
Von Arbeit, Alltag und Weihnachten
Hallo,
Seit meinem letzen Blogeintrag sind jetzt schon wieder 3 Monate vergangen und es ist gerade Halbzeit. Verrückt wie schnell die Zeit verfliegt. Obwohl es sich gleichzeitig auch anfühlt, als wäre ich schon länger hier. Das ist aber, würde ich sagen, eher ein gutes Zeichen und zeigt, dass ich mich wohl inzwischen komplett eingelebt habe.
Tja, wo fang ich an? Jetzt, wo ich hier an meinem Schreibtisch sitze und überlege, was ich schreibe, lass ich mir die letzten 3 Monate noch mal durch den Kopf gehen und stelle fest, dass ich im ersten Blogeintrag versprochen hatte, im nächsten von meiner Arbeit und meinem Alltag zu berichten. Fangen wir doch damit mal an:
Zuerst zu meiner Arbeit. Seit Beginn des 2. Halbjahres gehe ich 4-mal statt 3-mal in die Junior High School, in die auch die meisten Kinder des Kinderheims gehen. Es ist eine sehr kleine Schule mit nur drei Klassen: 7., 8. und 9. In der Schule sind viele Kinder aus anderen Kinderheimen in Singaraja, da die Schule keine hohen Schulgebühren hat wie andere Schulen in Singaraja.
In allen drei Klassen unterstütze ich Miss Juni beim Englischunterricht. Manchmal habe ich mehr zu tun und gestalte den kompletten Unterricht und manchmal assistiere ich Miss Juni auch nur. Manchmal klappt es sehr gut und manchmal funktioniert es auch nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Oft macht es Spaß, aber ab und zu ist es echt stressig, vor allem in der 9. Klasse, wo 40 Schüler sind.
Die größten Unterschiede zu deutschen Schulen sind wahrscheinlich die Schuluniform (donnerstags tragen sogar alle immer traditionelle balinesische Kleidung, aber da bin ich leider nicht in der Schule), dass morgens vor der Schule gebetet wird (in der jeweiligen Religionsrichtung) und dass einmal am Tag die Nationalhymne gespielt wird (zumindest am Anfang).
Eine große Herausforderung meiner Arbeit ist für mich den Unterricht vorzubereiten. Manchmal fallen mir gute Ideen ein, machmal bin ich aber auch hilflos. Gut, dass ich eine Mutter habe, die Grundschullehrerin ist, und so hole ich mir oft Tipps ab. Wenn du das liest: Danke MAMA.
Zusätzlich zu meiner Arbeit in der Schule gebe ich nach dem Mittagessen im Kinderheim von Montag bis Freitag immer eine Englischnachhilfestunde für die 7.-9. Klasse. In den Stunden wiederhole ich meist das Gelernte aus der Schule, helfe bei Hausaufgaben oder helfe beim Erweitern des Vokabulars. Das funktioniert eigentlich ganz gut, oft sind die Kinder aber auch müde oder haben keinen Bock auf Englisch, was ich total verstehen kann. Hätte ich auch nicht, wenn ich morgens schon um 4 Uhr aufstehen würde. Deswegen versuche ich immer etwas Spaß in die ganze Sache zu bringen.
So hat sich um die Arbeit herum ein Alltag aufgebaut ähnlich wie in Deutschland. In meiner Freizeit gehe ich ins Fitnessstudio, teste die indonesischen Cafés oder verbringe Zeit mit den Kindern. Genau wie in Deutschland gibt es spannende Tage, Tage, die wie immer sind oder auch mal langweilige Tage.
Bis vor Kurzem war ich auch nicht der einzige Freiwillige im Kinderheim. Anfang November kamen nämlich 3 Freiwillige aus Holland ins Kinderheim und sind erst am 20. Januar wieder zurück nach Hause geflogen. Nach 2 Monaten „alleine“ tat es schon ganz gut im November dann mal wieder auf Leute zu treffen, die im selben Boot sitzen wie ich. Sie kamen aufgrund ihres Studiums als Krankenschwestern für ein 3-monatiges Praktikum nach Bali. Ihre Aufgabe war vor allem durch vorher gesammeltes Geld Projekte im Kinderheim zu unterstützen. Im April kommen sogar schon wieder neue.
Generell ist fast immer etwas los im Kinderheim. Nicht nur, dass man bei 50 Kindern immer wen findet, um Spiele zu spielen oder man nachts beim Toilettengang auf Kinder trifft, die sich gerade Mangos von den Bäumen holen, sondern auch, dass fast jede Woche Gäste kommen. Verschiedene Kirchenmitglieder, Schulen aus Denpasar, Offizielle der Regierung der Region Buleleng oder auch Sponsoren aus Australien. Alles dabei.
Besonders in der Vorweihnachtszeit war die Zahl der Gäste sehr hoch. Meinem Gefühl nach waren jeden zweiten Tag Gäste hier. Okay, so oft vielleicht auch nicht. Sie brachten dann vor allem viele Lebensmittel und Geschenke für die Kinder. Die Vorweihnachtszeit war aber auch so schon sehr wuselig, da alles für die bevorstehenden Weihnachtsfeste vorbereitet wurde. Auch ich bereitete kleine Geschenke für die Kinder und die Mitarbeitenden vor. Nach dem Schreiben von 60 Karten und dem Einpacken von Haribos und Nimm2 (von denen auch einige in meinem Mund landeten) stand plötzlich schon fast Weihnachten vor der Tür. Kurz vorher ging ich mit Aylin, Fleur, Gwenn (die Freiwilligen aus Holland) und ein paar Kindern noch traditionell balinesische Kleidung shoppen. Bei Männern besteht diese aus dem Sorong, eine Art langer Rock, einem Hemd (oft weiß) und dem Udeng, einer Kopfbedeckung, die ähnlich wie ein Stirnband ist. Da Bali die einzige indonesische Insel ist, auf der die Mehrheit der Bevölkerung hinduistisch ist, ist die traditionelle Kleidung vor allem Teil der Religion, aber auf Bali eng mit der Kultur der Insel verbunden, weswegen sie auch von Christen getragen wird. Gut eingekleidet konnten wir dann in die Weihnachtsfeiern starten.
