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Diwali-Malerei vor Atchayas Haus (Foto: EMS/Hildenbrandt)
Diwali-Malerei vor Atchayas Haus (Foto: EMS/Hildenbrandt)
13. November 2018

Happy Diwali!

Sophia

Sophia

Indien
arbeitet in einem Heim für Kinder mit geistiger Behinderung mit
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Diwali oder auch Deepawali bedeutet so viel wie „Lichterschwarm“ oder „Anordnung von Lichtern“, weshalb es auch bei uns oft als Lichterfest bekannt ist. Dieses Fest ist eines der Wichtigsten im Hinduismus und der Zeitpunkt richtet sich nach dem Mond. Es wird circa einen bis fünf Tage lang zum Neumond des Monats Kartik gefeiert, was immer ungefähr auf Ende Oktober/Anfang November fällt. Dabei hat jeder einzelne Tag eine eigene Bedeutung. Dieses Jahr war der Hauptfeiertag bei mir in Tamil Nadu am 6. November.

Der Hinduismus ist eine so vielfältige Religion mit vielen verschiedenen Strömungen. Da sich der Glaube von Region zu Region, vielleicht sogar von Familie zu Familie unterscheidet, unterscheidet sich auch das Gefeierte von Diwali sehr häufig. So wird beispielsweise in Nordindien besonders an die Rückkehr Ramas, Inkarnation Vishnus, gedacht, welcher für 14 Jahre verbannt wurde. Seine Anhänger gelobten, in dieser Zeit keine Lichter anzuzünden und wenn Rama nach diesen 14 Jahre nicht zurückkehre, so würden sie sich selbst anzünden. Als die 14 Jahre vorbei waren und Rama nicht zurück war, entzündeten die Menschen große Scheiterhaufen, doch kurz bevor sie sich selbst verbrannten, kam Rama angeflogen. Heute werden die Flammen als Freudenfeuer interpretiert und gefeiert.

Außerdem wird aber auch oft eine Verbindung mit Lakshmi, der Göttin des Wohlstandes, hergestellt, weshalb diese besonders angebetet wird, da man sich dadurch ein gutes Einkommen erhofft. Einer Legende zufolge besucht die Göttin nur die Häuser, die sauber und ordentlich und mit vielen Lichtern in Form von Öllampen, Kerzen oder Lichterketten geschmückt sind.

Bei mir im Süden des Landes wird vor allem der Gott Krishna verehrt, der den Dämon Nadaka besiegt und so tausende von Frauen befreit hat, welche sich in dessen Gefangenschaft befanden.

Die Symbolik des Lichtes ist jedoch überall ähnlich und so auch im Christentum wiederzufinden: Licht als das Gute, welches das Böse vertreibt. Licht als Symbol für Hoffnung, für das Leben, für Wärme aber auch für das Göttliche. Somit ist auch die Kernaussage des Festes in den verschiedenen Regionen des Hinduismus die gleiche: der Sieg des Guten über das Böse, der Wahrheit über die Lüge, des Lichtes über den Schatten und des Lebens über den Tod.

Ich selber bin in einer christlichen Einrichtung, was aber noch lange nicht bedeutet, dass ich von diesem Hindu-Fest nichts mitbekommen habe. Im Gegenteil:

Das erste, was mir circa eine Woche vor dem eigentlichen Fest aufgefallen ist, waren die Feuerwerkskörper, die täglich teilweise schon am Morgen und am helllichten Tag ständig zu hören und am Abend dann auch zu sehen waren. Auch unsere Kinder haben daran Gefallen gefunden, denn am Freitag hatten wir bei uns in der Schule mehrmals Besuch von anderen High Schools. Die Schüler haben unseren Schülern Süßigkeiten mitgebracht, sie im Unterricht besucht, was für viel Aufregung und Freude gesorgt hat, und später am Nachmittag und am Abend wurden dann auch bei uns Wunderkerzen und Feuerwerke gezündet, was die Kinder total toll und spannend fanden. Außerdem konnte ich auf den Straßen vor den Eingängen der Häuser bereits erste Diwali-Malereien entdecken.

