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Abschied nehmen... (Foto: EMS/Muthu Kumar)
23. Juli 2019

Willkommen Zuhause!

Sophia

Sophia

Indien
arbeitet in einem Heim für Kinder mit geistiger Behinderung mit
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Vor fast einem Monat hieß es "Abschied nehmen" vom Elwin Centre, der mit all den Menschen, die dort leben und arbeiten, zu einem Zuhause für mich wurde. 10 Monate, fast ein Jahr, waren vorbei. Eine lange, aber irgendwie auch viel zu kurze Zeit, bei der ich kaum glauben kann, dass sie so schnell vorbei war. Nun bin ich in Deutschland und blicke zurück auf meinen Aufenthalt in Indien, der schon so weit weg zu sein scheint. Viele Dinge und vor allem viele Menschen vermisse ich bereits jetzt und ich kann sagen, dass es nicht meine letzte Reise nach Indien gewesen sein wird. Dieses Land hat mir so vieles gegeben, so viele wunderschöne Erfahrungen beschert, mich vieles gelehrt, mich wachsen lassen und mich auch irgendwie zu einem anderen Menschen gemacht. Ich bin wirklich dankbar für jeden Tag und jede Situation, auch wenn sie einmal schwierig war, denn ich habe es immer geschafft, sie zu meistern und habe dadurch erst gemerkt, was eigentlich in mir steckt. Durch diese ganz persönlichen Erfahrungen, die ich machen durfte, Erfahrungen, die niemand wirklich verstehen oder nachvollziehen kann, der nicht in einer ähnlichen Situation war, dadurch hat sich eine Art Beziehung oder Verbindung mit Indien als Land und mit seinen Menschen entwickelt, die in mir fast schon Heimatgefühle hochkommen lassen. Denn obwohl ich in einer ganz anderen Kultur mit einer ganz anderen Sprache aufgewachsen bin und eine andere Hautfarbe habe, wurde Indien zu einer Art Heimat, da mich die Menschen willkommen hießen und ich mit dazugehören durfte. Irgendwie sind wir trotz Andersartigkeit alle gleich. Wir sind alle nur Menschen. Aus diesem Grund konnte ich auch ein Stück meines Herzens dort am anderen Ende der Welt lassen und ein Teil meines Herzens wird wohl immer Indien gehören.

Nun bin ich hier in der Heimat, in der meine Familie 10 Monate auf mich gewartet hat, in der ich aufgewachsen bin, die mich geprägt hat und in der ich eigentlich mein ganzes Leben verbracht habe. Es ist eine vertraute Umgebung, in der ich die Straßen und Wege kenne, Dinge wiedererkenne und Bekannte auf der Straße treffe, was ein schönes und beruhigendes Gefühl ist. Aber irgendwie ist mir diese Umgebung gerade auch fremd und ich nehme sie mit anderen Augen wahr. Nachdem ich ankam, folgten unzählige Glücksmomente, Umarmungen, Überraschungen, Wiedersehen und auch ein paar Freudentränen. Aber das mulmige Gefühl in meinem Bauch will noch nicht ganz verschwinden, dieses Gefühl der Ungewissheit. Wie werden die folgenden Tage, Monate und Jahre in Deutschland nun aussehen? Was hat sich in meiner Abwesenheit verändert? Wie werden die ersten Treffen mit meinen Freunden? Sind sie eigentlich noch meine Freunde oder haben wir uns in den letzten 10 Monaten in verschiedene Richtungen entwickelt? Wie lässt sich mein "indisches Ich" nun mit meinem deutschen vereinen? Wird alles wieder wie vorher oder habe ich mich zu sehr verändert? Wie sehr habe ich mich eigentlich verändert? Fragen über Fragen, vielleicht sogar mehr, als vor meiner Ausreise nach Indien. Und auf all diese Fragen werde ich erst in den nächsten Wochen und Monaten eine Antwort finden können.

Mit diesem letzten Blogeintrag möchte ich mich nun verabschieden und Euch noch etwas ans Herz legen: Schaut euch die Welt an, lernt mehr über andere Religionen und Kulturen und hinterfragt das, was ihr beobachten könnt. Nur so kann man das Fremde verstehen und ein Verständnis dafür entwickeln. Nur so wird Andersartigkeit endlich als etwas Positives aufgefasst werden und Toleranz wird zur Realität werden. Nur so können wir auf den Boden der Tatsachen zurückkehren und erkennen, was wirklich wichtig im Leben ist, was uns wirklich glücklich machen kann. Denn das ist etwas, was viele Menschen vergessen haben und wieder lernen müssen. Auch ich habe zu diesen Menschen gehört und erst jetzt erkannt, wie wichtig das eigentlich ist und wie viel einfacher das Leben sein kann, wenn man sich über manche Sachen keine Gedanken machen muss. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen nur das Beste!

Liebe Grüße, Eure Sophia

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