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Das Schultor der Presbyterian Nursery and Primary School (P.N.P.S.) Bafoussam (Foto: EMS/Körner)
Das Schultor der Presbyterian Nursery and Primary School (P.N.P.S.) Bafoussam (Foto: EMS/Körner)
30. November 2018

We are praying to God...

Johanna

Johanna

Kamerun
arbeitet in einem Krankenhaus und einer Schule mit
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… Bless us, oh Lord and bless us through all the day

… Bless us, oh Lord and bless us through all the day, as we study, in Jesus’ name. Amen! Dieses kurze Gebet wird von allen Schülern jeden Morgen vor Schulbeginn gebetet. Um die Bedeutung von Glaube und Religion hier im Alltag soll es also im Folgenden gehen.

Einen großen Teil meines Alltags macht natürlich meine Einsatzstelle, die Schule, aus. Wie schon beschrieben wird dort vor Unterrichtsbeginn und auch vor dem Essen und nach Schulschluss gebetet. Aber auch sonst spielt der christliche Glaube eine relativ große Rolle. Für die Schüler der Primary School findet morgens ein Morgenlob statt, bei dem erst einige Lieder gesungen werden, gebetet wird und dann die Nationalhymne gesungen wird. Die Lieder dabei sind alle christlich oder zumindest christlich angehaucht. Genauso sind in der Nursery School viele von den Liedern, die gesungen werden, christlich. Auch im Unterricht werden immer wieder Dinge christlich begründet, wodurch bemerkbar wird, dass die Lehrer christlich sind. Und auch bei den Schülern wird beispielsweise davon ausgegangen, dass sie sonntags in die Kirche gehen. Allerdings muss auch gesagt werden, dass die Schule zur „Presbyterian Church in Cameroon“ (PCC) gehört, also keine staatliche Schule ist. Ich weiß nicht, ob es an diesen Schulen anders ist.

Meiner Meinung nach ist es hier aber grundsätzlich eher „normal“ in die Kirche zu gehen. Es gibt zwar wie in Deutschland Unterschiede darin, wie streng gläubig eine Person ist, wie wichtig ihr die Kirche ist und wie engagiert sie dort ist, aber die meisten Leute (die ich bisher kennengelernt habe) gehen regelmäßig in den Gottesdienst.

Auch meine Gastfamilie ist christlich. Bei einigen zeigt es sich darin, dass sie auch vor dem Essen beten. Außerdem hört man eigentlich ständig jemanden von meiner Gastfamilie oder den Nachbarn, die im gleichen Hof wohnen, singen, was dann oft auch christliche Lieder sind. Ansonsten wird relativ viel und offen über Gott und/oder den Glauben geredet. Allgemein wird außerdem oft bei Treffen – ob kirchlich oder nicht – gebetet und Gott für das Essen, für die Gemeinschaft oder den jeweiligen Anlass gedankt. Und auch im Alltag wird immer wieder Gott gedankt, beispielsweise für Regen, für Geld oder für Hilfe durch eine andere Person.

Abgesehen vom Christentum gibt es hier vor allem zwei weitere Religionen: den Islam und den Animismus. Der Islam ist aber hauptsächlich im Norden des Landes verbreitet, weshalb man hier eigentlich kaum (erkennbare) Moslems sieht. Der Animismus ist hier mehr zu finden. Dass eine Person Animist ist, bedeutet aber noch nicht, dass sie nicht auch christlich sein kann und viele Christen sind nicht der Meinung, dass das eine das andere ausschließt. Dabei wird bemerkbar, dass der christliche Glaube eben erst durch die Kolonialmächte eingeführt wurde und der Animismus weiterhin in einigen Traditionen verankert ist und sich parallel zum Christentum gehalten hat.

Ich befinde mich zwar in einem christlichen Umfeld und kann also nur aus dieser Sicht berichten. Ich habe aber insgesamt das Gefühl, dass der Glaube hier im Alltag präsenter ist, als in Deutschland. Natürlich gibt es trotzdem genauso Unterschiede darin, wie gläubig eine Person ist und jeder hat seine eigene Art und Weise seinen Glauben auszuleben.

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Die Schüler der Primary School beim täglichen Morgenlob (Foto: EMS/Körner)
Die Schüler der Primary School beim täglichen Morgenlob (Foto: EMS/Körner)
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Die leere Kirche (Foto: EMS/Körner)
Die leere Kirche (Foto: EMS/Körner)

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