Am 21.12 gingen wir alle zusammen wie jeden Sonntag in die Kirche. Allerdings hatte dieser schon Ähnlichkeit mit einem Heiligabend-Gottesdienst, wie ich ihn aus Deutschland kenne. Die Kirche war rappelvoll, es wurde das Krippenspiel aufgeführt und verschiedene andere Vorführungen, darunter viele Chor-Vorträge. Obwohl sich in der Vorweihnachtszeit manchmal ein wenig Heimweh meldete und ich nicht so gut in Weihnachtsstimmung kam (vor allem wegen der Wärme!), hat dieser Gottesdienst das verändert. Als dann auch noch „Stille Nacht“ auf indonesisch gesungen wurde, war alles perfekt.
Am Montag danach war die große Weihnachtsfeier im Kinderheim, zu der von allen Kindern die Eltern kamen. Zudem waren auch Leute aus der Kirche und verschiedene Lehrer eingeladen. Volles Haus also. Bereits viele Wochen vorher hatten die Kinder mit dem Einstudieren von Tänzen, Liedern oder auch dem Bauen der Krippe begonnen. Auch wir als Freiwillige konnten natürlich nicht ohne Anteil bleiben und überlegten uns einen Tanz zu einem indonesischen Weihnachtslied. Hauptteil der Weihnachtsfeier war wieder eine Art Gottesdienst, ähnlich wie schon am Sonntag zuvor, also mit vielen Vorführungen. Dann wurden Geschenke für die Kinder ausgeteilt und am Ende gab es ein gemeinsames, sehr leckeres Essen. Insgesamt eine sehr schöne Weihnachtsfeier, bei der alle Spaß hatten.
Dann waren auch schon Ferien und die Kinder fuhren nach Hause zu ihren Familien. Falls sich jetzt manche an dieser Stelle wundern: Die meisten Kinder im Kinderheim haben Eltern, allerdings können diese oft nicht gut genug für sie sorgen, beispielsweise für die Bildung.
Für die Weihnachtsferien besuchte mich ein Freund aus Deutschland, um mit mir gemeinsam zu reisen. Allerdings erst am 26., weswegen ich an Heiligabend noch in Singaraja in die Kirche gehen wollte. Tja, kam dann aber alles ganz anders, denn Heiligabend verbrachte ich im Krankenhaus mit Dengue-Fieber. Echt scheiße gelaufen. Da bin ich das erste Mal an Weihnachten nicht zu Hause und erlebe Heiligabend in einem anderen Land und dann lande ich im Krankenhaus Statt Kirche und Stille Nacht auf indonesisch gab es Blutabnehmen und Infusion. Hätte mir das vorher einer gesagt, wäre ich strenger mit dem Mückenspray gewesen. Das Krankenhausessen war wenigstens deutlich besser als in Deutschland, aber das ist ja auch eigentlich nicht so schwer. Irgendwie habe ich jedoch noch mal Glück gehabt. Meine Blutwerte waren am 25.12 schon wieder besser, weswegen ich nach 2 Nächten entlassen wurde. So musste unser Urlaub zum Glück nicht ausfallen, er verzögerte sich nur etwas und an Silvester war ich bereits wieder in alter Form…
Die Zeit ging viel zu schnell um. Am 9.1 mussten wir uns schon wieder verabschieden, denn für mich ging es zum Zwischenseminar nach Sulawesi. Genauer gesagt fand unser Seminar in Makassar, der Hauptstadt von Sulawesi statt. Gemeinsam mit Freiwilligen der VEM und der Steyler-Missions-Schwestern hatten wir dort 5 schöne Tage. Unter anderem fuhren wir in ein Fischerdorf, um ein Seetang-Projekt der EMS zu besuchen. Mit kleinen Booten, die man wohl als Nussschale bezeichnen würde, fuhren wir aufs Meer raus. Insgesamt tat es gut sich einfach über Erfahrungen oder gegenseitige Probleme auszutauschen. Im Anschluss ans Seminar verbrachte ich mit ein paar anderen Freiwiligen noch ein paar Tage im Nationalpark Bantimurung.
Jetzt bin ich seit 2 Wochen wieder im Kinderheim. Mittlerweile wieder „alleine“ habe ich mich recht schnell wieder eingefunden in den Alltag, deutlich schneller als ich nach den 3 Wochen „Urlaub“ gedacht hätte.
Inzwischen habe ich mein Zimmer gewechselt. Jetzt habe ich ein deutlich besseres Bett und sogar ein Bad auf dem Zimmer. Und keine Sorge: Auch mein Mückennetz habe ich aufgehängt, denn ein zweites Mal Dengue möchte ich auf jeden Fall vermeiden. Zudem habe ich mir einen Roller gemietet, denn ohne Roller in Indonesien, das geht eigentlich nicht. Mit dem Roller bin ich beweglicher und hab es einfacher mehr zu entdecken. Zusätzlich will ich jetzt unbedingt mein Indonesisch verbessern, denn das ist - ehrlich gesagt - noch ziemlich ausbaufähig.
Also allerhand zu tun für Hälfte Nummer zwei. Wie es mit mit meinem indonesisch so läuft, erfahrt ihr dann im nächsten Blogeintrag.
Sampai jumpa
Hannes



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