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Mit Tishan auf dem Weg ins Ziel (Foto: EMS/Cohnen)
Mit Tishan auf dem Weg ins Ziel (Foto: EMS/Cohnen)
21. Mai 2019

Ein wundervoller Tag!

Emma

Emma

Südafrika
arbeitet in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung mit
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Im März gab es eine sehr schöne Veranstaltung für ein paar Kinder des Elim Home. Es fand wieder der alljährliche „Friends Day“ in Kapstadt statt, ein Treffen von verschiedensten Einrichtungen für junge Menschen mit Behinderungen, bei dem gegeneinander in Sportaktionen angetreten wird.

Also hieß es früh morgens aufstehen und unter wunderschönem Sternenhimmel zur Arbeit laufen. Dort wurden Kuthala, Cindy Lee, Josy, Cetti, Tishan und Andy fertig zum Aufbruch gemacht und um kurz nach 7.00 stiegen wir in den Elim Home-Combi und machten uns mit dem Sonnenaufgang Richtung Gansbaai auf. Gansbaai ist 41km von Elim entfernt und die erste Stadt, an der wir auf dem Weg Richtung Kapstadt vorbeikommen und dazwischen liegt nur ein weiteres Dorf. Daran merkt man mal wieder, wie sehr Elim ab vom Schuss ist und für südafrikanische Verhältnisse ist das eigentlich noch gar nichts ;)

In Gansbaai gibt es ein Outreach, also eine Außenstelle des Homes, wo Kinder mit Behinderungen aus der Umgebung halbtags betreut werden. Es gibt auch noch ein weiteres Outreach und zwar in Bredasdorp, der nächstliegenden Stadt, also 37km entfernt, wofür gerade ein Gebäude gebaut wird, was bald fertig sein wird!
In Gansbaai warten wir auf die Kinder und Betreuerin aus dem Outreach, die uns zu dem Friends Day begleiten und dann geht es weiter. Durch die touristische Stadt Hermanus und vorbei an vielen, vielen Weingütern, über den Houw Hoek-Pass und dann über Sir Lowry`s-Pass, wo von man dann bei guter Sicht bis zum Tafelberg schauen kann.

Ein großer Teil der 180km langen Strecke führt mehr oder weniger am atlantischen Ozean entlang und es ist einfach wunderschön. Ich kann mich nach so vielen Fahrten dieser Strecke immer noch nicht sattsehen und da ist es klar, dass die Kinder und jungen Erwachsenen, die nicht sehr oft aus Elim rauskommen, zum Teil wie gebannt aus dem Fenster schauen.

Cetti weiß ganz genau, was bei dem Friends Day auf ihn zukommt, da er schon mehrfach dabei war. Er seufzt überglücklich und in einem Fort: „Ons gaan Kaapstad toe!“, also so viel wie: „Wir gehen nach Kapstadt!“

Als wir nach der langen Fahrt in Kapstadt ankommen, fahren wir zum Campus eines Krankenhauses, das auch den Friends Day Care Center, eine Tagesbetreuung ebenfalls für Menschen mit Behinderungen, beherbergt.

Als wir dort ankommen tobt schon der Bär! Überall tummeln sich Menschen, die unglaublich glücklich wirken: Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Menschen mit Behinderungen, Eltern, andere Familienangehörige, Pfleger*innen.

Eigentlich gibt es ein festgelegtes Programm mit Sportaktionen und deren Teilnehmer*innen, aber es ergibt sich eher eine spontane Mischung des Programms und alles wird nicht so eng genommen.

Es finden Buggy-Rennen, Geh- und Krabbel-Wettbewerbe, Wettrennen und Bohnensäckchenwerfen statt. Jede*r kann mitmachen – manchmal sind die Kinder und Jugendlichen gefragt, manchmal müssen eher Eltern oder Betreuer*innen alles geben. Aber das Schönste überhaupt: Es geht darum, dabei zu sein und jede*r darf so sein wie er oder sie ist.

