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Auf dem Rückweg vom Reisfeld. Meine Ibu ist mit Regenschirm unterwegs, um sich vor der Sonne zu schützen. (Foto: EMS/Kleinschmidt)
Auf dem Rückweg vom Reisfeld in Indonesien. (Foto: EMS/Kleinschmidt)
20. Oktober 2017

Klappe, die Erste! – die ersten Wochen in Mamasa

Henriette

Henriette

Indonesien
arbeitet in der Kinder- und Jugendarbeit mit
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Nach dem kurzen Flug trennten sich die Wege von uns 6 Freiwilligen also dann am Flughafen in Makassar. Für mich ging es mit dem Auto weiter erstmal Richtung Norden. Nach etwa 7 Stunden Fahrt, einer Übernachtung in Polewali – der letzten muslimisch geprägten Stadt am Meer bevor es nach Mamasa in die Berge geht – und weiteren 4 Stunden auf der schlechteren Straße (mit Zwischenstopp in einer Dorfkirche), kam ich endlich in Mamasa an. Dort wurde ich liebevoll von Miss Meri, meiner 37-jährigen Gastschwester und ihrer Familie in Empfang genommen. Zu meinem großen Glück ist Meri Englischlehrerin, was mir die Eingewöhungszeit ehrheblich erleichtert hat.

Mein neues Zuhause besteht aus 2 Häusern. In dem einen traditionellen Holzhaus wohnt Meris Familie, dazu gehören auch Musa (10), Firka (13), Toen (15) und Antri (17). Die Vier sind zwar nicht Meris leibliche Geschwister und kommen aus dörflicheren Regionen, aber sie gehören trotzdem zur Familie. Generell hab ich hier häufiger das Gefühl, dass halb Mamasa zu Meris Familie gehört. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Anrede Om (Onkel) auch unabhängig von der Familienbeziehung geläufig ist. In dem anderen neueren Haus di atas (oben) wohnen Meri und ich. Generell bin ich mit meinem Zuhause hier echt zufrieden und verbringe die Abende gerne di bawah (unten), wo ich mit meinen Gastgeschwistern Joker spiele und dabei das oft sehr dramatische indonesische Fernsehen gucke. Manchmal spiele ich auch Ukulele und wir singen zusammen oder wir beobachten wie Bobo, das geliebte Kaninchen, munter im Hof herumhoppelt. Einmal habe ich auch schon meine Ibu (Gastmutter) zum sawah – dem Reisfeld der Familie – begleitet.

Nicht ganz so unproblematisch ging es bei der Arbeitseinteilung zu. Am ersten Tag erstellten Pdt. Hengky Gunawan (Vorsitzender der GTM) und Meri einen "Schedule" für mich, laut dem ich fast jeden Tag woanders arbeiten sollte. Dieser Schedule hat von Anfang an nicht richtig funktioniert, weshalb ich zu Beginn auch etwas zu viel Freizit hatte und mich überflüssig fühlte. Mittlerweile habe ich das ganz gut geregelt und arbeite 5 Tage die Woche im TK Simpony Kasih, einem Kindergarten der GTM (Toraja Mamasa Kirche). Jedoch musste ich feststellen, dass es hier ein ganz anderes System gibt, als in einem deutschen Kindergarten. Während in einer Kita der Schwerpunkt auf dem Spielen und der Ganztagesbetreuung liegt, gleicht der TK eher einer Vorschule und geht nur von 8 -10 Uhr. Im TK lernen die Kinder schon Buchstaben und Zahlen und werden quasi schon frontal "unterrichtet". Das ist natürlich auch mit Basteln, Spiel und Spaß verbunden, aber es gibt für jeden Tag eine Art Unterrichtsplan. Neben den Schreibheften und Arbeitsblättern gibt es eine Vielzahl an Liedern mit Bewegungen dazu, die von den Kindern lautstark "gesungen" werden – ganz nach dem Motto: "je lauter desto besser", denn das bedeutet Power und Motivation. Umso überraschender kommt das ruhige Gebet vor dem Frühstück, das jedes Kind auswendig kann. Beim 1. Mal habe ich gar nicht verstanden, was dann passiert ist: Jedes Kind brachte mir etwas von seinem Essen und setzte sich wieder auf seinen Platz. Später erfuhr ich dann, dass auf diese Art den Kindern das Teilen beigebracht wird und als kleinen Nebeneffekt haben die Gurus (Lehrerinnen) auch immer ein genüssliches Frühstück :) Trotz der vielen Unterschiede, ist nicht alles anders. So ist meiner Meinung nach in beiden Einrichtungen das Intergrieren der Kinder in ein soziales Umfeld am wichtigsten.

