
Alltag an der Schneller-Schule und Leben in Amman
Marhaban!
Mittlerweile ist es schon fast zwei Monate her, seitdem ich in Amman gelandet bin. Für mich fühlt es sich jedoch eher so an, als wäre ich erst seit zwei Wochen hier. Vermutlich liegt das daran, dass es noch immer unfassbar viel für mich zu entdecken und zu lernen gibt. Darüber hinaus merke ich immer mehr, wie sehr mich dieser Ort auch persönlich verändert. Viele Dinge, die mir zuvor selbstverständlich erschienen, bekommen hier eine neue Bedeutung. Geduld, Flexibilität und Humor sind im Alltag unverzichtbar geworden, gerade wenn Pläne spontan geändert werden oder Missverständnisse entstehen. Gleichzeitig erlebe ich eine große Offenheit und Herzlichkeit, die mir den Einstieg sehr erleichtert hat. Besonders beeindruckt mich, wie viel Lebensfreude und Zusammenhalt die Kinder trotz teils schwieriger Hintergründe mitbringen. Diese Haltung wirkt ansteckend und erinnert mich täglich daran, wie wertvoll zwischenmenschliche Beziehungen und gemeinsames Erleben sind.
Schon meine Ankunft war voller neuer Eindrücke. Ich wurde von Abu Hussam abgeholt und nach einer, sagen wir, sehr turbulenten Fahrt zur Theodor-Schneller-Schule gebracht. Dort wurde ich herzlich von Ostadh Sahmir empfangen und habe Rania, meine Mitfreiwillige, kennengelernt. Kurz darauf folgte meine erste Mahlzeit in Jordanien: Mandi. Mandi ist ein traditionelles jordanisches Reisgericht, das meist mit Hähnchen oder Lamm serviert wird. Die Zubereitung erfolgt in speziellen Gruben oder Tontöpfen, wodurch das Fleisch besonders zart wird und eine eigene, sehr aromatische Note erhält.
Nach etwas Schlaf habe ich am Nachmittag die Jungs aus Family 3 kennengelernt. Nach einem gemeinsamen Essen und ein wenig Quatschen in der Sofaecke ging es direkt zum Fußballspielen. Auch wenn es auf dem Platz manchmal etwas lauter oder körperlicher wurde, habe ich nie erlebt, dass Emotionen über das Spielfeld hinausgetragen wurden. Generell herrscht zwischen den Jungs eine sehr gute Dynamik. Natürlich gibt es auch Konflikte, was völlig normal ist, wenn man Tag und Nacht zusammenlebt, doch diese werden meist schnell untereinander gelöst.
Generell steht Gemeinschaft hier klar im Vordergrund. Die Kinder haben keine Einzelzimmer, sondern schlafen gemeinsam in einem Schlafsaal. Auch die Wohnung selbst ist mit ihren großen Räumen darauf ausgelegt, dass alle zusammen sind. Die Kinder lernen dadurch früh, Rücksicht aufeinander zu nehmen, sich gegenseitig zu unterstützen und Verantwortung füreinander zu tragen. Sich einfach abzukapseln ist keine Option, und genau das stärkt das Miteinander.
Das Besondere an der Theodor-Schneller-Schule ist, dass hier vor allem Kindern aus ärmeren Familien eine sehr gute Bildung ermöglicht wird und ihnen zusätzlich nach der Absolvierung der 10. Klasse sogar Ausbildungsplätze mit Übernahmechancen geboten werden.
Nun würde ich euch gerne zeigen, wie mein Alltag an der Schneller-Schule aussieht. Morgens gehe ich zu meiner Sprachschule in Al Abdali, einem sehr schönen Stadtteil im Zentrum von Amman. Fünfmal die Woche bin ich dort, um Arabisch zu lernen. Vor allem das Schreiben und Lesen auf Arabisch hat mir sehr dabei geholfen nachzuvollziehen, wo und wie Verständnisschwierigkeiten bei den Kindern entstehen, wenn wir gemeinsam Deutsch- oder Englischhausaufgaben machen.
Nachmittags bis abends verbringe ich meine Zeit mit den Kindern. Wir spielen Fußball, ich helfe bei Deutsch- und Englischhausaufgaben und wir essen zusammen. Auch wenn sich die Sprache noch manchmal als Hindernis erweist, hat uns das bisher nicht davon abgehalten, Wege zu finden, um miteinander zu kommunizieren und Spaß zu haben. Besonders schön ist, dass das Lernen nicht nur in eine Richtung funktioniert. Wenn ich mich abends hinsetze, um meine Arabischhausaufgaben für die Sprachschule zu erledigen, dauert es meist nicht lange, bis die Kinder dazukommen. Dann korrigieren sie meine Fehler, bringen mir neue Wörter bei oder lachen mit mir über falsche Aussprache.
Zusätzlich war ein echtes Highlight der Arab Cup, bei dem ich mit den Kindern bei jedem jordanischen Spiel angefeuert und mitgefiebert habe. Das große Highlight war dann natürlich das Finale, in dem Jordanien gegen Marokko spielte und schon Tage vorher die Menschen Stimmung auf den Straßen gemacht haben. Letztendlich hat Jordanien zwar knapp verloren (3:2), doch das ließen sich die jordanischen Fans nicht anmerken, und es wurde ausgelassen getanzt und gefeiert.
In meinem nächsten Blog möchte ich den Blick über den Alltag an der Schule hinaus richten und von ersten Reisen durch Jordanien sowie von den Menschen erzählen, die ich dabei kennengelernt habe.
Damit ma’a salama und bis zum nächsten Blog!



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