12. Januar 2026

Ahlan wa sahlan

Rania

Rania

Jordanien
Internat
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„Ahlan wa sahlan“ herzlich willkommen. Diese Worte beschreiben meine ersten Tage in Jordanien ziemlich gut. Als ich Anfang Oktober spät nachts am Flughafen ankam, wurde ich abgeholt und zur Theodor-Schneller-Schule gebracht. Dort angekommen versorgte mich Yahia, ein sehr netter Fahrer der Schule, zunächst mit Essen. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch die einzige Freiwillige vor Ort. Müde von der Reise lief ich durch den stillen Flur unseres Wohnbereichs und durfte mir ein Zimmer aussuchen. Ein bisschen surreal war das schon, denn außer der Security vor den Toren des Boarding Houses war niemand mehr aufzufinden. Willkommen in Jordanien, dachte ich mir, und fiel erschöpft ins Bett.

Am nächsten Morgen war die Ruhe schlagartig vorbei. Lehrer und Kinder begrüßten mich herzlich mit einem fröhlichen „Ahlan wa sahlan“. Nun war ich endgültig angekommen. Ustadh Samer (Lehrer Samer, so wird er hier liebevoll von den Kindern genannt) ist unser Ansprechpartner. Er hat mich in seine Geschichtsunterrichtsstunde eingeladen und fragte mich grinsend, wie viel ich denn schon vom Ammiye (dem jordanischen Arabisch) verstanden habe. Anschließend wurde ich der Mädchenfamilie vorgestellt, in der ich nun hauptsächlich arbeite. An diesen ersten Nachmittag erinnere ich mich noch sehr gut: neugierige Blicke, schüchterne Lächeln und viele Fragen. Nach der Hausaufgabenzeit hatten wir dann noch viel Zeit, in der Pause zu quatschen.

Mein Alltag im Boarding House

Mein Alltag fand danach schnell seinen Rhythmus. Bis 13:30 Uhr haben wir Zeit, den Vormittag selbst zu gestalten. Ob Hobbys, Sprachschule oder ein spontaner Ausflug nach Amman ,die Busfahrt dauert immer mindestens eine Stunde. Da die Menschen hier unglaublich offen und hilfsbereit sind, ist diese Routine schnell zur Gewohnheit geworden, denn durch Nachfragen oder verwirrte Blicke habe ich mich schnell zurechtgefunden, auch wenn mein Orientierungsvermögen eher auf „Learning by doing“ basiert.

Nach der Schule kommen die Mädchen ins Internat, wir essen um 13:30 Uhr gemeinsam zu Mittag und anschließend beginnt die Hausaufgabenbetreuung. Meistens bin ich nur in der Mädchenfamilie eingesetzt und unterstütze in Deutsch und Englisch. In Klausurenphasen helfe ich jedoch zusätzlich auch in anderen Familien aus, wenn dort Unterstützung gebraucht wird ,dann wird es oft etwas wilder. Die für mich größte Herausforderung besteht darin, den Lernstoff in begrenzter Zeit zu vermitteln und gleichzeitig motivierte, aber auch erschöpfte oder verzweifelte Kinder bei Laune zu halten. Das gelingt nicht immer, denn die Stimmung kippt dabei durchaus. Mit ein paar lustigen Merksätzen klappt es dann aber doch ab und zu, englische Vokabeln verständlich zu machen. Ob die Kinder dabei eher über meine kreativen Erklärungen oder über mein Arabisch lachen, lasse ich mal offen. Die Familien kann man sich wie Klassen mit einem familiären Verhältnis vorstellen: Die Schüler lernen, spielen, tanzen, essen zusammen und schlafen gemeinsam in einem Saal.

Mein Alltag an Wochenenden

Es ist Oktober, Donnerstagnachmittag, und nun fahren auch die Schüler der Familien zurück zu ihren eigenen Familien. Plötzlich ist das Internat für drei Tage leer. Am Anfang fand ich die Vorstellung gar nicht so schlecht: Zeit nur für mich, die Ruhe genießen. Spoiler: Es ist gut, aber auch viel zu still. Deshalb freue ich mich an Samstagen über Besuch der anderen Freiwilligen aus As-Salt. Zusammen waren wir schon am Toten Meer und in Madaba, einer Mosaikstadt. Da diese jedoch oft nur samstags frei haben, bleiben mir zwei Tage für mich allein. Schnell suchte ich den Kontakt zu anderen Menschen. Eine Jacke habe ich morgens nicht angezogen, denn die Oktobersonne war noch warm genug. Dann machte ich mich auf den Weg, um Kunstgalerien, Märkte und Sehenswürdigkeiten zu erkunden und mich meiner Priorität zu widmen: arabische Süßwaren auszutesten ;). Dabei traf ich viele herzliche Menschen, mit denen ich tolle Konversationen führen konnte. Auch wenn ich diese Zeit für mich sehr genossen habe und sie sehr lehrreich war, war ich doch erleichtert, als Anfang November mein Mitfreiwilliger Jeremias eingezogen ist. Seitdem unternehmen wir auch längere Ausflüge, bei denen ich mir weniger Gedanken darüber mache, zu welcher Uhrzeit ich wieder nach Hause fahre. Obwohl ich mich hier grundsätzlich sehr sicher fühle, habe ich gelernt, meinen Alltag aufmerksam zu beobachten, um besser einschätzen zu können, welche Orte ich lieber nicht allein besuchen sollte.

Abschlussworte

Nun ist es schon Dezember, und der jordanische Winter hat offiziell begonnen. Das heißt: dicke Jacken, noch dickere Decken und jede Menge Straßenkatzen, die nachts sehr überzeugend nach einem warmen Schlafplatz und etwas Futter fragen. Auch an der Schule ist die Weihnachtsstimmung kaum zu übersehen. Ein großer Weihnachtsbaum steht auf dem Gelände, Lichterketten schmücken das Boarding House, bei Feiern werden Kekse verteilt, und die Kinder singen fröhlich Weihnachtslieder. Für die Menschen hier und mich war ausserdem der Arab Cup im Dezember ein Highlight.

Die Ferien rücken langsam näher, doch vorher stehen noch die Abschlussklausuren an. Das ist wohl auch hier der berühmte „Sturm vor der Ruhe“.

Bis bald!

Rania

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