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Mit Franco auf dem Spielplatz (Foto: EMS/Cohnen)
Mit Franco auf dem Spielplatz (Foto: EMS/Cohnen)
14. Oktober 2018

Welcome in South Africa!

Emma

Emma

Südafrika
arbeitet in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung mit
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Liebe Leser*innen!

Nun bin ich schon seit 4 Wochen in Südafrika und es ist so viel passiert, dass es mir sehr schwer fallen wird, einen kurzen Überblick über meine ersten Eindrücke zu verfassen. Hier mein Versuch :)

Ich bin sehr froh, hier zu sein und fühle mich wohl!
Meine Arbeit, welche in einem Heim für Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen stattfindet, ist eine sehr schöne, aber auch sehr anstrengende Arbeit. Ich habe jetzt nach 3 Wochen das Gefühl, dass ich wirklich in den Tätigkeiten angekommen bin und die Kinder immer besser kenne und mir diese auch schon sehr ans Herz gewachsen sind. Ich werde nach anfänglichen kleineren Schwierigkeiten immer schneller im Wickeln und Waschen und freue mich jedes Mal, wenn ich merke, dass ich nun alle meiner, aus 8 Kindern bestehende, Gruppe erfolgreich und ohne große Kleckereien füttern kann :)
Langsam begreife ich auch, was die Kinder gut können, was ihnen Spaß macht und was ich mit ihnen unternehmen kann. Ganz besonders schön sind die Momente, in denen etwas ganz kleines und unerwartetes passiert, das in mir aber ein großes Glücksgefühl freisetzt: Wenn zum Beispiel das eine Kind es schafft, alleine auf einem Stuhl zu sitzen, oder ein anderes Kind, das sehr selten reagiert plötzlich meinen Finger nimmt, oder ich auf dem Spielplatz auf der Schaukel im Arm ein Kind halte, und dieses plötzlich nicht mehr sabbert und den Kopf nicht mehr in der sonst andauernden Bewegung dreht, sondern ganz ruhig und entspannt wird oder eine spontane Tanzparty mit den Kindern veranstaltet wird - das sind Dinge, die den Tag am Abend zu einem sehr guten Tag machen, auch wenn ich vielleicht mitten am Tag mal nicht besonders glücklich und zufrieden mit mir war und nicht immer recht mit mir anzufangen wusste.

Auch in Elim bin ich mittlerweile angekommen. Das Dorf mit seinen knapp 2000 Einwohner*innen ist wirklich klein, hat aber auch seinen ganz besonderen Charme. Es ist an sich, aber auch seine Umgebung und Natur, wunderschön! Es ist unglaublich erholsam, dass ich immer, wenn ich das möchte oder brauche, ein paar Schritte aus unserem Tor rausgehen kann und mitten zwischen grünen Wiesen, Bergen und ganz vielen Kühen und Pferden stehen kann, die hier auf den Straßen unterwegs sind.
Es ist auch sehr still hier. Nicht wirklich leise; es sind bloß andere Geräuschquellen, als in meinem Zuhause in Stuttgart, bzw. neuerdings in Esslingen. Dort höre ich eher Autolärm und hier höre ich die Vögel zwitschern und die Grillen zirpen und den Wind in den Palmen und anderen Bäumen rauschen.
Ja, Wind - den gibt es hier wirklich viel! An dem ständig wechselnden Wetter merkt man auch die Nähe zum Meer, auch wenn wir dieses nur sehr selten sehen.

Obwohl ich so ziemlich mitten im Nirgendwo gelandet bin, wird es jedoch fast nie langweilig. In meiner Freizeit bin ich entweder hier im Dorf und drum herum unterwegs oder auf kleinen aber sehr feinen Ausflügen. Lena, meine Mitfreiwillige, und ich waren schon in Hermanus, um die vielen Wale zu sehen, die in der Bucht ihre Babys zur Welt bringen, wir waren mit einer befreundeten Familie auf einer "Artroute" in einem benachbarten Dorf und gestern waren wir Einkaufen, was bedeutete: Taxi, was eigentlich eher ein Bus ist, am Samstag um 7.15 Uhr nehmen und nach Bredasdorp fahren, dann irgendwie mit unseren Taschen voll Lebensmitteln zum Taxi zurückkommen und gegen 12.00 wieder nach Hause fahren.

