info_outline
Der Protest für Migranten- und Menschenrechte in Seoul am international Migrant Worker Day (Foto: EMS/Schmegner)
Der Protest für Migranten- und Menschenrechte in Seoul am international Migrant Worker Day (Foto: EMS/Schmegner)
07. April 2020

Ein Einblick in mein Leben in Südkorea

Annika

Annika

Südkorea
unterstützt die kirchliche Jugend- und Gemeindearbeit
zur Übersichtsseite

Hallo alle Zusammen,

meine Zeit in Südkorea ist nun schon seit ein paar Wochen vorbei und auch wenn es nun ein wenig spät ist, dachte ich mir, dass ich euch noch nachträglich erzähle, was ich denn nun dort gegen Ende so gemacht habe. Mein Alltag hat sich nach einigen Monaten in Korea sehr verändert und verfestigt. Während es in den ersten Monaten ein paar Planungsschwierigkeiten  gab und ich größtenteils  vor allem in verschiedene Programme hineinschnuppern durfte, habe ich in den letzten Monaten vor allem das Migrant Worker Center in Osan besucht und einen Deutschkurs montags und freitags gegeben.                                                                                                                                                               

Ende November wurde ich dem Migrant Worker Center in Osan vorgestellt, welches ich dann jede Woche 2-3 mal besucht habe. Da man nach  Osan ungefähr 2 Stunden mit der Subway fährt, habe ich während meiner Zeit dort in der Unterkunft, in der auch viele der Migranten unterkommen, übernachtet. Das Osan Migrant Worker Center unterstütz Migranten, welche in Korea Arbeit suchen und zum Beispiel Schwierigkeiten mit ihrem  Arbeitsplatz, sowie mit ihrem Visa haben. Nicht nur Migranten, sondern auch Flüchtlingen wird Unterstützung und Zuflucht angeboten. Zusätzlich gibt es noch eine Afterschool, welche Hausaufgabenbetreuung und verschiedene Programme für Kinder von ungefähr 7-14 Jahren nach der Schule anbietet. Passend dazu gibt es noch einen Daycare Center für Kleinkinder, welche sich den ganzen Tag um sie kümmern, während die Eltern arbeiten sind. Relativ häufig kommen die Migranten aus den Ländern Thailand, Vietnam, Nepal oder auch China. Daher sind auch viele der Freiwilligen Arbeiter im Migrant Center oder Missionare aus diesen Ländern um zum Beispiel auch bei der Übersetzung zu helfen. Mittlerweile gibt es auch ein Frauenhaus, bei dem Frauen und ihre Kinder, welche Gewalt oder Missbrauch in irgendeiner Weise erfahren haben, Zuflucht finden. In meiner Zeit in Osan habe ich größtenteils in die verschiedenen Einrichtungen hineinschnuppern dürfen und bei verschiedenen Meetings mitkommen dürfen. Aufgrund der Sprachbarriere war es zum Teil ein wenig schwierig für mich eine Arbeit zu finden, aber das hat mich weiter gar nicht gestört, denn es gab auch so viel zu lernen und zu beobachten. Zusätzlich wurde ich aber auch auf sehr viele spontane Ausflüge oder Proteste bzw. Demonstrationen mitgenommen, da sich die Mitglieder sehr politisch engagieren und sich sehr für die Migranten Rechte und Menschenrechte  in Südkorea einsetzen. So habe ich einen Hungerstreik in einer Universität in Osan, den Protest am international Migrant Worker Day, eine spontane „No War against Iran“ Demonstration, sowie kleinere Proteste gegen die Arbeiterbedingungen und illegal gefeuerten Arbeiter in Südkorea besucht. Wie man sehen kann habe ich nun ganz andere Einblicke, sowie eine ganz andere Seite von Korea zu sehen bekommen. Ich bin sehr vielen Leuten begegnet und durfte ihre Geschichten oder Erfahrungen hören. Dabei habe ich sehr viel über die Arbeiterbedingungen in Südkorea gelernt, welche zum Teil unterirdisch schlecht sind, sowie die Maßnahmen und Reaktionen der Regierung. Zudem wurde mir auch erzählt, dass viele Migranten und Flüchtlinge  immer wieder mit Rassismus konfrontiert werden. Spannend für mich war, dass ich sehr viele Parallelen zu Deutschland und der Flüchtlingssituation ziehen konnte und auch gemerkt habe, dass sich dort auch viele für die Situation in Deutschland interessiert haben. Da ich in Seoul nur einen Einblick in das PCK  Büro bekommen habe, ist das Migrant Center eine Willkommene Abwechslung für mich gewesen  und hat mir eine ganz andere Seite der Kirchenarbeit gezeigt. Leider wird das Center finanziell nicht so sehr unterstütz und es fehlt an einigen Mitteln und Geldern, was man zum Beispiel zum Teil an den Zuständen der Migranten Unterkünfte sehen kann. 

