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Schnee in Elim (Foto: EMS/Nuding)
27. Dezember 2016

Weihnachten in Elim

Paul

Paul

Südafrika
unterstützt eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung
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Weiße Weihnachten bei 30°C

Ich habe Weihnachten in Elim verbracht. An den Feiertagen hatte ich frei. Trotzdem habe ich mich bewusst dafür entschieden, die Weihnachtszeit in Elim zu verbringen. Allerdings ist es sehr schwierig bei 30 Grad, starker Sonne und mit Palmen in Weihnachtsstimmung zu kommen! Was nicht gerade einfach wird, wenn zusätzlich noch die Familie und die bekannten Weihnachtstraditionen sehr weit entfernt sind. Trotzdem fand ich es spannend, diese Feiertage in einem anderen Land im Rahmen einer anderen Kultur mit anderen Menschen zu verbringen. Ich möchte euch hier berichten, wie ich die Weihnachtszeit in Elim erlebt habe.

Schnee in Südafrika? Das gibt es doch nicht! Oh doch, das gibt es sehr wohl:  Am Dienstag den 20. Dezember fand ein großes „Braai“ (südafrikanisch für Barbecue) statt. Organisiert wurde es vom Besitzer eines lokalen Shops. Es gab Essen vom Grill und eine Live-Band hat Musik gespielt. Das Highlight für Groß und Klein war die Schaummaschine, die von der Feuerwehr betrieben wurde (siehe Bild). So wurde Elim eben doch in eine weiße Decke gehüllt und man hat meinen können, es schneie. Auch wenn es für mich eher ungewohnt war, die Schneeballschlacht (Schaumschlacht) in Bikini und Badehose auszutragen. Dieses kleine Fest hat sich keiner in Elim entgehen lassen. Wenn in dem sonst so ruhigen Dorf ein Event stattfindet, kann man gewiss sein, dass alle kommen werden.

Das nächste Ereignis in der Weihnachtszeit war, dass „Father Christmas“ (der Weihnachtsmann) durch die Straßen von Elim zog und Geschenke an die Kinder verteilte. Dies geschieht alljährlich am Abend des 23. Dezembers. Hinter dieser Tradition steckt eigentlich eine Geschäftsidee. Ein Shop in Elim bietet die kostenlose Auslieferung der Weihnachtsgeschenke an die Kinder vom Weihnachtsmann höchst persönlich an, wenn diese Geschenke auch in eben diesem Shop eingekauft werden. Den Kindern ist dabei die Kommerzialisierung der ohnehin kommerzialisierten Figur Coca-Colas nicht bewusst. Sie stehen aufgeregt vor der Türe und warten auf den Mann in Rot. In der Hoffnung, dass er auch an ihrem Haus anhält. Aufgrund schlechten Wetters musste der Weihnachtsmann dieses Jahr aber leider seinen Rentierschlitten und seine Engelschöre, die ihn normalerweise begleiten, daheim lassen. So düste lediglich ein Sprinter hupend durch die Straßen, der sichtbar im Stress war, da alle Geschenke noch an diesem Abend verteilt werden wollten.

Das eigentliche Weihnachtsfest und die Bescherung finden in Elim immer am 25. Dezember statt, also nicht wie ich es von zu Hause kenne am Heiligen Abend. Der Abend des 24. wird aber auch mit einem Gottesdienst begangen. Ein Element des Gottesdienstes war ein liturgischer Teil, der im Gesangbuch der Moravian Church zu finden ist. Im Wechsel singen, beten und sprechen der Pastor, die Gemeinde und ein Chor Lieder und Texte dieser Liturgie. Zwischendurch lesen die Kinder gemeinsam, im Stehen, Abschnitte der Weihnachtsgeschichte. Die Kirche war sehr voll und es herrschte ein hoher Geräuschpegel anstatt einer besinnlichen Stimmung. Die beiden kitschig geschmückten Weihnachtsbäume haben bei mir auch nicht dazu beigetragen, die Weihnachtsgefühle zu wecken. Erst als jedes Kind eine Kerze erhalten hatte, habe ich gespürt, dass tatsächlich Weihnachten ist. Den restlichen Heiligen Abend haben Johanna und ich zu zweit mit einem leckeren Essen verbracht.

Am Weihnachtsmorgen des 25. Dezembers stand ich bereits um 6:30 Uhr präpariert mit meiner Trompete bereit. Es ist Tradition, dass die Brass Band morgens an unterschiedlichen Orten in Elim ein paar Weihnachtslieder spielt. So habe auch ich dieses Jahr in Elim die frohe Botschaft Weihnachtens mit meiner Trompete verkündet. Der Festgottesdienst zu Weihnachten fand dann um 10 Uhr statt. Wir vom Elim Home waren mit einer großen Delegation im Gottesdienst vertreten (siehe Bild). Ich finde es super, dass die Kinder mit zum Gottesdienst in die Kirche genommen werden, und es deutlich wird, dass sie ein Teil der Community Elims sind. Viele Leute kennen die Kinder im Heim und freuen sich, sie begrüßen zu dürfen. Nach dem Gottesdienst sind wir mit den Kindern wieder ins Heim gegangen. Da gab es dann das Weihnachtsessen, welches aus viel Fleisch bestand. Am Mittag bekamen sie außerdem noch Besuch von „Father Christmas“ (siehe Bild), der die Geschenke verteilt hat. Während der Weihnachtszeit ist Elim richtig mit Leben gefüllt worden. Viele Menschen sind für die Feiertage angereist und die Straßen waren deutlich voller als sonst. Elim ist der Ort, an dem die Menschen kommen, um Weihnachten mit  ihrer Familie zu verbringen. Ich bin schon gespannt, kommende Feiertage, wie Ostern, in Elim zu erleben. Jetzt wünsche ich euch allen aber erst einmal einen guten Start ins neue Jahr!

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Im Weihnachtsgottesdienst mit dem Elim Home (Foto: EMS/Nuding)
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Der Weihnachtsmann verteilt die Geschenke (Foto: EMS/Nuding)