info_outline
Auf dem Zitadellenhügel mit Blick auf Amman. (Foto: EMS/ Löw)
Auf dem Zitadellenhügel mit Blick auf Amman. (Foto: EMS/ Löw)
16. Mai 2018

Herausforderungen und Chancen

David

David

Jordanien
arbeitet in der Theodor-Schneller-Schule mit
zur Übersichtsseite
 

Nachdem mein Einsatz in Kamerun aufgrund der sich zuspitzenden politischen Situation in den Westprovinzen Kameruns im Dezember 2017 abgebrochen werden musste, bin ich nun schon seit über drei Monaten in Amman an meiner neuen Einsatzstelle, der Theodor-Schneller-Schule (TSS). In dieser Zeit habe ich viele neue Eindrücke und Erfahrungen gewonnen, bin neuen Herausforderungen, aber vor allem auch Chancen begegnet.

 

Für meine beiden Mitfreiwilligen Annika, Lisann und mich ging es nach einem kurzen weihnachtlichen Zwischenstopp in Deutschland am achten Januar in Jordanien wieder los. An der TSS wurden wir vom Direktor und den Mitarbeitenden nett empfangen.

Da in Jordanien gerade erst die Semesterferien angefangen hatten, konnten wir uns im Januar mit der neuen Umgebung vertraut machen und erste Grundkenntnisse in der arabischen Sprache sammeln. Diese sind selbstverständlich sehr hilfreich für unsere Mitarbeit in der TSS.

 

Die TSS ist eine Einrichtung, in der Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit zusammen lernen und leben. Damit soll ein Beitrag zur Friedenserziehung in einer von Konflikten geprägten Region geleistet werden. Ihre Ursprünge haben die Schneller-Schulen, die es heute in Jordanien und dem Libanon gibt, in Jerusalem. Dort gründete der deutsche Missionar Johann-Ludwig-Schneller 1860 das „Syrische Waisenhaus“. Nach dessen Tod übernahm sein Sohn Theodor Schneller die Arbeit. Als die britische Verwaltung 1940 das Gelände beschlagnahmte, wurde das Waisenhaus geschlossen. Theodors Söhne Hermann und Ernst führten die Schneller-Idee weiter und zogen jeweils mit Schüler*innen in den Libanon bzw. nach Jordanien. In Amman baute Ernst Schneller 1959 die Theodor-Schneller-Schule auf.

Neben dem Internat und der Schule gibt es hier auf dem Schneller-Gelände Werkstätten, in denen Ausbildungen angeboten werden, ein Guest House und viele andere Gebäude, wie z.B. ein pädagogisches Ausbildungszentrum. Vieles davon wird aber gerade nicht aktiv genutzt.

Seit Februar arbeiten wir nun auch im Internat der TSS. Das Internat ist in verschiedene “families“ mit jeweils ca. zehn Kindern und einer*m Erzieher*in unterteilt. Wir unterstützen dabei jeweils eine*n Erzieher*in bei der täglichen Arbeit, also z.B. bei den Hausaufgaben oder auf dem Spielplatz. Ich arbeite in der „family“ mit den kleinen Jungen (acht bis zehn Jahre alt) mit. Zusätzlich zu der Arbeit im Internat haben Annika und ich vor ein paar Wochen angefangen, in der Schule eine Art Förderunterricht im Fach Deutsch anzubieten. Für mich ist diese zusätzliche Aufgabe in der Schule sehr bereichernd. Denn auch wenn die Arbeit im Internat größtenteils Spaß macht, empfinde ich sie manchmal als ein wenig eintönig und genieße die Abwechslung. Die größte Herausforderung stellt für mich bis jetzt die Sprachbarriere dar: Nach einem einmonatigen Sprachkurs kann ich inzwischen ganz gut Small Talk, aber noch lange keine ausführlichen Gespräche führen oder gar eine Aktion mit den Kindern anleiten. Mir fällt es nicht immer leicht, dieses Hindernis zu akzeptieren. Manchmal bin ich ein wenig enttäuscht, mich aus diesem Grund nicht auf eine Weise einbringen zu können, wie ich es aus dem englischsprachigen Einsatz in Kamerun gewohnt war.

 

Der Wechsel von Kamerun nach Jordanien fällt mir sowieso nicht ganz leicht: von einer ländlichen Kleinstadt mitten im Grasland Kameruns in eine Millionenstadt Jordaniens, erst alleine an einer Einsatzstelle und jetzt zu dritt. Gerade hatte ich mich an das Leben dort gewöhnt, Kontakte geknüpft und dann wurde ich auf einmal in ein ganz neues sprachliches und kulturelles Umfeld geworfen. An der neuen Einsatzstelle musste ich erst wieder die eigenen Bereiche und Aufgaben finden und ganz neu starten.

Obwohl die beiden Einsatzstellen grundverschieden sind, vergleiche ich sie immer wieder miteinander. Wie man es so oft im Nachhinein macht, „schöne“ ich dabei manchmal die Zeit in Kamerun und vergesse die zu überwindenden Hindernisse und schwierigen Momente dort. Wenn ich jedoch länger und ehrlich über die dreieinhalb Monate in Wum nachdenke, stelle ich fest, dass es auch dort schwierige Herausforderungen gab und ich mich - nicht zuletzt durch die Einschränkungen, die der politischen Situation geschuldet waren - oft nicht wohl gefühlt habe.

Wenn ich ein wenig umdenke, sehe ich in dem Wechsel von Kamerun nach Jordanien aber vor allem eine große Chance: Wer bekommt schon die Möglichkeit in einem Jahr Einblicke in gleich zwei so unterschiedliche Länder und Umgebungen zu bekommen, gleich zwei Wohnsituationen und Einsatzstellen und dann auch noch eine neue Sprache kennenlernen zu dürfen? Für dieses Privileg bin ich unglaublich dankbar! In meiner restlichen Zeit möchte ich mich gerne auf die „Chancenseite“ des Wechsels konzentrieren und die Möglichkeiten, die ich hier bekomme, noch voll ausnutzen.

info_outline
Lisann, Annika und ich am Eingang der Theodor-Schneller-Schule. (Foto: EMS/Löw)
Lisann, Annika und ich am Eingang der Theodor-Schneller-Schule. (Foto: EMS/Löw)
info_outline
Die Gebäude der TSS auf einem Plan am Eingang zum Gelände. (Foto: EMS/Löw)
Die Gebäude der TSS auf einem Plan am Eingang zum Gelände. (Foto: EMS/Löw)