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Beri, Mako und ich bei während dem Commencement Service (Foto: EMS/Gruß)
Beri, Mako und ich bei während dem Commencement Service (Foto: EMS/Gruß)
30. Januar 2026

Schnee, Gemeinschaft und Abschied

Smilla

Smilla

Japan
Landwirtschaftszentrum
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Konichiwa,

In den letzten Wochen ist es hier richtig kalt geworden. Nachts gefriert das Wasser, und am Morgen liegen oft Eispfützen auf dem Boden. Am 3. Dezember hatten wir sogar Schnee. Das hat uns alle sehr gefreut, besonders die Participants aus tropischen Ländern.

Am Mittwoch, den 10. Dezember, fand unser monatliches Community Event statt – dieses Mal im Schnee. Fast jeden Monat gibt es ein solches Event für alle Mitglieder der ARI-Community. Dabei gehen wir gemeinsam in die Natur, spielen Spiele und essen zusammen ein leckeres Mittagessen. Diese Tage sind immer eine schöne Abwechslung vom Alltag.
Für dieses Community Event sind wir in die Nasu-Berge gefahren, wo es sehr viel Schnee gibt. Nach dem Morning Gathering sind wir alle in den Bus eingestiegen und etwa eineinhalb Stunden gefahren. Als wir ankamen, stiegen wir unter leichtem Schneefall auf einem kleinen Bergplateau aus. Direkt danach begann eine Schneeballschlacht. Einige sind durch den Schnee spaziert, andere haben ein kleines Fotoshooting gemacht. Die Stimmung war locker und fröhlich. Nach einer Weile bekamen wir heiße Schokolade, um uns aufzuwärmen, und zum Schluss machten wir noch ein gemeinsames Gruppenfoto.
Danach fuhren wir mit dem Bus hinunter ins Tal. Dort haben wir Adobo gegessen, ein philippinisches Gericht mit Gemüse und Fleisch. Sarah, eine der Participants hat es selbst gekocht. Es war wirklich sehr lecker. Anschließend konnten wir auswählen, mit welcher Gruppe wir weitergehen wollten: Eine Gruppe besuchte ein Onsen, eine heiße vulkanische Quelle, eine andere machte eine Tempelführung. Eine weitere Gruppe ging wandern und hörte dabei die Geschichte vom neunschwänzigen Fuchs, und eine andere Gruppe ging zu einem Foot-Onsen, einer öffentlichen und kostenlosen vulkanischen Quelle, in der man nur die Füße badet.
Ich habe mich für die Wanderung mit der Fuchsgeschichte entschieden. Sie war sehr interessant. Der Legende nach soll sich vor mehreren Jahrhunderten ein neunschwänziger Fuchs in eine wunderschöne Frau verwandelt haben. Durch Verführung soll sie viele Menschen in der Region, darunter auch einen König, getötet haben. Eines Tages kam ein Exorzist, der den Geist des Fuchses in einem Felsbrocken bannte. Die Kraft des Fuchses war jedoch so stark, dass er sich eines Tages befreien konnte, indem der Stein zerbarst und der Geist entkam. (Das ist natürlich nur eine gekürzte Nacherzählung.) Heute kann man den zerbrochenen Stein noch sehen. Dank moderner Technologie weiß man inzwischen, dass die Menschen damals vermutlich an stark konzentriertem Schwefel starben, der aus dem Boden austrat.
Nach der Wanderung bin ich noch durch den Tempel nebenan gelaufen und konnte meine Füße kurz in das Foot-Onsen stecken, bevor wir zurück zum ARI gefahren sind. Insgesamt war das Community Event sehr schön, und ich glaube, alle hatten viel Spaß. Wir mussten vor vier Uhr zurück sein, um uns um die Tiere zu kümmern. Diese müssen zweimal am Tag gefüttert und versorgt werden.
