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Auf dem Schulgelände des Ramseyer (Foto: EMS/Frey)
14. April 2017

Im Ramseyer

Hanna

Hanna

Ghana
arbeitet in einer Berufsschule mit
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Mein Alltag im Ramseyer

Wie vermutlich auch einige andere Freiwillige, gehe ich in einer freien Minute lieber ein bisschen raus und erkunde meine Umgebung, als in meinem Zimmer über einem Blog zu brüten- der doch sowieso nur einen so kleinen Teil von dem einfangen kann, was ich hier sehe und erlebe. Doch wenn man gar keinen Blog schreibt, erfahrt ihr gar nichts, also fange ich nun einmal an.

Als ich Ende September letzten Jahres im Ramseyer, meiner Einsatzstelle, ankam, war noch alles neu und aufregend. Doch nach einer Zeit, wenn sich der Alltag einstellt, gibt es auch mal Tiefen, die man überwinden muss. Denn als die Schule richtig losging und ich die ersten SchülerInnen kennenlernte (insgesamt sind es wohl 200-300 SchülerInnen, so genau kann ich das nicht sagen), war ich zuerst einmal nur der Obruni („Weißer“), was mich irgendwann ziemlich störte, da ich so immer daran erinnert wurde, hier fremd zu sein. Doch umso mehr freute es mich dann, als mich nach einer Weile immer mehr Schüler mit meinem richtigen oder ghanaischen Namen „Yaa Akyaa“ anredeten.

Aber die wohl größte Heraus- oder vielleicht sogar Überforderung war vor allem anfangs der Computerunterricht. Während ich mich nämlich ansonsten auch einfinden musste, galt es, jede Woche zwei Klassen in ICT (Information & Communication Technology) zu unterrichten, wobei ich keine Hilfestellung hatte, wie ich zum Beispiel den Unterricht gestalten sollte. Eine andere Schwierigkeit ist heute immer noch, dass die SchülerInnen in meinem Alter oder sogar älter sind und mich somit nicht wirklich als Lehrerautorität sehen. Außerdem spreche ich Twi nicht gerade fließend, und mein Englisch ist für die SchülerInnen auch nicht immer klar verständlich, was die ganze Sache auch nicht gerade einfach macht. Vor allem am Anfang vom Schuljahr gab es öfter Stromausfall während meines Unterrichts, wodurch ich mir oft spontan etwas anderes ausdenken musste. Da es auch keinen Projektor oder ähnliches gibt, muss ich den SchülerInnen die Schritte am Computer an der Tafel aufmalen, was meistens ein bisschen kompliziert ist. Ein paar Computer funktionieren auch nicht, wodurch oft zwei SchülerInnen an einem PC sitzen.

Die Abläufe am Ramseyer sind ganz anders als ich sie aus Deutschland gewohnt bin. So kommen bei einer Klasse, die eigentlich aus circa 60 Schülern besteht, oft gerade einmal 15 zum Computerunterricht und viele davon erscheinen auch nicht regelmäßig, wodurch es schwer ist, auf Vorwissen der letzten Stunden aufzubauen (viele Schüler sind fast keinen Umgang mit Computern gewohnt, und wissen zum Beispiel nicht, welche Maustaste man zum Öffnen eines Ordners braucht oder wie man den Computer richtig ausschaltet.). Also sind die Umstände nicht gerade einfach, doch inzwischen macht es mir vor allem Spaß, den Schülern die Computergrundlagen beizubringen- gerade, weil ich mit der Zeit die SchülerInnen auch ein bisschen besser kennengelernt habe!

Man könnte meinen, dass man nach einer Zeit total gestresst ist, wenn man nicht richtig planen kann, es kann zum Beispiel immer zu Stromausfall kommen oder der Schlüssel für den Computerraum kann unauffindbar sein, doch ich habe das Gefühl, mich an das Zeitempfinden hier anzupassen und dadurch viel entspannter an viele Dinge heranzugehen.Ein weiteres Beispiel: Sonntagmorgens, wir sind sowieso schon viel zu spät dran für die Kirche, ich sitze mit meine Gastfamilie im Auto. Mein Gastvater (Pastor bei der Gemeinde, wo wir die Kirche besuchen) sieht auf dem Weg einen Bekannten, stoppt den Wagen an und hält einen kurzen Plausch mit ihm. Wenn ich als Deutsche an meines Gastvaters Stelle gewesen wäre, hätte ich mich auf schnellstem Wege zur Kirche bewegt. Aber hier ist das Zuspätkommen eigentlich normal und wohl niemand nimmt es einem übel (also seid mir bitte wegen des späten Blogeintrags auch nicht böse!).

