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Heiligabend mit Desi und Indri in der Bukit Moria Kirche. (Foto: EMS/Melli)
Heiligabend mit Desi und Indri in der Bukit Moria Kirche. (Foto: EMS/Melli)
10. Februar 2026

Halbzeit!

Aya

Aya

Indonesien
Universität
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Selamat datang kembali ke blog saya 

Nun fragt ihr euch wahrscheinlich: Spricht sie inzwischen fließend Indonesisch? Die Antwort ist simpel und vielleicht ein kleines bisschen enttäuschend: Nein. Auch wenn ich theoretisch ein Sprachgenie sein könnte (bitte lasst mir diese Illusion), muss ich ehrlich sagen, dass ich hier Englisch unterrichte. Dadurch benutze ich Indonesisch im Alltag viel zu wenig. Und wie wir alle wissen, lernt man eine Sprache am besten, wenn man ihr täglich ausgesetzt ist. Genau daran arbeite ich gerade. Ich zwinge meine indonesischen Kollegen und Freunde inzwischen freundlich, aber bestimmt dazu, mehr Indonesisch mit mir zu sprechen oder mich wenigstens zu korrigieren, wenn ich mal wieder voller Selbstbewusstsein grammatikalischen Unsinn produziere. Fortschritt kommt schließlich nicht von allein…

Mittlerweile bin ich seit 5 Monaten hier. Was gleichzeitig bedeutet: HALBZEIT! Einerseits fühlt sich es erstaunlich an, wie schnell die Zeit vergeht. Einmal geblinzelt und zack: Februar 2026. Andererseits fühlt es sich auch an, als wäre ich schon ewig hier. Zeit ist irgendwie ein sehr komisches Konzept geworden. By the way: Alles Gute euch allen fürs neue Jahr! Ich hoffe, ihr hattet genauso unvergessliche Feiertage wie ich. Und wo wir gerade dabei sind, erzähle ich euch jetzt ein bisschen über Weihnachten hier in Tobelo und wie ich es verbracht habe.

 

Weihnachten 

Die Ferien beginnen hier bereits Mitte Dezember und dauern bis Mitte Januar. Für Universitäten und Highschools ist das völlig normal. Für uns klingt das wie ein absoluter Traum. Da wir aber nur an der Uni und Highschool arbeiten, bedeutete das für uns vor allem eines: viel Freizeit. Und mit viel meine ich wirklich viel. Am Anfang war das natürlich herrlich. Wir sind fast täglich an den Strand gefahren, haben entspannt und so getan, als wären wir in einem Dauerurlaub. Nach einer Weile wurde selbst mir das ein bisschen zu ruhig. Ja, ich hätte auch nicht gedacht, dass ich mich jemals über zu viel Strand beschweren würde. Natürlich wurden wir an vielen Tagen immer wieder zu Weihnachtsfeiern eingeladen, doch diese begannen meist erst ab 18:00 Uhr. Also beschlossen wir, gemeinsam mit unserem Mentor einen Kurztrip nach Ternate zu machen.

Vom 22. bis 24. Dezember hatten wir die Chance, einen anderen Teil Indonesiens kennenzulernen. Ternate ist mehrheitlich muslimisch, was man sofort bemerkt: weniger Kirchen, mehr Moscheen und ein ganz anderes Stadtbild. (Uiii, nach Merz’ Stadtbild-Aussage das Wort selbst mal zu benutzen, hätte ich nicht gedacht). Außerdem gibt es dort einen Sultan, der allerdings nur noch eine symbolische und historische Bedeutung hat. Politische Macht besitzt er nicht mehr. Der bekannteste Sultan war Baabullah, der Ternate einst von den Portugiesen befreite. Nach ihm wurde sogar der Flughafen in Ternate benannt. Kurz gesagt: Geschichte live zu erleben statt nur davon zu hören, war ziemlich beeindruckend.

