07. November 2019

Ein Tag im Leben des Willy

Willy

Willy

Jordanien
arbeitet in der Theodor-Schneller-Schule mit
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Als ersten Blog habe ich mir überlegt, dass ich über einen ganz normalen Tag als Freiwilliger in der Theodor Schneller Schule in Amman schreibe... Unsere Arbeitswoche beginnt am Sonntag da der Sonntag der erste Tag der Arbeitswoche ist, da in den muslimischen Ländern der Ruhetag nicht wie in den christlich geprägten Ländern auf Sonntag fällt, sondern der Freitag ist und der zweite Wochenendstag ist der Samstag und so fällt der erste Arbeitstag auf den Sonntag.

Unser Sonntag beginnt normalerweise gegen 9 Uhr morgens wo wir von unserer Schule in den Stadtteil Ruseifa mit dem offiziellen inoffiziellen Linienbus in die Innenstadt fahren...Amman hat kein offizielles Linienbussystem wie es das in unseren Städten gibt, dass ein Bus aller 15 Minuten eine Station anfährt, hier ist es so, dass ein Bus dann losfährt, wenn er voll ist und die Leute da auf der Strecke rauslässt, wo sie wollen und neue Leute auch am Straßenrand einfach einsammelt, wenn sie dem Busfahrer ein Handzeichen zum rechts ranfahren zeigen. Also laufen wir vom Berg auf dem die Schule steht runter zur King Hussein Street, eine große Hauptstraße, die direkt vor dem Schulgelände langgeht wo die Busse verkehren. Nach kurzer oder manchmal auch längerer Wartezeit, wenn die vorbeifahrenden Busse bereits besetzt sind fahren wir nun mit einem Hyundai Kleinbus in Richtung Rakkadan, einen der Bus-Knotenpunkte, um von da auch einen Bus in Richtung Innenstadt zu nehmen. Mit dem Bus in der Innenstadt angekommen steigen wir an der Hussein Moschee aus, die Hussein Moschee ist ein zentraler Platz in der Innenstadt, von wo man in alle Winkel der Stadt laufen kann und auch die meisten Geschäfte sind. Vom Moschee Platz aus laufen wir nun eine der großen Seitenstraßen lang um dann wieder abzubiegen in eine weitere Nebenstraße, die nun schon stark an Geschäften und Läden abgenommen hat da so gut wie alle immer an denn Hauptstraßen sind.

Wir drei laufen also diese Seitenstraße weiter bis zu einer steilen Treppe, die uns auf den Berg der Sprachschule führt. Amman ist generell sehr bergig und hügelig was entspanntes Laufen in die verschiedenen Bezirke schonmal ausschließt. Oben am Berg angekommen laufen wir noch ein Stückchen weiter und man merkt bereits, dass die Sprachschule in einem reicheren Bezirk liegt, denn die Häuser werden immer größer und die Straßen sind mehr begrünt, man sieht überall Blumen blühen, Palmen und Bäume wachsen und auch der Müll auf denn Straßen der in dem Bezirk der Schneller Schule noch überall rumliegt ist da auch nur noch minimal vorhanden. Wir laufen also in die Sprachschule, ein recht offenes und lichtdurchströmtes Gebäude, überall hängen Bilder mit regionalen Motiven oder abstrakten Gestalten. Wir drei warten also bis unsere Sprachlehrerin kommt und dann beginnt unser Unterricht auch meist kurz darauf.

Wir lernen in der Schule den regionalen Dialekt der gesprochen wird und nicht Hocharabisch, da in so gut wie jeder Stadt oder Region ein eigener Dialekt gesprochen und in den Schulen unterrichtet wird und würden wir Hocharabisch lernen, würden wir hier in Amman so gut wie niemanden verstehen und uns würde auch niemand verstehen. Ihr müsst euch das so vorstellen als würde jemand der in der Schule nur Hochdeutsch gelernt hat plötzlich ins ländliche Bayern kommen...der versteht da auch nichts ^^. Nach unseren 1 ½ Stunden Sprachkurs die wir zweimal in der Woche haben gehen wir dann den selben Weg wieder zurück um an der Moschee wieder einen Bus Richtung Schneller Schule zu nehmen, doch dieses Mal müssen wir uns beeilen, da unser Sprachkurs 12 Uhr endet und unsere Arbeit 13:30 anfängt. Meistens schaffen wir es pünktlich zum Mittagessen dann in der Schule zu sein, aber manchmal hat man kein Glück damit, einen Bus zu finden oder dieser steht im Stau.

Das Essen in der Schule ist sehr abwechslungsreich von der Zubereitung obwohl die Grundzutaten oft nur Reis und Bohnen sind. Dazu kommen dann noch Salat oder verschiedene Gemüsesorten und meist einmal am Tag auch Fleisch. Das klingt jetzt für mitteleuropäische Verhältnisse nach nicht viel, aber nur die wenigsten außerhalb Europas können sich täglich Fleisch leisten geschweige denn überhaupt einmal in der Woche. Das Abendessen besteht meist aus frischen Pita-Broten und dazu gibt es dann täglich wechselnd verschiedene Dips, mal Hummus, ein Kichererbsenpüree, mal Fool ein warmer Bohnenbrei, mal Käse, mal Frischkäse oder auch ab und zu Falafel, das sind frittierte Kichererbsenbällchen.

Nach dem Mittagessen haben die Kinder eine Stunde Zeit zum spielen oder entspannen nach der Schule, in dieser Zeit spiele ich oft mit ihnen, zum Beispiel "UNO", ein Spiel dass sie sehr lieben, oder auch Spiele wie Verstecker oder Mikado. Nach der Spielstunde machen wir alle zusammen die Hausaufgaben, dafür haben die Kinder etwa zwei Stunden Zeit also von 15 Uhr bis 17 Uhr. In dieser Zeit helfe ich denn Kids bei ihren Deutsch-, Englisch- und Mathe-Aufgaben. Wenn die Hausaufgaben erledigt sind, gehen wir mit ihnen auf den Spielplatz der gleich auf dem Schneller Gelände ist. In dieser Zeit spielen wir mit denn Kindern, schubsen sie aug der Schaukel an, schwingen das Schwingseil oder spielen Frisbee. Nach der Spielpause gehen die Kinder sich waschen und danach gibt es Abendessen.

Nach dem Abendessen spielen wir meist noch gemütlich zusammen oder machen die letzten Hausaufgaben noch fertig und gegen 20 Uhr ist dann Schlafenszeit und wir bringen die Kinder zu Bett. Sobald sie dann bettfertig sind, sag ich allen nochmal einzeln "Gute Nacht" und dann ist mein Arbeitstag vorbei. Nach der Arbeit sitze ich noch oft mit Teresa und Arne zusammen und wir spielen Karten oder schauen uns Filme an und gegen 23 Uhr oder wann halt der Film zu Ende ist endet auch mein Tag. Wo ich jetzt schonmal beim Thema "Film" bin, ein bisschen Werbung in eigener Sache. Ich filme schon seit ich hier in Jordanien bin ab und zu meinen Alltag oder wenn wir zusammen Ausflüge machen und lade dies als Vlog auf YouTube hoch. Suchen sie nach "Willy Max Friedrich" bei YouTube und ob Sie wollen oder nicht landen sie dann bei meinem Kanal und können sich die Vlogs anschauen. Denn ich finde ein Video mit Bild und Ton spiegelt das Land und die Leute immer schöner wieder als nur ein paar schwarze Buchstaben auf weißen Hintergrund.

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