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Beim "Morning Ring" bei den Gladiators (meine momentane Gruppe) (Foto: EMS/Cohnen)
Beim "Morning Ring" bei den Gladiators (meine momentane Gruppe) (Foto: EMS/Cohnen)
06. März 2019

Religion im Alltag

Emma

Emma

Südafrika
arbeitet in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung mit
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Elim ist eine ehemalige Missionsstation der Herrnhuter Brüdergemeine. Das Dorf mit seinen knapp 1500 Einwohner*innen wird von der Kirche und nicht vom Staat verwaltet.

Die Bedeutung der Religion und des Glaubens ist immer und überall zu spüren und in jedem Aspekt des Dorflebens verankert. Ich werde euch in diesem Blogeintrag ein paar Situationen schildern, in denen mir der Glaube tagtäglich begegnet.

Meine Einsatzstelle, das Elim Home, ist eine non-profit Organisation unter der Leitung der Kirche. Schon von außen sieht man die Verbindung zur Moravian Church durch das Logo, das neben dem Namen des Homes prangt. Wenn ich das Elim Home betrete sehe ich rechts an der Tür jedoch erst mal ein Bild von Nelson Mandela und ich freue mich immer, dieses Bild am Morgen zu sehen und finde es immer noch unglaublich, dass Nelson Mandela persönlich im Elim Home war.

Dann sehe ich viele, viele Kreuze – mindestens über jeder Tür zu den Schlafkammern aber auch im Office und in den Gängen. An den Wänden hängen Sprüche zu Jesus und Gott und Bibelzitate. Die Arche Noah ziert die Wand der Sporthalle.

Nachdem alle Kinder gewaschen sind und gefrühstückt haben, gibt es theoretisch in jeder Gruppe einen Morning Ring, was bedeutet, dass alle Kinder zusammen sitzen oder liegen und eine Geschichte hören oder Lieder singen oder gesungen bekommen. In den Schränken von jeder Gruppe gibt es Liederhefte – es sind Lieder zu Gott, Jesus, Glaube und Hoffnung.

Außerdem gibt es ein paar Geschichten: Da gibt es die Schöpfungsgeschichte, die Geschichte von Noah, ...

In den Gruppen, in denen Kinder sind, die sprechen können, wird vor dem Essen gesungen und Gott für das Essen gedankt. Sonntags gehen einige Mitarbeiterinnen mit ein paar Kindern in die Kirche. Die Kirche ist eigentlich immer sehr voll und auch von mir als Freiwillige wird erwartet, dass ich mit den Kindern zum Gottesdienst gehe.

Religion bekomme ich aber nicht nur in meiner Einsatzstelle, sondern auch von meinen Mitmenschen und ihren Gesprächen mit:

Dass ich Vegetarierin bin, ist den allermeisten Menschen, denen ich bis jetzt in Südafrika begegnet bin, absolut unerklärlich. Ich habe schon die witzigsten Fragen gestellt bekommen, wie, ob ich denn auch keine Schokolade mag, wenn ich kein Fleisch esse.
Ich habe aber auch schon den Kommentar von einer meiner Kolleginnen bekommen, dass ich doch einfach Fleisch essen könne, da Gott uns die Tiere zum Essen gegeben habe.
Der Meinung bin ich zwar nicht, aber es zeigt auch die Wichtigkeit von Gott im Denken und Handeln mancher Menschen hier.

Das merke ich auch bei allen Veranstaltungen: Egal ob vor einer Konferenz, dem Blumenfestival, der Modelshow oder dem Debütant*innenball – erst mal wird die Tageslosung gelesen und häufig auch gebetet.

Selbst wenn ich bei Janeen, meiner Afrikaanslehrerin, bin und wir ab und zu fern schauen, fällt mir auf, was für eine große Rolle die Religion in den Serien spielt, zumindest in den beiden afrikaansen Serien, die wir öfter anschauen. Das sind die beiden Serien, bei denen ich von vielen meiner Kolleginnen weiß, dass sie sie schauen.

Einmal, als ich im Elim-Taxi von Kapstadt nach Elim saß, hat Michael, der Taxifahrer irgendwann den Fernseher angemacht und einen Film eingelegt – es war ein Film über die Kraft Gottes, die einer jungen Frau zurück in ihr Leben geholfen hat.

Neben den ganzen „banalen“ Aspekten, in denen ich den Einfluss der Religion spüren kann, ist die Rolle der Kirche als Verwaltung momentan ein sehr großes Gesprächsthema.

Die Präsenz dieses Themas liegt, denke ich. unter anderem an zwei aktuellen Geschehnissen:

Zum Einen hat in der Nacht vom 30.12.18 auf den 31.12.18 ein Feuer die Missionsstätte Wupperthal (etwa 370km nördlich von Elim) größtenteils zerstört. Nun gibt es riesige Probleme der Finanzierung des Wiederaufbaus, denn auch dort ist die Kirche die Verwaltung und die Regierung sieht sich nicht als verantwortlich, den Wiederaufbau mitzufinanzieren.

Zum Anderen gibt es in Elim gerade viel Streit, da es im Gespräch ist, dass die Regierung das Land „bekommt“ und die Menschen sich ihr Land dann kaufen müssten. Das Ganze ist leider sehr kompliziert, denn die Häuser, in denen die Menschen wohnen, gehören den Menschen selber, nicht aber das Land auf dem die Häuser stehen. Dieses gehört momentan zumindest noch der Kirche.

Doch auch im Allgemeinen, wenn man etwas in Elim bauen möchte, zum Beispiel eine Mauer für einen erweiterten Wohnraum, dann muss das zuerst durch den Kirchengemeinderat gehen. Oder wenn man ein Café oder ähnliches eröffnen will, muss das von dem Kirchengemeinderat bewilligt werden.

Durch den Verwaltungsaspekt der Kirche spielt diese als Bestimmungsorgan überall mit rein ... Und wenn ich zur Post gehe, finde ich mich zwischen lauter Bibelzitaten wieder.
Wenn ich zur Wassermühle spaziere, muss ich mich unter deren Zulauf ducken, auf dem steht, dass diejenigen gesegnet werden, die sich klein machen.

Und der ganze Stolz Elims ist der Biblische Garten – der ist aber auch wunderschön – der hinter der großen, schönen Kirche am Ende der Kerkstraat, der „Kirchenstraße“ – der Hauptstraße – steht.

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Die Kirche in Elim und rechts daneben der Eingang zum "Biblischen Garten" (Foto: EMS/Cohnen)
Die Kirche in Elim und rechts daneben der Eingang zum "Biblischen Garten" (Foto: EMS/Cohnen)
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Foto von Nelson Mandelas Besuch im Elim Home, das im Gang über der Tür prangt (Foto: EMS/Cohnen)
Foto von Nelson Mandelas Besuch im Elim Home, das im Gang über der Tür prangt (Foto: EMS/Cohnen)

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