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Aufbruch nach Douala (Foto: EMS/ Julien)
Aufbruch nach Douala (Foto: EMS/ Julien)
14. September 2017

Ein lachendes und ein weinendes Auge

Verena

Verena

Kamerun
arbeitet in einer Gesundheitsstation und Schule mit
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Die Tage vor der Ausreise noch genießen, das war mein Ziel. Ob ich das so ganz geschafft habe, kann ich schwer sagen. Denn natürlich wurde ich vom Packstress erfasst. Somit verbrachte ich meine letzten Tage in Tübingen irgendwo zwischen Kofferpacken, Zimmeraufräumen, Abschied nehmen und Einkäufe bei DM und Müller erledigen. Zwischendurch musste ich noch die letzten Impfungen hinter mich bringen und einen Berg voller Papierkram bändigen.

Kamerun- Wo ist das genau? Die Frage habe ich mir vor meiner Ausreise öfters angehört. Erklärungsversuche scheiterten, da es meist auf die gleiche Antwort führte. " Ach, stimmt, du gehst ja nach Afrika." Auch auf die Frage, warum ich nicht meinen Freiwilligendienst in Deutschland leiste, (da dies vielen sinnvoller erscheint), ist es schwer eine Antwort zu finden.

Nach einer anstrengenden, aber trotzdem gut verlaufenden Flugreise bin ich angekommen, 7117 Kilometer von zu Hause entfernt, in einer für mich fremden Kultur. Der erste Eindruck am Flughafen: die Luft ist drückend schwül und der Himmel sehr bewölkt. Herzlich wurden wir von unserer Gastfamilie begrüßt. Mit fünf weiteren Gastgeschwistern ist das Haus gut belebt. Dazu gehören abendliche Versuche uns die kamerunische Version von Uno beizubringen und viel Gelächter. Teils auch darüber wie ungeschickt wir uns anstellen und unsere unsichere Aussprache. Die ersten Tage verbrachte ich damit mich an das Wetter, die Sprache und die etwas holprigen Autofahrten zu gewöhnen. Was gleich auffällt: es wimmelt nur so von Motos und Taxis.

Den ersten Kulturschock hab ich mittlerweile überwunden, doch trotzdem gibt es jeden Tag aufs Neue Dinge, die ich noch lernen muss. Kleine Kulturunterschiede können zum Teil eine größere Herausforderung darstellen, als ich bisher gedacht hätte. So zum Beispiel hab ich noch nicht ganz verstanden wann man gekühltes Wasser aus dem Kühlschrank, oder "warmes" Wasser trinkt. Es gibt keine offensichtliche Regel dafür, genauso wie für das Benutzen der Spüllappen. Jeder Haushalt hat seine eigene Struktur und gerade sind wir dabei hinter die Fassaden zu blicken. Doch jeden Tag folgt ein weiteres Fettnäpfchen. Obwohl ich mir im Voraus keine Sorgen über mein Englisch gemacht habe, tue ich mich im Moment noch schwer damit alles zu verstehen. Denn es ist ein Sprachmix aus Englisch, Französisch und Pidgin.

Viel kann ich über Douala im Moment noch nicht sagen, aber bei einem bin ich mir sicher: die Menschen sind freundlich. So wurden Jule und ich herzlich und unter Applaus im Gottesdienst vorgestellt. Auch wenn die Kirche hier schon sehr früh anfängt (circa um 7.00 Uhr) ist sie nicht mit der deutschen Kirche zu vergleichen. Obwohl es noch sehr früh ist, sind die Kirchenbänke brechend gefüllt. Es wirkt festlicher, ausgelassener und farbenfroher. Die Menschen tanzen und singen und das verdammt gut. Auch wenn wir mit unseren "deutschen Stimmen" und der bei mir fehlenden Gesangserfahrung auffallen, freu ich mich darauf ein Teil des Chors zu sein. Die Stimmung bei unserem ersten Chortreffen war sehr fröhlich und unbefangen. Auch hier hab ich noch eindeutig Vieles zu lernen, doch ich freu mich darauf, mich selber weiter zu entwickeln.

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Mein neues Zuhause. (Foto: EMS/Julien)
Mein neues Zuhause. (Foto: EMS/Julien)
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Die Straße zu unserem Haus. Bei Regen gleicht sie einem Bach. (Foto: EMS/ Julien)
Die Straße zu unserem Haus. Bei Regen gleicht sie einem Bach. (Foto: EMS/ Julien)