Alle Teilnehmer*innen bekommen Urkunden und Medaillen, alle werden geehrt.

Bei einer Sache sticht aber wirklich auch das Elim Home aus der Masse:

Beim Wettkrabbeln gibt Cetti alles. Um ihn herum viele kleinere Kinder, die langsam aber (zumindest mehr oder weniger) sicher vorankommen, er selber startet durch wie eine Rakete, schnell wie der Blitz und nach wenigen Sekunden rauscht er durch das Ziel.

Während für seine Mitstreiter*innen noch mehr der Weg das Ziel ist, als das Ziel selbst, weiß Cetti ganz genau, dass er gewonnen hat und auch wenn es vielleicht gar nicht so wichtig scheint, für ihn ist das das Größte!

Auch Tishan ist überglücklich, als wir zusammen den Sieg erringen und während wir da rennen, merke ich richtig, wie er ganz plötzlich aufblüht und so richtig in seinem Element ist, mit einem klaren Ziel vor Augen. Und auch er merkt, dass er gewonnen hat und kann sich unglaublich darüber freuen.

Kuthala ist eher damit beglückt, zuzuschauen, als zu rennen, aber auch sie genießt sichtlich diesen außergewöhnlichen Tag.

Leider sind nicht alle so glücklich – Andy zum Beispiel ist alles um ihn herum viel zu viel: Zu viele Menschen, zu viele Geräusche, zu viele Eindrücke.

Trotzdem wirken die meisten Menschen um mich herum sehr zufrieden und viele sogar richtig beschwingt.

Mir ist sehr bewusst, dass das Zusammenleben mit Menschen mit Behinderungen nicht immer leicht ist und, wie auch das Zusammenleben mit jedem physisch und psychisch gesunden Menschen, sehr anstrengend sein kann und in manchen Situationen sogar unmöglich scheinen kann.

Doch es gibt auch immer sehr positive Momente – bei manchen mehr, bei manchen weniger – und diesen bestimmten Moment durften ganz viele Menschen zusammen erleben, was mich sehr berührt und ganz viel Hoffnung und Freude gegeben hat. Und ich hatte das Gefühl, dass ich da nicht alleine war.

Besonders bei den anwesenden Eltern und Betreuer*innen hatte ich das Gefühl, dass es genau diese Gefühle ausgelöst hat, gezeigt hat, dass sie nicht alleine mit ihren Schwierigkeiten sind und sich gegenseitig Kraft geben können und das war für mich ein wunderschönes Gefühl.

Denn für diese Menschen ist das kein Ding, das nach zehn Monaten vielleicht für immer zu Ende ist, sondern ihr tägliches Leben, das auch nach dem Arbeitstag nicht zu Ende ist, sondern dann erst anfängt. Und all diesen Menschen wünsche ich ganz viele solche stärkenden Momente und ich bin sehr dankbar, dass ich diesen einen miterleben durfte!

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Josy auf der Autofahrt (Foto: EMS/Cohnen)
Josy auf der Autofahrt (Foto: EMS/Cohnen)
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And the winner is ... Cetti! (Foto: EMS/Cohnen)
And the winner is ... Cetti! (Foto: EMS/Cohnen)

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Verena Elisabeth Reichel 13. Juni 2019 Deutschland
Ich bin in Südafrika aufgewachsen, 1953-1962, mein Vater, Norman Reichel, war Pfarrer der Moravian Church, mein Onkel, Meinhard Reichel war auch Pfarrer in Elim. Ich war mit meinem Mann 2017 zu einer Begegnungsreise in RSA. Wir haben auch das Elim Home besucht. Ich freue mich immer sehr, wenn ich Nachrichten vom Elim Home lese! Grüßen Sie bitte Suster Wyngaard von mir! Sie hat uns damals so herzlich empfangen. Ich kann mir gut vorstellen, wie schön der Event in Kapstaad war!
herzliche Grüße nach Südafrika
Schwester Reichel