Das Motto des Migrant Center ist : „We are all a big family”. Genauso warmherzig und interessiert wurde ich auch empfangen und behandelt. Da dort so viele Menschen mit verschiedenen Hintergründen aufeinander treffen, ist es  spannend nicht nur in die koreanische Kultur, sondern auch kleine Einblicke in andere Kulturen zu bekommen und zu beobachten wie sie alle miteinander umgehen.  

Neben meinen Besuchen im Migrant Center, habe ich mich im Dezember und Anfang Januar jeden Freitag mit einer Gruppe Studenten der PUTS (Presbyterian University and Theological Seminary) getroffen. Sie können schon sehr gut Deutsch sprechen, wollten aber gerne noch mehr Übung im Sprechen bekommen, daher haben wir einen kleinen privaten Deutschkurs von 5 Leuten eröffnet. Es war aber kein klassischer Deutschkurs, denn wir haben gemeinsam Ausflüge unternommen, Spiele gespielt oder ein Thema vorbereitet, worüber wir uns auf Deutsch unterhalten konnten. Das gleiche habe ich dann noch montags mit einer größeren Gruppe gemacht, welche allerdings noch nicht so gut Deutsch sprechen konnte. Nicht nur die Studenten haben viel von den Kursen mitgenommen, sondern auch ich hab unglaublich viel gelernt, da wir jede Woche Fragen über die Kultur vorbereitet haben und diese dann im Bezug auf Deutschland und Korea beantwortet haben. Somit war das Ganze auch eine große Hilfe für mich, die Kultur besser zu verstehen und auch junge Leute kennenzulernen.

Sonntags bin ich hauptsächlich in einen englischen Gottesdienst gegangen und habe meine Zeit mit den Mitgliedern des Gottesdienstes verbracht, weil man sich danach immernoch zusammengesetzt und sich ausgetauscht hat. Da ich sehr viel Freizeit hatte, habe ich versucht mich oft mit Freunden zu treffen und kann definitiv sagen, dass ich sehr viele gute Freunde hinter mir gelassen habe, als ich wieder nach Deutschland zurück gegangen bin.

Tatsächlich ist die Zeit viel zu schnell vorbei gegangen, vor allem weil ich gerade erst in den letzten zwei Monaten eine Art Routine und Alltagsleben entwickeln konnte, welches ich gerne noch ein wenig verfestigen hätte. Rückblickend sind 6 Monate viel zu kurz, da man schon allein einige Monate Eingewöhnungsphase braucht und wenn man sich dann langsam an alles gewöhnt hat, muss man schon wieder gehen.

Ich hoffe euch hat der ein wenig zu späte Bericht über meine Tätigkeit  und Erlebnisse in Südkorea gefallen.

Mit vielen Grüßen

Annika

 

 

info_outline
Weihnachtsvorbereitungen im Osan Migrant Worker Center (Foto: Chirabhon Som-at)
Weihnachtsvorbereitungen im Osan Migrant Worker Center (Foto: Chirabhon Som-at)
info_outline
Ein paar Einblicke in den Kulturaustausch in meinem Freitag Deutschkurs (Foto: Kong )
Ein paar Einblicke in den Kulturaustausch in meinem Freitag Deutschkurs (Foto: Kong )

Kommentare

Kommentar schreiben