Dienstags gehe ich zum Kantor BPS (Kirchenbüro) und "arbeite" dort. Mir wurde nur gesagt ich solle den Leuten Englisch beibringen. Doch während diese arbeiten, gestaltet das sich eher schwer. So habe ich die ersten zwei Dienstage Kirchenblätter gefaltet, Pflanzen gegossen und Zettel mit ein paar wichtigen englischen Sätzen aufgehängt. Doch da dies keine zufriedenstellende Aufgabe für mich war, habe ich beschlossen, einen offiziellen Englischuntericht anzubieten – auch wenn ich das noch nie zuvor gemacht habe. So habe ich die beiden letzten Dienstage von etwa 9 – 13 Uhr damit zugebracht, meinen Englischuntericht am Freitag vorzubereiten. Dabei habe ich mich nett mit meinen Mitarbeitern unterhalten und wurde mit Kaffee und Kuchen versorgt – eine echt entspannte Arbeitsatmosphäre. Bis jetzt habe ich schon zweimal unterrichtet und das hat auch gut funktioniert. Auch wenn beim ersten Mal nur 3 Leute kamen - sie waren motiviert und das ist entscheidend. Heute waren wir immerhin schon zu sechst.

Zum Thema Herausforderungen kann ich auch etwas erzählen. Meri gibt nachmittags Englischunterricht für Kinder und als sie für 10 Tage nach Jakarta musste, habe ich ihr angeboten den Mittwoch-Kurs zu übernehmen. Die Kinder kannte ich schon und da ich mich auf die Stunde vorbereitet hatte, war das Unterrichten überhaupt kein Problem und hat beiden Seiten Spaß gemacht. Allerdings kamen Dienstag und Donnerstag auch Kinder und zwar aus einem anderen Kurs. Vermutlich hatten sie vergessen, dass der Kurs ausfällt. Doch auf einmal rief mich mein Gastbruder Tius und sagte: "Henni is Teacher. Henni! The children are waiting". Das versetzte mir natürlichen einen ordentlichen Schreck, da ich ja nicht einfach so ohne Material, spontan, in einer anderen Sprache unterrichten kann. Auf der anderen Seite wollte ich die Kinder nicht einfach so nach Hause schicken und ich dachte, dass ich Meri vielleicht missverstanden hatte. Und so versuchte ich dann ein paar Spiele mit den Kindern zu machen, die ich schon von Meri kannte und die Kinder irgendwie beschäftigt zu halten. Zwischendurch hat ein Mädchen geweint und ich hab sie nicht verstanden, dann wollte sie an die Tafel und den Stift nicht mehr hergeben. Als ich ihn ihr aus der Hand nahm, wurde sie bockig. Wie ich es geschafft habe, dass am Ende alle halbwegs zufrieden wieder nach Hause gingen, weiß ich auch nicht. Am Donnerstag lag wieder die gleiche Ausgangssituation vor. Diesmal habe ich es sogar ohne Tränen geschafft, den Kindern ein Lied beizubringen und sie eine Aufgabe machen zu lassen. Auch wenn es vielleicht etwas undiszipliniert und chaotisch zuging, hatte ich am Ende sogar ein halbwegs gutes Gefühl dabei.

