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Einkaufen auf dem Markt (Foto: EMS/Sandherr)
Einkaufen auf dem Markt (Foto: EMS/Sandherr)
09. November 2017

Essen - Mit den Händen??

Miriam

Miriam

Ghana
wirkt am Presbyterian University College mit
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"Have you tried our food?" "Do you like Fufu?" "Do you know how to eat it?" "Do you know how to cook?"

Jeden Tag begegnet mir mindestens eine solcher Fragen. Das Interesse an den Antworten ist groß. Die Ghanaer lieben ihre Küche und wollen sie mit jedem teilen. Sieht man einen Ghanaer beim Essen, so wird er dir gleich zurufen: "You are invited!"
Du bist eingeladen mit mir zu essen. Man kann dies ablehnen, doch die Freude des Teilens ist so groß, dass man zumindest probieren sollte. Durch diese sehr schöne Tradition habe ich schon viel probiert und die ghanaischen Gerichte besser kennengelernt.

"We like to eat heavy." (Kojo Frimpong, mein Mentor)

Generell lässt sich sagen, dass man hier sehr schwer isst. Es gibt drei Mahlzeiten am Tag, die sehr satt machen und das "Snacken zwischendurch" ist nicht sehr gebräuchlich.
Ein Farmer hat mir dieses Phänomen erklärt. Als Arbeiter auf einem Feld braucht man sehr viel Kraft und Energie, die man aus den sättigenden und nahrhaften Mahlzeiten schöpft. Für Zwischenmahlzeiten ist keine Zeit und dann auch kein Bedarf mehr. Deshalb bevorzugt er auch schon um 4 Uhr morgens eine Riesenportion Reis und nicht ein Müsli. Das hat sich auch zu großen Teilen in der breiten Bevölkerung durchgesetzt.

Das Frühstück besteht sonst häufig aus einem Sugarbread (ähnlich einem Hefezopf), Koko (Maisbrei) mit Kondensmilch und Zucker oder Waakye-Rice (Reis mit Bohnen). Viele meiner ghanaischen Freunde essen morgens gerne Yams-Chips, die ähnlich wie Pommes schmecken. Super lecker und von mir gerne und oft gegessen sind außerdem Bofrots. Das sind süße Teilchen aus Hefeteig, die frittiert werden. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass es sich alleine dafür lohnt nach Ghana zu reisen... :)

Fufu, Banku, Kenkey und Co

Gerade sitze ich ausgestattet mit meinem Tagebuch im Hostel und bin von einer Traube Studenten umgeben. Alle rufen durcheinander und erklären mir, wie man ihre traditionellen Hauptgerichte zubereitet.
Also hört gut zu: Das ghanaische Nationalgericht ist Fufu bestehend aus Kochbanane und der Cassava-Wurzel. Diese werden so lange gestampft, bis sie einen zähen und klebrigen Brei ergeben. Das fertige Fufu würde ich als einen Klops beschreiben, der als eine Basis dient. Dazu gibt es unterschiedliche sehr würzige und scharfe Suppen. Die bekanntesten sind Light Soup (vergleichbar mit einer sehr, sehr scharfen Tomatensoße) und Palmnut Soup (eine Soße aus Palmblättern und diversen Gemüsen). Die Suppen werden mit Fisch oder Fleisch ergänzt, in den meisten Fällen mit Ziegen- oder Hühnerfleisch. Allerdings gibt es auch außergewöhnlichere fleischliche Delikatessen wie z.B. Ratten und Katzen. Fleisch wird fast immer frisch geschlachtet, weshalb hier überall Ziegen und Hühner herumlaufen. Cassawa ist die "ghanaische Kartoffel". Das ist zumindest mein Eindruck. Mit Yams, Mais oder Kochbanane wird es zu unterschiedlichen sättigenden Teigen verarbeitet. So gibt es die weiteren bekanntesten Gerichte Banku, Kenkey und Konkonte.
Sie alle werden mit den Suppen, die man auch zu Fufu serviert, gegessen.
Außerdem gibt es viel Reis, als Gericht z.B Fried Rice (frittierter Reis mit Gemüse), Jollof Rice (Tomatenreis) und Indomie (Nudeln).
In Ghana isst man traditionell mit den Fingern. Serviert wird deshalb zusätzlich eine Schüssel mit Wasser, ein Tuch und Spülmittel zum Händewaschen. Die Hände werden gleichzeitig als Messer, Gabel und auch als Löffel verwendet. Am Anfang war ich ein bisschen überfordert, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Auch daran, dass man Fufu zum Beispiel nicht richtig kaut, sondern viel mehr "schluckt", habe ich mich gewöhnt. Allerdings muss ich zugeben, dass Fufu bei mir persönlich eher selten auf dem Speiseplan steht, weil mir die meisten Suppen und Soßen viel zu scharf sind.