Am 24. Dezember kehrten wir nach Tobelo zurück und spürten sofort die weihnachtliche Stimmung. An Heiligabend gingen wir in die Kirche. Für mich war es tatsächlich das erste Mal überhaupt, an Heiligabend in einer Kirche zu sein. Es war unglaublich besonders, ruhig und irgendwie sehr beruhigend. Ein Moment, der hängen bleibt. Am 25.12. wurde es dann richtig voll. Wir haben fast keinen Platz mehr in der Kirche bekommen, weil gefühlt die ganze Stadt dort war. Die Straßen waren leer, alle hatten auf diesen Tag gewartet. Nach dem etwa zweistündigen Gottesdienst begann das, was ich nur als marathonartiges Gratulieren und Von-Haus-zu-Haus-Pendeln beschreiben kann. Alle besuchen sich gegenseitig, Türen stehen offen und die Wahrscheinlichkeit, an Weihnachten allein zu sein, sinkt auf exakt null. Was mich besonders berührt hat: Christen und Muslime feiern hier gegenseitig miteinander. Sie laden sich zu religiösen Festen ein und verbringen diese gemeinsam. Diese Selbstverständlichkeit hat mich tief inspiriert. Ich habe mir fest vorgenommen diese Geste mit nach Deutschland zu nehmen und sie dort umzusetzen. Vielleicht verstehen wir dann ein bisschen mehr, dass Religionen nie das Problem sind, sondern eher wir Menschen und unsere Denkweisen.

Geschenke spielen hier kaum eine Rolle. Dafür spielt Essen eine sehr große Rolle. Ihr werdet an Weihnachten in Tobelo definitiv nicht verhungern. Jedes Haus ist offen, jeder ist willkommen und man muss nicht einmal Bescheid geben, bevor man vorbeikommt. Diese Großzügigkeit und Gastfreundschaft ist einfach next level. 

 

Silvester 

Über Silvester in Tobelo kann ich euch leider nichts erzählen. Warum? Weil ich die einmalige Gelegenheit genutzt habe, in Kuala Lumpur einen Shawarma zu essen und dazu Ayran zu trinken. Prioritäten müssen gesetzt werden. Seit fünf Monaten habe ich außerdem einen unstillbaren Heißhunger auf griechischen Joghurt, um mir selbst Ayran zu machen. Und leider gibt es den in Tobelo nicht. Ja, Leute. Das sind aktuell meine größten Probleme im Leben. Und ich hoffe wirklich, Gott segnet mich weiterhin nur mit solchen Problemen.

Amin.

 

Zwischenseminar 

In Makassar, Sulawesi, fand unser Zwischenseminar statt und ich habe mich riesig darauf gefreut. Endlich konnte ich Ibu Gustina wiedersehen, die liebe Regine kennenlernen (für sie war es das erste Seminar in Indonesien) und mich mit meinen Mitfreiwilligen wieder vereinen. Das Seminar war perfekt, um sich auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und einfach mal alles rauszulassen. Ehrlich gesagt fiel es mir danach kurz schwer, wieder zurück an meine Einsatzstelle zu fliegen. Aber inzwischen bin ich sehr froh, wieder in meinem Alltag angekommen zu sein. Am letzten Seminartag wollte Ibu Gustina unsere Stimmung heben und brachte uns ins Kino. Wir schauten den Film „Unexpected Family“. Was wir nicht wussten: Der Film ist sehr emotional. „Einige“ von uns verließen das Kino heulend. Ich natürlich nicht… Trotzdem wurde der Film sofort zu einem meiner Lieblingsfilme. Danke Ibu! Nach dem Seminar beschlossen einige Freiwillige, Makassar und Umgebung zu erkunden. Ich verbrachte einen Tag im Rammang Rammang Karst Village und besuchte am letzten Tag den Wasserfall von Bantimurung. Das war mein erster Wasserfall in Indonesien und hoffentlich nicht mein letzter (Spoiler-Alert: er war nicht der letzte;). Am 17. Januar „entführten“ wir dann Ibu Gustina und Regine nach Tobelo, um ihnen die schönste Natur auf Erden zu zeigen (natürlich nur in meinen Augen). Sie sagten nicht nein. Überraschend. Am 20. Januar mussten wir uns leider wieder verabschieden und kehrten endgültig in unseren Alltag zurück.

Aber: 

Ramadan steht bald vor der Tür. 

Und ich bin mir sicher, dass ich euch zeitnah wieder mit neuen Eindrücken, Geschichten und Erfahrungen versorgen werde. Bleibt also gespannt und bis zum nächsten Mal! 

In Liebe, 

Aya

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Besuch von Gustina und Regine in Tobelo (Foto: EMS/Melli)
Besuch von Gustina und Regine in Tobelo (Foto: EMS/Melli)
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Rammang Rammang Karst Village (Foto: EMS/Melli)
Rammang Rammang Karst Village (Foto: EMS/Melli)

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