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Bei der Arbeit zusammen mit "Uncle Ben" (Foto: EMS/ Julien)
05. Oktober 2017

Auf den Regen folgt der Sonnenschein

Verena

Verena

Kamerun
arbeitet in einer Gesundheitsstation und Schule mit
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Arbeiten und an sich selbst arbeiten

"Ich werde auf einer Gesundheitsstation und in einer Schule mitarbeiten". So viel wusste ich, bevor ich mich in mein Abenteuer stürzte. Doch was dies schlussendlich bedeutet fühlt sich zum Teil noch unreal an.
Am 14. September war es soweit: unserer erster Schul- bzw. Arbeitstag stand bevor. Für uns noch mitten in der Nacht, klingelte der Wecker um 5.00Uhr. Noch im Dunklen ging es los, erst zu Fuß zum Taxi und dann mit drei Mal Umsteigen zur PSS, der Secondary School an der wir von nun an jeden Mittwoch Deutsch unterrichten, oder es vielmehr versuchen. Mehr oder weniger auf uns alleingestellt betraten wir den Klassenraum. Freudig begrüßt wurden wir von über 70 Kindern, ja ihr habt richtig gelesen. Für mich war das im ersten Moment auch ein Schock, denn so viel Schüler hatte meine gesamter Jahrgang, verteilt auf fünf verschiedene Kurse.
Wie bringt man dieser Menge an Schülern und Schülerinnen ohne Schulbücher und Materialien eine fremde Sprache bei? Das ist eine sehr gute Frage! Eine wirkliche Antwort hab ich noch nicht darauf gefunden, aber wie sagt man so schön jeder Anfang ist schwer. Ruhe und Ordnung in den Unterricht zu bekommen, für die Kinder ganz einfach. So wurden wir darauf hingewiesen, dass wir "einfach den Stock in die Hand nehmen sollen." Da Gewalt schließlich keine Lösung ist, wird der Unterricht bei uns wohl ein wenig chaotischer und lauter. Trotzdem, die Schüler sind interessiert und das ist schließlich die Hauptsache.

Die restlichen vier Tage die Woche verbringe ich im Presbyterian Health Centre. Während dem kommenden Jahr werden wir die verschiedene Stationen durchlaufen (z.B. die Augenklinik, die Geburtsstation, Medical ward, Dressing room). Die nächsten zwei Monate verbringe ich im Medical ward.
Stress, Zeitdruck und Personalmangel, volle Zimmer - das ist das Bild was häufig von den Krankenhäusern in Deutschland existiert. Hier ist es mehr umgekehrt: Leere Zimmer, "Personalüberschuss", kein Zeitdruck. Mein Arbeitstag fängt meistens mit der Schichtübergabe an, d.h. die Nachtschicht informiert die Frühschicht über die Patienten. Bis der Arzt zur Visite kommt heißt es erst einmal abwarten, dies kann je nach Tag über zwei Stunden brauchen. Kommen neue Patienten bedeutet das, Bettenvorbereiten und Infusionen herrichten. Ein großer Unterschied zu Deutschen Krankenhäusern ist, dass hier die Patienten in der Apotheke die Medikamente kaufen müssen und diese dann verabreicht bekommen. Auch Essen und Trinken gibt es nicht, das muss selbständig mitgebracht werden, genauso wie die Bettdecke oder zum Beispiel das Fieberthermometer.
Hilfe Malaria! Das ist einer der ersten Gedanken die ich hatte, als ich an Kamerun gedacht habe. Schließlich wird man ja oft genug davor gewarnt. Meine Angst wurde noch größer als ich am meinem ersten Arbeitstag die verschiedenen Patientenzimmer betrat. Jeder zweite wurde gegen Malaria behandelt. Doch relativ schnell stellte ich fest, dass die meisten erst einmal ohne wirkliche Diagnose behandelt werden. Erst im Laufe der Behandlung stellt sich raus, ob der Patient wirklich an Malaria erkrankt ist. So können zum Beispiel Kopfschmerzen entweder harmlos sein, aber auch ein Zeichen für Malaria sein.

Meine Aufgaben auf der Station sind schwer zu definieren. Je nachdem wie viel Arbeit ansteht begleite ich die Schwestern beim Katheter und Infusionen legen. Bis jetzt kann ich sagen, die Arbeit macht, solange sie vorhanden ist, großen Spaß. Es kommt aber häufiger vor, dass im Schwesternzimmer bis zu sieben Pfleger sitzen und abwarten bis die Zeit vergeht. Dann kann so ein Arbeitstag auch lange dauern.

Was es sonst noch zu erzählen gibt? Mittlerweile haben wir einen eigenen "Motofahrer", der uns jeden Tag zur Arbeit bringt und uns von dort wieder abholt. Dass bedeutet wir sparen uns die Suche nach einem Taxi und das Verhandeln über den Preis, auch wenn Taxifahren für deutsche Verhältnisse hier sehr billig ist (man zahlt eigentlich nie mehr als 250 FrCFA für eine kurze Strecke, also umgerechnet 0,40 Euro).
Beruhigen kann ich euch, bisher hatte ich noch keine Malaria. Doch meine erste Erfahrung mit Typhus hab ich schon gemacht und ich hoffe sehr, dass es die letzte war! So schön die Arbeit im Krankenhaus ist, als Patient dort zu sein macht trotzdem kein Spaß. Auch wenn mir meine Kollegen die Zeit dort angenehmer gestalteten. So wurde mir meine Infusion mit den Worten: "Die kannst du dir ja selber legen" in die Hand gedrückt. Zeitdruck: bisher ist er mir noch nicht begegnet. So brechen wir zum Chor, der eigentlich um 18.00 Uhr beginnt meistens erst um 18.00Uhr auf und sind immer noch eine der ersten. Der Rest trudelt im Laufe des Abends ein.

"Pessimisten stehen im Regen. Optimisten duschen unter den Wolken"
Das Zitat passt ganz gut zu meiner Gesamtsituation. Natürlich auch zur Regenzeit, die sich jedoch dem Ende neigt. Es läuft nicht immer alles gut, ein Fettnäpfchen folgt auf das andere, die von Langeweile geprägte Frage "Was mach ich hier überhaupt" schwirrt immer wieder in meinem Kopf herum. Trotzdem versuch ich sehr optimistisch auf die kommende Zeit zu blicken. Denn ich hoffe, dass die Fettnäpfchen gemeinsam mit dem Regen weiter abnehmen. Bis bald!

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Die Sonne verdrängt die Wolken (Foto: EMS/ Julien)
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Ausblick auf Douala (Foto: EMS/Julien)