hier und Jetzt“ zu leben und jedem Tag die Chance zu geben, der schönste des Lebens zu werden – das nehme ich mir als Lebensmotto vor. Natürlich werde ich weiter planen und die Zukunft farbig sehen, aber immer mit dem Bewusstsein, dass das blühende Leben kostbar und wertvoll ist.

 

Da ich keine angemessene Zeit für ein dickes fettes „Romba Nanri“ (Vielen Dank) war, möchte ich das auf diesem Wege noch einmal festhalten.

Romba Nanri …

...für diese außergewöhnliche wertvolle Zeit.
...für die Möglichkeit in meiner Persönlichkeit zu wachsen.
...für die einzigartigen Erfahrungen mit einer anderen Kultur und Religion.
...an alle Kinder und Jugendliche, die mir immer voller Energie und Offenheit entgegen sprangen.
...dass, ich an über hundert liebenswerten kleinen Schwestern und Brüdern dazu gewinnen durfte.
...dass, ich ein Teil der großen Center-Familien-Gemeinschaft sein durfte.
...an meinen Chef Mr. Dayalan Barnabas, der mir ermöglichte Musik auf seinem Keyboard zu spielen, mich in allen Projektideen unterstütze und mir in allen möglichen Situationen versuchte seine Kultur näher zu bringen.
...an meinen Schulleiter Mr. Joseph, der sich sehr für meine Registrierung engagierte.
...für die bereichernden Nähstunden meiner persönlichen Lehrerin Mrs. Regina (Frau des Schulleiters Mr. Joseph).
...für die geduldigen Tamil Unterrichtsstunden mit Ms. Selva Priya.
...an Warden Mrs. Ester, die mich in meiner ersten Indien Woche in Bangalore abholte und mir immer ihre Hilfe anbot.
...an die Köchinnen, für das leckere Essen und den morgendlichen gemeinsamen Tee.
...für die Chance und das Vertrauen mit dem Center-Roller in das Dorf zu fahren und persönlicher Chauffeur und Begleiterin von Ms. Rebeccal zu sein.
...geht vor allem an die liebenswerte Sozialarbeiterin Ms. Rebeccal.
Sie hat sich in der Ankommens- und Eingewöhnungsphase herzlich um mich gekümmert, stellte ihre Bedürfnisse zu meinem Wohl hinten an, begleitete mich zu diversen  Krankenhausbesuchen, bot mir ihre Hilfe in allen Situationen an, war bei Sorgen und Heimweh mein persönlicher Kummerkasten, teilte ihre Leidenschaft des Backens mit mir, war für alle Schandtaten bereit, stellte mich ihren besten Freundinnen vor, unterhielt mich ständig mit lustigen und geheimnisvollen Geschichten, genoss die abendlichen Sternstunden mit mir,… sie wurde einfach zu meiner besten Freundin.
...an meine sechs Mitfreiwilligen für den Erfahrungsaustausch, Hilfestellung und Begleitung in unserer gemeinsamen Zeit.
...an meine Mitfreiwillige Ms. Lea, die in jeder Notlage sowohl in gesundheitlichen als auch in persönlichen zu meiner vertrauten Beraterin wurde, für den Austausch aktueller Erfahrungen und diversen Fettnäpfchen, für wunderschöne abenteuerliche Urlaube, für bereichernde und lustigen Telefonate, für Kurzbesuche… und natürlich für die entstandene Freundschaft.
...an meine Familie und Freunde aus Deutschland, die mich aus der Ferne liebevoll, herzlich, fürsorglich begleiteten und fast zu jeder Uhrzeit, trotz Zeitverschiebung, für mich da waren.

 

Ich bin sehr dankbar, dass Gott mir auch in Indien Menschen zur Seite stellte, die mich in dem oft ungewohnten Alltag begleiteten, ermutigten und stärkten.

Die unglaubliche Zeit werde ich nie vergessen und bin so dankbar für alle Menschen, die ich kennen lernte und was ich erleben durfte. Das Schöne an diesem plötzlichen Abschied ist, dass er nicht für immer war, sondern nur für den Moment. Meine Vorfreude auf ein baldiges Wiedersehen ist bereits sehr groß.

Bis wir uns wiedersehen,
eure Rahel

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Unvergessliche einzigartige Momente mit meiner Freundin Ms. Rebeccal (EMS/Mayer)
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Nach langer Rückreise das Ankommen am Flughafen in Düsseldorf und der Abschied von den Mitfreiwiligen (EMS/Schöpfer)
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