Es wurde aber auch schon ein paar Mal richtig laut in Elim: Zum Beispiel beim Blumenfestival, was an unserem zweiten Wochenende stattfand. Rund um Elim gibt es unglaublich viele Wildblumen und seit Jahren wird das Blommefees veranstaltet, das unter anderem eine Blumenausstellung, sowie ein Musikfestival, als auch eine riesige Modelschau (die Bewohner*innen von Elim stehen total auf Modeln, sowohl von Mädchen, als auch Jungs. Diese Veranstaltungen mit großem Bespaßungsfaktor durften wir schon mehrfach miterleben ;)), Rugbyspiel und Disco beinhaltet. An diesem Wochenende war hier ganz schön was los.

Diese Woche war in der Kirche "Family-week", was bedeutet, dass jeden Abend Gottesdienst war und immer unterschiedliche Institutionen, die mit Kindern zu tun haben, die Gastgeber*innenrolle übernahmen. An einem Abend war das das Elim Home. Der spontan gestaltete Gottesdienst, in dem die Kirchengemeinde in 7 Gruppen aufgeteilt wurde, die dann jeweils spontan drei Lieder singen sollten - was alle, (außer uns ;)) bravourös und mit viel Elan und Polonaise über die Bühne brachten - und mit anschließendem Essen, war sehr schön und abwechslungsreich und sehr im Kontrast zu den sonstigen sonntäglichen Gottesdiensten, die sehr ähnlich sind wie die, die ich von zuhause kenne.
Diese besuchen Lena und ich immer mit einigen der Childcarer und Kindern aus dem Home. Es ist eigentlich immer schön dort, doch da der fast zweistündige Gottesdienst logischerweise auf Afrikaans ist, verstehe ich leider immer noch nur ein paar Worte: Gott, Liebe, Gnade, Brüder und Schwestern, Bitte und Danke, oder so ungefähr ;) Das Singen der Lieder macht dafür viel Spaß! Einige der Melodien kenne ich und da die afrikaanse Sprache ähnlich zum Niederländischen ist, das auch nicht so weit vom Deutschen entfernt ist, kann ich, wenn ich sie gleichzeitig höre, lese und ausspreche gut verstehen oder zumindest große Teile erahnen.

Das ist jetzt mal ein ganz grober Überblick über ein paar Aspekte meines Lebens hier in Elim. Ich hoffe, dass ich einen kleinen Ausschnitt über das, was ich erlebe vermitteln und mit jedem weiteren Blogeintrag ein bisschen was hinzufügen kann! Bis hoffentlich zum nächsten Mal!
Liebe Grüße, Emma

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Der Blick von unserer Terasse; im Hintergrund Teile des Dorfs und der Kirche (Foto: EMS/Cohnen)
Der Blick von unserer Terasse; im Hintergrund Teile des Dorfs und der Kirche (Foto: EMS/Cohnen)
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Wale vor Hermanus (Foto: EMS/Cohnen)
Wale vor Hermanus (Foto: EMS/Cohnen)

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Andreas Tasche 17. Oktober 2018 Deutschland, Herrnhut
Liebe Emma, Du kennst mich nicht, aber ich will Deinen Dienst dankbar und in meiner Fürbitte begleiten. Ich bin Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Herrnhuter Mission und habe immer wieder mit Südafrika und besonders mit den Moravians in Südafrika zu tun. Danke für Deinen schönen Beitrag. Ich werde etwa 14tägig nach neuen Beiträgen Ausschau halten. Danke, dass Du ein buntes Leben in Deutschland mit dem "mitten im Nirgendwo" in Südafrika getauscht hast. Ich bin sicher, Dein Tun in Elim wird Dir wie anderen Menschen zum Segen gereichen. Bleib behütet! Und schau gelegentlich mal auf meine Südafrika-Internetseiten: https://www.herrnhuter-missionshilfe.de/laender/suedafrika/. Wenn ich aus der Ferne etwas für Dich tun kann (Infomaterial u. dgl.), dann lass es mich wissen. In Verbundenheit, Andreas Tasche
PS: Ich hoffe, ich darf gelegentlich aus Deinem Blog im Newsletter der Herrnhuter Mission zitieren? Meine E-Mail-Adresse: a.tasche@ebu.de