Jeden Monat wechseln die Volunteers ihre Gruppen. Momentan bin ich in Gruppe eins, die für die Schweine verantwortlich ist. Es gibt außerdem Gruppe zwei, die sich um die Ziegen kümmert, sowie Gruppe drei und vier, die jeweils für einen Hühnerstall zuständig sind. Wenn wir den Schweinestall betreten, müssen wir viele Hygienevorschriften beachten. Wir wechseln unsere Gummistiefel, ziehen einen Arbeitsanzug an und desinfizieren unsere Hände. Jedes Mal, wenn wir einen der beiden Ställe betreten, müssen wir außerdem durch ein Fußbad gehen. All diese Maßnahmen dienen dazu, eine Infektion mit Schweinefieber zu verhindern. Denn wenn sich die Schweine mit dieser Krankheit anstecken würden, müssten alle Tiere geschlachtet werden – ebenso die Schweine auf Höfen im Umkreis von mehreren Kilometern.
Das ARI züchtet die Schweine ausschließlich, um sie später zu schlachten und zu essen. Für mich ist das besonders schwierig, da ich Vegetarierin bin. Es fühlt sich widersprüchlich an, Tiere täglich zu füttern, sie zu beobachten und sich um sie zu kümmern, während man gleichzeitig weiß, dass sie irgendwann geschlachtet werden. Vor allem die Babyschweine, die erst ein paar Wochen alt sind, machen es mir emotional nicht leicht.
Wir haben drei Mutterschweine, die alle überraschend groß sind. Ich hätte nicht gedacht, dass Schweine so groß werden können. Neben den Babyschweinen gibt es auch mehrere Monate alte Schweine. Insgesamt sind es etwa 40 Tiere, die alle Anfang des Jahres geboren wurden. Sie leben in Gruppen von fünf bis acht Schweinen zusammen in einer Box.
Letztes Wochenende mussten wir alle Schweine wiegen, um das Futter neu zu berechnen. Das schwerste Schwein wog dabei 91 Kilogramm. Für mich ist es manchmal schwierig, die Boxen zu betreten, um Futter zu geben oder den Boden aufzulockern. Die Schweine sind sehr stark, neugierig und knabbern gerne an allem, besonders an meinen Beinen. Es tut zwar nicht weh, fühlt sich aber trotzdem etwas befremdlich an.
Ich war inzwischen in jeder Gruppe eingesetzt und kann sagen, dass mir Gruppe zwei mit den Ziegen am besten gefallen hat. Die sechs Ziegen sind sehr süß und mögen es, gestreichelt zu werden.
Mitte Dezember sind die Participants wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Das ARI-Programm ist nun beendet, und bei der Commencement Celebration haben alle ein Zertifikat erhalten, das bestätigt, dass sie das Programm bestanden haben. Der Abschied von den Participants war sehr traurig. Natürlich freuen wir uns, dass sie nun ihre Familien und Freunde wiedersehen und das neu gewonnene Wissen in ihren Communities weitergeben können. Trotzdem war es für uns Volunteers schwer, Tschüss zu sagen. Über die letzten neun Monate sind enge Freundschaften entstanden, und wir werden uns vielleicht nie wiedersehen. Deshalb ist die Stimmung im Moment etwas niedergeschlagen. Mit den Participants ist auch meine Zimmergenossin gegangen. Jetzt habe ich das Zimmer für mich, trotzdem ist es schade das sie gegangen ist. Am Ende sind wir gute Freunde geworden.
In ein paar Tagen ist jedoch Weihnachten, und im neuen Jahr, im März, kommen bereits neue Participants.
Ich wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Bis bald

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Die bunten Blätter im Herbst sind besonders schön (Foto: EMS/Gruß)
Die bunten Blätter im Herbst sind besonders schön (Foto: EMS/Gruß)
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Baumkronen: Ich bin fasziniert von der japanischen Flora (Foto: EMS/Gruß)
Baumkronen: Ich bin fasziniert von der japanischen Flora (Foto: EMS/Gruß)

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