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Unsere Gruppe am Vulkankrater des Dukono. (Foto: EMS/Lang)
Unsere Gruppe am Vulkankrater des Dukono. (Foto: EMS/Lang)
29. Januar 2026

Vom Vulkan zum Kinderheim!

Cedric

Cedric

Indonesien
Universität
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Selamat Siang,

nun ist es schon eine ganze Weile her, dass ich meinen letzten Blog geschrieben habe. Das zweite Semester an der Universitas Halmahera hat bereits begonnen und in der Zwischenzeit ist sehr viel passiert. In diesem Blog werde ich versuchen, von meinen Erfahrungen und Aktivitäten der letzten Monate zu berichten.

Zuallererst: Ich habe ein Motorrad! Diese Errungenschaft macht mich sehr glücklich, da ich dadurch viel unabhängiger bin und schneller von Ort zu Ort komme. Das Motorrad wurde mir vom dritten Vizedirektor der Universität, Mister Nus, zur Verfügung gestellt. Für seine Großzügigkeit bin ich sehr dankbar, denn es ist sein privates Motorrad. Ich nutze es mehrmals täglich und habe mich mittlerweile komplett an den Linksverkehr gewöhnt. Egal ob zu einem Café oder an den Strand, das Motorrad ist mein treuester Begleiter!

Nun stellt sich die Frage: Was habe ich alles erlebt? Es ist zu viel, um alles in einen Blog zu packen, daher beschränke ich mich auf drei meiner Lieblingsaktivitäten. Angefangen mit dem Erklimmen des Dukono, einem der aktivsten Vulkane der Welt. Inzwischen war ich sogar schon zweimal dort.

Am 14.11.2025 war es das erste Mal so weit. Gemeinsam mit Mister Echo, einem Mitarbeiter der Universität, planten wir die Besteigung des Vulkans. Zunächst fuhren wir mit dem Motorrad tief in den Dschungel, über Stock und Stein oder für Indonesien angepasst: über Palmblätter und Kokosnüsse. Nach einiger Zeit erreichten wir den Startpunkt der Wanderung. Von dort aus waren es knapp zwei Stunden bis zu dem Ort, an dem wir campen wollten.

Die Wanderung war nicht allzu anstrengend. Es ging durch relativ dichten Dschungel, sodass wir meist vor der Sonne geschützt waren, dennoch war es sehr warm. Im Camp angekommen, schlugen wir unsere Zelte auf und bereiteten das Abendessen vor: Instantnudeln und Nuggets. Die Nacht war kurz, da wir früh zur Spitze aufbrechen wollten, um den Sonnenaufgang zu sehen. Allerdings brauchten wir morgens länger als geplant und starteten erst nach Sonnenaufgang.

Nun führte der Weg nicht mehr durch den Dschungel, sondern zunächst über Vulkangestein und später durch vulkanischen Sand. Je näher wir dem Krater kamen, desto stürmischer wurde es. Der Nebel wurde dichter, Asche flog durch die Luft, weshalb ich eine Maske tragen musste und es roch stark nach Schwefel. Kurz vor dem Kraterrand mussten wir eine Weile warten, bis sich das Wetter etwas besserte. Schließlich konnten wir bis zum Rand aufsteigen.

Der Blick in den Krater war jedoch nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nebel und Aschewolken hüllten ihn fast vollständig ein. Immer wieder konnte man für ein paar Sekunden den Boden erkennen und sehen, wie dieser ständig aufbrach, während der Vulkan ununterbrochen Asche ausstieß. Lava war allerdings keine zu sehen. Der Abstieg verlief ohne Komplikationen und unterwegs kochten wir noch etwas zum Mittagessen.

Zurück im Dorf Mamuya am Fuße des Vulkans waren wir alle völlig verschmutzt. Glücklicherweise gibt es dort heiße Quellen, die durch den Vulkan entstanden sind. Diese natürlichen Becken sind wie eine große Badewanne für alle, also badeten wir mitsamt unserer dreckigen Kleidung im warmen Wasser und wuschen uns. Das war meine erste Besteigung des Dukono.

Knapp zwei Wochen später besuchten fünf australische Medizinstudierende Tobelo. Anfangs begleitete ich sie im Alltag und erhielt dadurch Einblicke in die beiden Krankenhäuser der Stadt. Dabei wurde mir klar, dass ein Medizinstudium zwar sehr interessant ist, aber definitiv nichts für mich. Nachdem ich so viel vom Dukono erzählt hatte, wollten sie den Vulkan ebenfalls erleben. Gemeinsam mit Mister Apner planten wir eine weitere Besteigung des Vulkanes, diesmal ohne Übernachtung und mit sehr frühem Start.

Leider war das Wetter noch schlechter als beim ersten Mal. Die Sicht war eingeschränkt, dennoch hatten alle Spaß. Unser Guide war ein 13-jähriger Junge namens Angelo aus Mamuya, der bereits über 30-mal auf dem Gipfel war. Ich plane, noch weitere Male auf den Dukono zu steigen, bis ich endlich einmal gutes Wetter habe und die Aktivität des Vulkans klar beobachten kann.

Nachdem ich nun von einer Freizeitaktivität berichtet habe, möchte ich noch von einer Aktivität der Universität berichten. Anfang Dezember fuhr die Englisch-Fakultät gemeinsam zu einem Kinderheim in Galela, nördlich von Tobelo. Die Fakultät ist noch relativ neu und hat daher noch keine Absolventinnen und Absolventen hervorgebracht. Die Regelstudienzeit beträgt acht Semester, aktuell gibt es jedoch erst Studierende bis zum Sechsten Semester, da die Fakultät erst seit knapp drei Jahren besteht.

Das Kinderheim in Galela ist muslimisch, während die Universität christlich ist, jedoch allen Religionen offensteht. Diese Zusammenarbeit empfand ich als sehr angenehm und als schönes Beispiel für das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Christen in Nordhalmahera.

Nach unserer Ankunft wurde zunächst gebetet. Jede und jeder betete für sich, sodass alle entsprechend ihrer Religion beten konnten. Anschließend organisierten wir verschiedene Sprachspiele, um die Kinder für das Erlernen der englischen Sprache zu motivieren. Zusätzlich gab es theoretische Präsentationen, die zeigten, welche Vorteile Englischkenntnisse im späteren Leben bringen können. Natürlich wurde auch etwas Werbung für den Studiengang gemacht. Die Aktivität dauerte zwei Tage, wobei wir abends nach Tobelo zurückkehrten.

Am Ende des zweiten Tages waren die Kinder sehr traurig über unseren Abschied, da ihnen das gemeinsame Lernen großen Spaß gemacht hatte.

Diese drei Aktivitäten sind mir besonders in Erinnerung geblieben und haben mir sehr viel Freude bereitet. Über die Vorweihnachtszeit und die Feiertage gibt es ebenfalls viel zu berichten, das folgt in einem separaten Blogbeitrag. Seid gespannt! Es gab zahlreiche Weihnachtsfeiern, ein großes Weihnachtsfest sowie Silvester und Neujahr.

Bis zum nächsten Mal!

Euer
Cedric

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Der Dukono aus der Nähe in Nebel und Asche gehüllt. (Foto: EMS/Lang)
Der Dukono aus der Nähe in Nebel und Asche gehüllt. (Foto: EMS/Lang)
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Das Kinderheim in Galela, Studierende präsentieren die englische Sprache. (Foto: EMS/Lang)
Das Kinderheim in Galela, Studierende präsentieren die englische Sprache. (Foto: EMS/Lang)

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