
Halbzeit: mein „Winter“ in Indien
Die Weihnachtszeit war dieses Jahr sehr anders als der gewohnte kalte Dezember in Deutschland. Ich muss aber sagen: Die Kälte habe ich nicht wirklich vermisst!
Anfang November wurde ich gefragt, ob ich nicht bei einem Weihnachtschor teilnehmen möchte. Auch wenn ich eigentlich nichts mit Singen am Hut habe, dachte ich mir, dass es eine schöne Gelegenheit wäre, neue Leute kennenzulernen. Also war ab da jede Woche Donnerstag Chorprobe angesagt. Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht! Ich habe tolle neue Menschen kennengelernt und auch neue Lieder gelernt, sogar auf Tamil.
Anfang Dezember haben wir dann schon angefangen, in der Kirche zu singen. Allgemein haben sich die Weihnachtsfeiern über den ganzen Dezember gezogen und es waren wirklich viele Feiern. Auch in der Schule wurde viel gefeiert. Dort habe ich den Mädchen ein deutsches Weihnachtslied („Schneeflöckchen, Weißröckchen“) beigebracht, das wir dann gemeinsam auf der Bühne gesungen haben.
Anfang Januar hatte ich außerdem ein Zwischenseminar in Nagpur gehabt, was weiter im Norden von Indien liegt. Dort war es sehr spannend zu hören, wie es den anderen in bestimmten Situationen geht, und sich Tipps zu holen. Ich fand viele Situationen sehr ähnlich, und wir haben gemeinsam gute Lösungswege besprochen.
Im Januar sind dann auch meine Mutter und meine Schwester zu Besuch gekommen. Das war richtig schön, weil sie die Situationen, von denen ich am Telefon erzählt hatte, endlich live erleben konnten. Für mich war das auch etwas ganz Besonderes. Die Mädchen in der Schule haben sich riesig über die neuen Gesichter gefreut und ganz viele Fragen gestellt.
Gleichzeitig war ich aber auch froh, nach unserer Reise wieder „nach Hause“ zu kommen. Als ich mit meiner Mama und meiner Schwester neue Orte entdeckt habe, habe ich die Schule und die Menschen hier doch schon vermisst. Der gewohnte Alltag mit all seinen Routinen. Mein Zimmer, das Essen, die vielen „Hallos“, die mir auf dem Weg zugerufen werden. Sogar das Duschen aus einem Eimer mit nicht gerade warmem Wasser, woran ich mich am Anfang sehr gewöhnen musste, war plötzlich wieder normal. Ich wusste wieder, wo alles seinen Platz hat und wo ich was finde. Es ist einfach schön, wieder hier zu sein.
Im Moment sieht wieder fast jeder Tag ähnlich aus, aber das bringt mir auch ein bisschen Ruhe nach dem ganzen Trubel. Ich versuche jetzt, noch mehr von Madurai zu sehen und mich mit verschiedenen Leuten zu vernetzen, um noch mehr vom lokalen Leben hier kennenzulernen.
Was ich allerdings sehr vermisse, ist meine Freiheit aus Deutschland. Als ich mit meiner Mama und meiner Schwester unterwegs war, war das kein Problem. Jetzt, und auch schon vor ihrem Besuch, war ich alleine im Hostel, und vor jedem Ausgang muss ich erst um Erlaubnis fragen. Das ist für mich sehr ungewohnt. Natürlich verstehe ich auch die Sorge dahinter, aber es bleibt eine Umstellung.
An der Gastfreundschaft der Inder hat sich aber nichts verändert. Auch die Vielfalt des Landes beeindruckt mich nach wie vor, sogar noch mehr, seit ich ein paar weitere Orte in Indien besuchen durfte. Es ist wirklich beeindruckend, wie unterschiedlich die Regionen hier sind. Besonders der Norden unterscheidet sich stark vom Süden: im Essen, in der Kleidung, in der Religion, im Klima, bei den Tuk-Tuks, beim Schmuck und auch die Menschen unterscheiden sich, sowohl im Aussehen als auch in ihren kulturellen Eigenschaften.
Ich bin nach wie vor beeindruckt von Indien und erstaunt, wie schnell die Zeit vergeht. Tatsächlich ist schon mehr als die Hälfte meines Freiwilligendienstes vorbei. Ich genieße meine Zeit hier weiterhin sehr und bin gespannt, was mich in den nächsten Monaten noch erwartet.
Bis bald
eure Barbara



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