Mein Lieblingsessen Red Red


Anfangs habe ich mittags und abends vor allem Reis, Nudeln und Brot gegessen.
Aber eines Tages hat mir mein Mentor Red Red mitgebracht und mich dadurch zu einem sehr glücklichen Menschen gemacht. Red Red sind frittierte reife Kochbananenstücke, die mit einer Bohnensoße gegessen werden. Alternativ kann man das Gericht noch mit Reis, Avocado oder Fleisch anreichern. Ich möchte gerne den Arbeitsplatz meiner Lieblings-Red-Red-Verkäuferin beschreiben. Sie hat eine kleine Feuerstelle auf der mehrere Töpfe stehen. Jeden Tag verkauft sie dieses eine Gericht von etwa 11-18 Uhr. Eine Portion kostet zwei Cedis, was umgerechnet 0,40 Euro sind. Und von einer Portion ist man mehr als satt.


Einkaufen und Essen von der Straße


Ich kaufe viel und gerne Essen auf der Straße. So habe ich bereits meinen Standardbäcker gefunden (gibt auch nur einen). Er verkauft das süße Brot frisch und dampfend aus dem Ofen. Außerdem gibt es natürlich meine Lieblings-Red-Red-Verkäuferin. Ansonsten gibt es alle zwei Meter sogenannte Chop-Bars (Fast-Food-Stände), die die landestypischen Gerichte verkaufen.
Weil ich dort gerne einkaufe, kennen viele der Verkäufer mindestens meinen Namen, wenn nicht schon mein halbes Leben. Beim Einkaufen verbessere ich täglich mein Twi, weil die Einheimischen am liebsten auf ihrer Muttersprache kommunizieren.

Ich liebe außerdem die frischen Früchte, die man überall kaufen kann. Zur Zeit gibt es hauptsächlich Bananen (die hier viel kleiner sind), Papayas, Kokosnüsse, Wassermelonen und Orangen. Die Verkäufer schneiden einem das Obst mundgerecht zu, damit man es gleich verspeisen kann.
Kleine lustige Info, wie man hier Orangen isst: Die äußerste Schale wird aus hygienischen Gründen entfernt, sodass aber immer noch Schale vorhanden ist. Dann wird oben ein kleiner Teil abgetrennt, die Orange wird also aufgeschnitten. Jetzt lässt sie sich aussaugen. Das heißt, dass man hier Orangen nicht isst, sondern viel mehr trinkt. Das ist super lecker, erfrischend und macht Spaß.
Mir ist aufgefallen, dass hier Obst und Gemüse viel saftiger und intensiver schmecken. Das ist wissenschaftlich natürlich nicht bewiesen, aber es ist einfach so.
Außer frischen Sachen kann man auf dem Markt eigentlich alles kaufen. Es gibt zusätzlich auch kleine Shops, in denen man viele importierte Waren erhält wie z.B massenhaft Kekse, Süßigkeiten, Eis, jegliche Softgetränke, Öl, Tomatenmark usw. Westlich naschen, essen und kochen ist also auch möglich. Das einzige, was man in Agogo nicht kaufen kann, sind frische Milch und Käse.
Ich hoffe, ihr könnt euch das Essen jetzt ein bisschen besser vorstellen und vielleicht werden wir ja bald das ein oder andere ghanaische Gericht zusammen verspeisen.

Liebe Grüße aus Agogo, eure Miriam (Ama)

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Typische Szene am Straßenrand: links wird Fufu gestampft und rechts gekocht (Foto: EMS/Sandherr)
Typische Szene am Straßenrand: links wird Fufu gestampft und rechts gekocht (Foto: EMS/Sandherr)
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Jollof Rice (Foto: EMS/Sandherr)
Jollof Rice (Foto: EMS/Sandherr)

Kommentare

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Anja 18. November 2017
Hallo Miriam,

Du schreibst so wunderbar, dass ich direkt Hunger und ein bisschen "Heimweh" nach Agogo bekommen hab.
Schreib bitte schnell wieder.

Grüße Anja (Akua)