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Singen im Morgenkreis (Foto: EMS/Nuding)
02. Mai 2017

Die Gladiators

Paul

Paul

Südafrika
unterstützt eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung
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Ein Update meiner Arbeit

Für einen Großteil meiner Zeit im Elim Home habe ich bisher mit den Gladiators gearbeitet. Das Heim ist insgesamt in fünf Gruppen organisiert, nämlich die Seerower (Seeräuber), die Teelepels (Teelöffel), die Sprotjies (Sprotten), die Sonstrahle (Sonnenstrahlen) und die Gladiator. Die Gruppe der Gladiator umfasst die Fittesten der Heimbewohner. Das Alter variiert von zehn Jahren bis zu unserem ältesten Jungen im Heim, der dieses Jahr 39 wird. Einige der Gladiators sind in der Lage, zu sprechen und auf diese Weise zu kommunizieren. Natürlich aber nur in Afrikaans, was für mich manchmal noch eine Herausforderung darstellt. Außerdem besuchen vier der vierzehn Kinder die Sonderschule Mispah, deren Gelände an das Gelände des Elim Homes grenzt. So werden diese Schulkinder Montag bis Freitag jeden Vormittag unterrichtet und stoßen zum Mittagessen wieder zur Gruppe dazu.Die Diagnosen der Gruppenmitglieder fallen recht unterschiedlich aus. Von Epilepsie über Down-Syndrom bis hin zu Verhaltensstörungen unterscheiden sich die Arten und Grade der Behinderungen sehr.

Enorm spannend finde ich den zehnjährigen Jungen Justin, der ein Autist ist. So wie die meisten Autisten hat er das zwanghafte Bedürfnis, bestimmte Bewegungsabläufe zu wiederholen. Außerdem hat er einen Tick für jede Form von Flaschen- oder Kanisterverschlüssen. Er ordnet sie immer sehr sauber vor sich und spielt mit ihnen. Irgendwann schmeißt er sie plötzlich in den Raum, auf den Schrank oder aus dem Fenster, um sie nach einer Weile wieder einzusammeln und das Ganze von vorne zu beginnen. Am Anfang meiner Arbeit in der Gruppe habe ich Justin lediglich beobachtet, da er jeden Kontaktversuch von meiner Seite aus unterbunden hat. Jedoch hat sich mit der Zeit eine tolle Beziehung zwischen uns entwickelt.

Einige der Glasdiator haben auch körperliche Einschränkungen. So besitzt die Hälfte der Gruppe Rollstühle. Aber nur drei sind daran fest gebunden. Die anderen sind trotz körperlicher Behinderung sehr mobil. In dieser Gruppe ist eine intensive Interaktion mit den Kindern möglich und das gefällt mir. So bekomme ich auf eine Frage auch meistens eine Antwort oder zumindest Reaktion. Sehr schön finde ich auch die Interaktion der Kinder untereinander, ob es beim miteinander spielen, gegenseitigen Rollstuhl Schieben oder Streiten der Fall ist. Besonders schön mit anzusehen ist es, wenn Cedric seinen schon jahrzehntelangen Heimmitbewohner und sehr guten Freund füttert.

Meine Aufgaben in der Gruppe umfassen die Pflege der Kinder. Diese beinhaltet das morgendliche Waschen und Umziehen, das Füttern der verschiedenen Mahlzeiten, das Wickeln der fünf Windeltragenden sowie das Waschen und Umziehen am Nachmittag. Des Weiteren helfe ich, die Schulkinder ins Nachbargelände zur Schule zu führen. Auch die Kleider für den nächsten Tag herzurichten, Kleider zusammenzulegen und die Pyjamas für den Abend zu falten gehört zu meinem Aufgabenbereich. Außerdem führe ich mit meinen Mitarbeiterinnen die anstehende Aktivität am Vor- und Nachmittag durch. Auch in dieser Gruppe gibt es einen Aktivitätsplan, der einem das Programm vorgibt. Neben Feinmotorik, Grobmotorik und der Stimulation der einzelnen Sinne stehen noch Aktivitäten, wie DVD schauen und Spaziergehen auf dem Wochenplan.Durch die Flexibilität und Energie der Gruppe gibt es bei der Freizeitbeschäftigung und den Aktivitäten viele Möglichkeiten. Von puzzeln, tanzen, rennen, Ball spielen über basteln, malen, Musik hören bis hin zu mit Bauklötzen spielen, kegeln und Rugby spielen ist das Spektrum groß. Außerdem kann ich mit manchen der Kinder Memory spielen oder versuchen, ihnen mit meinen bescheidenen Afrikaanskenntnissen vorzulesen. Besonders gerne gehen sie nach draußen auf den Spielplatz oder auf einen Spaziergang durch das Dorf. So ist immer viel Programm mit dieser Gruppe angesagt. Dafür benötige ich jede Menge an Energie, Motivation und Kraft. Wenn man diese Dinge jedoch mitbringt hat man eine Menge Spaß.

Besonders schön ist der alltägliche Morgenkreis. Nachdem alle Kinder gewaschen, umgezogen und nun bereit für den Tag sind, setze ich mich mit ihnen in einen Kreis. Cedric hat zu diesem Zeitpunkt bereits seine Trommel aus dem Schrank geholt und gibt den Rhythmus an. So singen wir gemeinsam christliche Lieder. Um genau zu sagen singen wir Mitarbeiter und Cedric. Die anderen machen entweder Laute dazu, bekommen eine Rassel in die Hand oder hören einfach zu. Das Repertoire der Lieder besteht aus einem Mix aus englischen und afrikaansen Praise und Worshipsongs. Die habe ich recht schnell gelernt, da sie nicht besonders kompliziert sind. Die Kinder kennen diese Lieder in und auswendig, da sie seit Jahren jeden Tag gesungen werden. Dennoch sind alle jeden Tag aufs Neue freudig beim Morgenkreis dabei. An manchen Tagen nehme ich auch meine Trompete mit ins Heim und spiele etwas für die Kinder. Sonntags, wenn wir nicht mit der Brassband im Gottesdienst spielen, nehme ich immer Heimbewohner mit in die Kirche. Diese freuen sich gewaltig über die kleinen Ausflügen und ich halte es für wichtig, den Bewohnern in Elim zu zeigen, dass diese behinderten Menschen auch ein Teil der christlichen Gemeinschaft sind.  

Meine Arbeit bei den Gladiators macht mir viel Spaß und ich habe diese Kinder besonders lieb gewonnen. Es ist eine sehr lebendige Gruppe, mit der man viel unternehmen kann. Und ihrem Namen alle Ehre machend halten mich die Gladiators auch ganz gut auf Trab. 

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Mit den Gladiators auf dem Spielplatz (Foto: EMS/Nuding)
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Cedric füttert seinen guten Freund Andries (Foto: EMS/Nuding)