Zurück zur Schule: Außerhalb meines Computerunterrichts versuche ich mich in der Schule nützlich zu machen, wenn es gerade etwas zu tun gibt (zum Beispiel Abtippen von Dokumenten, Beaufsichtigen der Examen…). Vor allem im Fashion Department (Fachrichtung Schneider) bin ich gern bei den Schülern und versuche mich am Häkeln, schaue beim Nähen zu, helfe beim Skizzieren von Kleidern oder unterhalte mich einfach und lausche der Musik, die dort meistens läuft. Ab und zu schaue ich gern auch im Catering Department (Fachrichtung Hauswirtschaft) beim Zubereiten der unterschiedlichsten Speisen zu (von Pfannkuchensuppe über Salat bis hin zu Samosa), den Maurer-Schülern, die die Fassade verputzen oder den Elektriker- Schülern beim Anschließen eines Stromkreislaufes. In den Pausen setze ich mich gern an einen kleinen Essensstand im Ramseyer, der von Aunti Mary (einer etwas älteren, sehr herzlichen Frau aus dem Norden Ghanas) geführt wird, die nicht so gut Englisch spricht, wodurch ich dort meistens ein paar neue Sätze oder Begriffe auf Twi lernen kann.

So verbringe ich die Vormittage unter der Woche vor allem in der Schule, in der es manchmal sehr betriebsreich, manchmal aber auch ein bisschen langweilig sein kann. Früh am Morgen gehe ich meistens noch etwas verschlafen vom Gästehaus zu meiner Gastfamilie und frühstücke. Mittags gibt es dann in der Schule etwas zu essen. Danach ruhe ich mich oft ein bisschen aus oder streife noch ein wenig auf dem Campus herum. Einem motivierten Schüler gebe ich manchmal nach der Schule Gitarrenunterricht und einmal in der Woche gibt es eine Chorprobe, bei der ich gern zuhöre und gelegentlich versuche, mich mit der Gitarre einzubringen. Ansonsten gibt es immer wieder besondere Projekte, wie zum Beispiel im Februar das allnachmittägliche Trainieren der Schüler für einen Leichtathletikwettkampf im Stadion Kumasis, wobei ich mich beim Joggen gern anschloss, da ich ansonsten leider keine Motivation für Sport finde. Im nächsten Term wird das 40- jährige Jubiläum des Ramseyer Voc./Tech. Institute gefeiert, wobei es bestimmt noch einiges zu tun gibt an Vorbereitungen! Den Abend verbringe ich meistens bei meiner Gastfamilie mit meinen Gastgeschwistern. Immer mal wieder gehen wir vor der Dunkelheit auf Früchtesuche (abends um 18 Uhr geht die Sonne unter und schon kurz danach ist es stockdunkel. Dadurch ist der Rhythmus des Tages ganz anders als in Deutschland). Vor ein paar Wochen hat die Mango- und Avocado-Saison begonnen, was sich für mich ziemlich paradiesisch anfühlt, da es beides nun im Überfluss gibt! Denn eine Mango, die man gerade selbst gesammelt hat, schmeckt einfach so viel besser als die vom Markt!

Alles braucht seine Zeit. Und ich denke, bis ich mich wirklich angekommen gefühlt hatte im Ramseyer brauchte es circa bis Ende Dezember! Gerade sind Osterferien, und ich fühle mich sehr frei, denn ich kann immer tun, worauf ich gerade Lust habe! Aber auch während der Schulzeit an den Wochenenden mache ich gern auch einmal Ausflüge oder verbringe ganze Tage auf dem großen Markt Kumasis um auch ein bisschen aus dem Ramseyer herauszukommen. Denn das große, ruhige und weitläufige Gelände ist nicht wirklich repräsentativ für das sonst so menschenvolle, geschäftige Kumasi! Doch von den Straßen Kumasis werde ich Euch ein andermal mehr erzählen, da mein Bericht sonst wohl nie enden würde! Ich hoffe, Ihr könnt Euch meinen Alltag nun ein wenig vorstellen und ich wünsche Euch ein frohes Osterfest! Liebe Grüße aus Kumasi Yaa Akyaa Hanna Akoto

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Der Computerraum- während einer meiner Stunden (Foto: EMS/Frey)
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Chris (Freiwilliger in Akosombo) und Ich beim Obstkaufen - man beachte die leckeren Mangos! (Foto: EMS/Frey)
Foto: EMS/Keller