Sonntagmorgen geht es in die Kirche. Soweit ich das erfasst habe, gibt es in vielen Kirchen zwei Gottesdienste. Einen frühen, dem ich erst einmal beigewohnt habe, um mit meiner Gastfamilie zusammen in die Kirche zugehen, und einen späten Ibadah um 9 Uhr. Obwohl Mamasa Kota nur eine kleine Stadt ist, gibt es hier unzählig viele Kirchen, die auch alle gefüllt sind. Für gewöhnlich bin ich in der Kirche Buntubuda und darf zu meiner großen Freude auch in der Musikgruppe Cajon spielen. Dies gestaltet den 1 bis 2- stündigen Gottesdienst etwas abwechslungsreicher, da ich momentan noch nicht wirklich viel von der Predigt verstehe. Die Notensymbolik besteht aus den Ziffern 1 - 7, Sonderzeichen und dem Text – eigentlich nicht so kompliziert. Unter der Woche beziehungsweise sonntags direkt nach dem Gottesdienst gibt es zudem auch "Worships", die bei den Leuten zuhause stattfinden. Besonders einprägsam war ein Worship anlässlich einer Verstorbenen. Alle waren in schwarz gekleidet, viele mit Sarong – ein traditionelles schlauchartiges Tuch. Während die Männer draußen dem Pastor lauschten, saßen die Frauen drinnen auf dem Boden und ich empfand es als eine ganz besondere angenehme Atmosphäre. Am selben Tag habe ich gelernt, wie man Depatori (traditionelles Gebäck) bäckt und mich mit den etwa 15 anderen Leuten im Raum unterhalten. Da dies in bahasa indonesia nach einiger Zeit etwas anstrengend wurde, habe ich dem darauffolgenden Worship sehr positiv entgegengeblickt.

Etwas näher kennengelernt habe ich Mamasa an dem Wochenende, als das EMS-Regionalforum stattfand. Das war ein Treffen der indonesischen Mitgliedskirchen der EMS. So besuchten wir die Gereja Buntu – die erste Kirche in Mamasa, die 1938 von niederländischen Missionaren gebaut worden ist. Außerdem sahen wir ein Schweinezucht-Projekt der EMS. Zusammen mit Ryan, Ika (Mitarbeiterin des Kantor BPS), meinem Mitfreiwilligen Johann und dem Medienteam der EMS besuchten wir auch das Rumah Sakit (Krankenhaus), bei dem ich eher nur ungern auf der Intensivstation landen möchte.

Da ich hier mindestens dreimal am Tag esse und das Essen so lecker ist, habe ich händeringend nach einem Sport gesucht und auch gefunden. Dreimal bin ich jetzt schon Badminton spielen gegangen, was meine Mitspieler echt auf einem guten Level beherrschen. Badminton ist nebenbei auch Indonesiens Nationalsport. Ansonsten treffe ich mich gerne mit Naldi – meinem großen Bruder in Mamasa, wie er selbst gesagt hat. Nächstes Jahr kommt er auch als Süd-Nord-Freiwilliger nach Deutschland weshalb wir uns gegenseitig die Sprache des Anderen beibringen. Meistens holt er mich mit dem Motorroller ab und wir verbringen den Nachmittag oder Abend mit seiner überaus coolen Familie. So haben wir schon seine Tante besucht, saßen auf einem typischen Sitzplatz zu Tee und Keksen mit Blick ins Tal. Einmal schauten wir bei einer traditionellen Begräbniszeremonie vorbei, die insgesamt 4 Tage lang dauerte. Es ist üblich, dass jede angehörige Familie ein Schwein "spendet", dass vor Ort dann geschlachtet wird. Mir ergab sich nur der Anblick der blutenden toten Schweine, die für das Essen vorbereitet wurden. Zurück in Naldis Haus haben wir mit seinen Freunden, Cousins oder Onkel Karten gespielt und zusammen mit Gitarre und Keyboard Oldies gesungen.

Das war eine erste Zusammenfassung meiner Situation im Mamasa und ich freue mich darauf in folgenden Blogeintragen mehr ins Detail gehen zu können... also bleibt dran!

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Blick auf Mamasa kota bei einer "Sightseeingtour" mit Naldi. (Foto: EMS/Kleinschmidt)
Blick auf Mamasa kota bei einer "Sightseeingtour" mit Naldi. (Foto: EMS/Kleinschmidt)
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Bei der Zeremonie wurden die Schweine in diesen Käfigen von jeweils vier Männern getragen. (Foto: EMS/Kleinschmidt)
Traditionelle Zeremonie in Mamasa. (Foto: EMS/Kleinschmidt)

Kommentare

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Uwe 01. November 2017
Hallo Henni, freue mich, von Dir zu hören!
Liebe Grüsse und viel Erfolg weiter!