Am Samstag hat dann das verlängerte Wochenende begonnen. Dies bedeutete für die Kinder, dass sie von ihren Familien abgeholt wurden, um Zuhause Diwali zu feiern.
Für mich stand ein zweitägiger Trip mit meiner Mitfreiwilligen Jule aus Nagalapuram nach Madurai auf dem Programm, was circa zwei Stunden entfernt von von mir liegt. Wir trafen uns gegen Mittag am Busbahnhof in Madurai und bemerkten auf dem Weg zum Hostel schnell die Stände, die sich überall auf den Straßen befanden. Am Nachmittag füllten sich die Straßen dann rasch, sodass daraus eine total überfüllte Fußgängerzone wurde. Ein Durchkommen war für Fahrzeuge nicht mehr möglich, was bedeutete, dass wir uns im Zentrum nur noch zu Fuß fortbewegen konnten, da keine Rikscha mehr zu sehen war. Aber davor wurden wir bereits im Voraus gewarnt. Der Einkaufswahn, den wir auf den Straßen Madurais an den Tagen vor Diwali beobachten konnten, scheint aber zu dieser Zeit völlig normal zu sein, auch in kleineren Orten wie Sivakasi, was nicht weit weg von meiner Einsatzstelle ist.
Außerdem erinnerte mich das an die Vorweihnachtszeit in Deutschland, wenn überall Geschenke gekauft werden. Genauso wie in meiner deutschen Heimat „Frohe Weihnachten!“ oder auch „Frohes neues Jahr!“ gewünscht wird, so wird hier an jeder Ecke „Happy Diwali!“ gewünscht. Neben den Glückwünschen gaben uns die Menschen in den Geschäften das Gefühl, ein Teil dieses Festes zu sein, was uns sehr fröhlich stimmte. Wir bekamen beispielsweise kleine Diwali-Geschenke.
Als wir uns dann einen Tee gekauft haben, hat uns der Teeverkäufer ein wenig von diesem Feiertag erzählt. Er bat uns, zu Diwali für die Hindus in den Tempel zu gehen und für unseren Gott eine Kerze anzuzünden. Er selber würde dann zu Weihnachten in die Kirche gehen und eine Kerze für seine Götter anzünden, um gemeinsam mit den Christen dieses wichtige Fest zu feiern. Alleine schon diese kleine Bitte des Mannes versüßte mir den Tag, da ich mich dadurch trotz anderer Religion anerkannt fühlte und diese Akzeptanz beziehungsweise dieses Miteinander unterschiedlicher Glaubensrichtungen für mich sehr wichtig ist.

Am Montag kam ich dann zurück nach Satchiyapuram, um den Dienstag, den Hauptfeiertag des Diwali-Festes mit der Familie unserer Schülerin Atchaya zu verbringen, da diese dem Hinduismus angehört. Am Vormittag besuchte der Vater Atchayas verschiedene Tempel und wir Frauen, also ich, Atchaya, ihre Mutter und Malathi (eine unserer Lehrerinnen und meine Freundin) zogen los, um für mich ein Diwali-Dress zu kaufen, welches ich als Geschenk bekam. Diese Tradition, dass man zu Diwali ein neues Kleidungsstück trägt, wird hier auch teilweise im Christentum zu Weihnachten gepflegt. Es scheint kurz vor Weihnachten eine ziemliche Aufregung zu herrschen, da jeder gespannt ist, welche Weihnachtssaris getragen werden. Anschließend besuchten wir ein Meditationshaus, welches nicht direkt einer Religion angehört. Jeder kann kommen und so werden auch Feste verschiedener Religionen dort gefeiert. Den Nachmittag verbrachten wir dann entspannt Zuhause mit Atchayas großer Schwester Pratibha, spielten Karten und warteten auf den Einbruch der Dunkelheit. Als es dann endlich dunkel war, wurden Öllampen am Hauseingang angezündet und die Nacht wurde zum Tag. Überall war Feuerwerk zu sehen und auch wir ließen uns das nicht entgehen. Als es an jeder Ecke knallte und der Himmel bunt leuchtete, fühlte ich mich wie zu Silvester in Deutschland, nur dass die Temperaturen nicht ganz dazu passten.

Alles in allem hatte ich ein tolles Diwali-Fest mit viel Freude und Lachen und ich bin froh, dass ich es mit einer so herzlichen Familie verbringen durfte!

Am Mittwoch füllte sich dann das Hostel wieder mit Leben und am Donnerstag begann die Schule nach dem langen Wochenende. So langsam werden auch die Feuerwerke weniger und ich bin froh, wieder ruhigere Nächte nach einem so aufregenden Wochenende zu haben!

Bis zum nächsten Mal!
Eure Sophia

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Pratibha, Malathi und ich (Foto: EMS/Hildenbrandt)
Pratibha, Malathi und ich (Foto: EMS/Hildenbrandt)
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Atchaya und ich in unseren Diwali-Dresses (Foto: EMS/Hildenbrandt)
Atchaya und ich in unseren Diwali-Dresses (Foto: EMS/Hildenbrandt)

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