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Der Schulhof der AES (Foto: EMS/Buschmann)
26. November 2016

Die Arab Episcopal School, Irbid

Julia

Julia

Jordanien
unterstützt eine integrative Blindenschule
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Home of Peace Education

Die Arab Episcopal School ist eine integrative Schule für blinde, sehbehinderte und sehende Kinder, Christen und Muslime. Beim gemeinsamen Lernen liegt der Fokus nicht auf den Unterschieden, sondern den Gemeinsamkeiten. Gegründet wurde 2003 zunächst ein integrativer Kindergarten von Pfarrer Samir Esaid und Sabah Zurikat im Zentrum Irbids. Ziel war es, sehbehinderten und blinden Kindern eine frühkindliche Bildung zu ermöglichen, wofür es bis dahin noch keine Einrichtung gab. Da die Kinder von umliegenden Schulen aufgenommen wurden, eröffneten Pfarrer Samir Esaid und Sabah Zurikat eine Schule. Von Jahr zu Jahr wuchs die Schule mit einem weiteren Jahrgang, sodass inzwischen 10 Klassenstufen unterrichtet werden.

Die christliche Privatschule finanziert sich zum einen über die Schulgelder der sehenden Kinder und zum anderen über Spenden. Somit wird den blinden und sehbehinderten Kindern ein kostenloser Schulbesuch ermöglicht. Viele sehbehinderte und blinde Kinder stammen aus ärmlichen Verhältnissen. Mittlerweile besuchen 256 Kinder die Arab Episcopal School, von denen etwa 40 sehbehindert und blind sind. Zur Förderung und Unterstützung begleiten fünf sehbehinderte und blinde Lehrerinnen und Lehrer der 40 Lehrkräfte den Unterricht.

Um den blinden und sehbehinderten Kindern den Einstieg in die Schule zu erleichtern, lernen sie bereits im Kindergarten die Brailleschrift. Im Kindergarten und in der Schule sind extra Förderstunden dafür vorgesehen. Alles Weitere lernen sie mit den sehenden Kindern gemeinsam. Bis zur dritten Klasse begleitet eine weitere Lehrkraft die blinden und sehbehinderten Kinder, um sie bei der Teilnahme am Unterricht zu unterstützen. Eine Rahmenbedingung ist zudem, dass ebenfalls ein Familienmitglied die Brailleschrift erlernt, um sein Kind bei Hausaufgaben unterstützen zu können. Zur Aufzeichnung der Mitschriften und Hausaufgaben benutzen sie eine einfache Schreibtafel, bei der sie jeden Punkt einzeln einstechen müssen. Denn für den Kauf einer modernen Schreibmaschine fehlen die finanziellen Mittel.

Für die sehbehinderten Kinder gibt es zum Teil Bildschirmlesegeräte und Leselupen, um das Tafelbild zu vergrößern. Zu dem verfügt die Schule eine Brailleschreibmaschine, um Schulbücher in Brailleschrift selbst zu drucken. Ein Schulbus bringt die Kinder aus den umliegenden Dörfern sicher zur Schule und wieder nach Hause und erleichtert somit den Schulweg besonders für die sehbehinderten und blinden Schüler. Um die Bildungsmöglichkeiten zu erweitern, möchte die AES in Zukunft auch die elfte und zwölfte Klasse unterrichten und eine Berufsausbildung für blinde und sehbehindert Kinder anbieten. Dieses Projekt ist aus Kostengründen bisher nicht umsetzbar. Leider, denn die Alternative bedeutet ein Leben lang zu Hause bei den Eltern und von ihnen abhängig zu sein. Die Besonderheit der Schule liegt in ihrer dreifachen Integrität: Blinde, sehbehinderte und sehende Kindern lernen und wachsen gleichwertig und miteinander auf. Die sehende Kinder sind dazu aufgefordert den blinden und sehbehinderten Kindern mit Respekt und Nachsicht zu begegnen.

Mit Ausnahme eines Internats in Amman, ist die AES die einzige Einrichtung für blinde und sehbehinderte Kinder. Behinderungen werden in der jordanischen Gesellschaft nicht akzeptiert und daher vorrangig im Verborgenen erzogen. Die AES ermutigt und ermöglicht Familien, ihre Kinder zu fördern und an einem normalen Leben teilhaben zu lassen. Die staatlichen muslimischen Schulen ermöglichen nur einen geschlechtergetrennten Unterricht. Was bedeutet, dass es reine Mädchen und Jungen Schulen gibt. Hingegen sind der AES die Schulklassen gemischt. Nur beim Sportunterricht werden die Klassen vorrangig in zwei Gruppe aufgeteilt. Wie auch in der jordanischen Gesamtbevölkerung, sind die christlichen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte der AES in der Minderheit: Zwei Drittel sind Muslime. Das gemeinsame Lernen und Arbeiten von Christen und Muslimen stärkt das friedliche Miteinander. Denn wo Freundschaft entsteht, hat Feindschaft keinen Raum.

Ich bin sehr froh, diese wertvolle Arbeit für blinde und sehbehinderte Kinder unterstützen zu dürfen. Immer wieder beobachte ich begeistert den respektvollen Umgang der Kinder untereinander, trotz aller Unähnlichkeiten.

Liebe Grüße, Julia

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Allah (blind) nimmt mich gerne in der Pause für einen Spaziergang über den Schulhof an die Hand (Foto: Buschmann/EMS)
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Die Unzertrennlichen: Heba, Taim und Saja finden vor lauter Lachen kaum Zeit fürs Essen (Foto: Buschmann/EMS)