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Der Festgottesdienst des Brass Band Festivals (Fotot:EMS/Nuding)
05. Juni 2017

Basuinkoor

Paul

Paul

Südafrika
unterstützt eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung
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„Lobet den Herren mit Posaunen“

Mir wurde schon im Rahmen meiner Vorbereitung für die Einsatzstelle in Elim geraten, meine Trompete mitzunehmen, da ich für diese gute Verwendung finden würde. Nach dem erfolgreichen Transport meines Instrumentes auf die andere Seite der Welt, bin ich auch gleich zu Beginn meines Freiwilligendienstes der Brass Band Elims beigetreten. So wird hier der Posaunenchor der Moravian Church genannt. Der richtige Name auf Afrikaans ist  „Basuinkoor“, was sehr nahe an unserer deutschen Bezeichnung liegt.

Der Posaunenchor in Elim umfasst ungefähr zehn Spielende die regelmäßig musizieren, und einen Juniorchor (Jungbläser), die den Nachwuchs bilden. Ich wurde mit offenen Armen empfangen und gleich an die erste Trompete gesetzt. Aufgrund meiner langjährigen Posaunenchorerfahrung war der Einstieg in die Brass Band kein großes Problem. Die Literatur hier in Elim ist mir aus Deutschland sehr bekannt. Oft sind es sogar die deutschen Bläsersätze, mit Titel und spielenden Angaben auf Deutsch. Zur Freude aller übersetze ich diese immer fleißig. Nur manche traditionelle Melodien der Moravian Church waren mir nicht so geläufig. Das änderte sich aber sehr schnell, da auf quasi alle Liedtexte nur ein paar wenige Melodien benutzt werden. Zur Probe treffen wir uns zweimal in der Woche. Dieses Treffen wird, wie es denke ich in jedem Posaunenchor der Fall ist, nicht nur zum Üben genutzt. Vielmehr tauscht man sich untereinander aus und hat am Ende mehr Schwätzchen gehalten als tatsächlich musiziert. Das stört am Ende aber niemanden. In der letzten Probe haben wir viel über die Politik in Südafrika und Deutschland diskutiert. Mich freut es dass die Leute sehr interessiert daran sind, wie Dinge in Deutschland laufen, und ich versuche, die vielen Fragen immer bestmöglich zu beantworten.

Mein erster Auftritt mit dem Basuinkoor war etwas spontaner als ich mir das vorgestellt habe. Ich bin ganz normal an einem meiner ersten Sonntage in Elim in den Gottesdienst gegangen. In der Kirche angekommen stellte ich fest, dass der Posaunenchor vorne neben dem Altar spielbereit sitzt. Ich hingegen war so absolut gar nicht spielbereit, da mir niemand Bescheid gegeben hatte, und somit meine Trompete natürlich in der Wohnung lag. Zudem war es zeitlich zu knapp, um diese noch zu holen. Deshalb setzte ich mich einfach still in eine der letzten Reihen. Als mich jedoch der Leiter des Posaunenchors entdeckte, gestikulierte er wild, dass ich doch mitspielen solle. Ich hingegen versuchte ihm unauffällig zu vermitteln, dass ich kein Instrument bei mir habe. Nachdem er hartnäckig blieb und die ganze Gottesdienstgemeinde sich schon zu mir umgedreht hatte, gab ich den Widerstand auf und lief an allen vorbei nach vorne. Zeitgleich zog auch schon der Pfarrer in die Kirche ein und der Posaunenchorleiter gab mir wortlos seine Trompete. Mir war der ganze Auftritt etwas peinlich, aber immerhin hatten so auch alle mitbekommen, dass der deutsche Freiwillige auch in die Kirche geht. So lernte ich meine erste Lektion der südafrikanischen Spontanität.

Bereits Anfang Oktober stand das jährliche Brass Band Festival der „Moravian Brass Band Union of South Africa“ (BBSA) an. Der Festivalort rotiert jedes Jahr. So kamen dieses Jahr alle Posaunenchöre der Moravian Church nach Elim. Zeitgleich zum Treffen der Brass Bands fand dieses Jahr das Blumenfestival in Elim statt, über welches ich bereits berichtet habe. Die Bläser und Bläserinnen reisten bereits Freitagabends an. Insgesamt zählten wir schließlich um die 300 Personen. Samstag in der Frühe wurde eine Generalversammlung der BBSA abgehalten. Anschließend wurde geprobt. Danach haben alle das Blumenfestival in Elim genossen. Am Sonntag war es dann endlich soweit! Es wurde ein Festgottesdienst bei schönstem Sonnenschein auf dem Platz vor der Kirche abgehalten. Der Schwerpunkt lag natürlich auf der Musik. Neben den gemeinsamen Stücken hat auch jeder Distrikt ein eigenes Stück vorgetragen. Gepredigt hat der damalige Präsident der Moravian Church, Brian Abrahams. Ich habe es sehr genossen, mit so vielen anderen Menschen zu musizieren. Es war ein tolles Gefühl, Teil dieses mächtigen Chores zu sein.Im Laufe meiner Zeit in Südafrika habe ich einige Leute, die auf dem Festival waren, entweder in Elim oder an anderen Orten im Western Cape wiedergetroffen. Vergleichbar war es mit dem Landesposaunentag in Ulm, auch wenn etwas kleiner und unorganisierter.

Wo ein Posaunenchor eben so spielt. Des Weiteren habe ich mit der Brass Band schon auf unterschiedlichen Beerdigungen gespielt. Traditionell erschallen die Trompeten und Posaunen, wenn der Sarg mitsamt Trauergemeinde von dem Haus des/r Verstorbenen in die Kirche zieht, um  dort die Trauerfeier abzuhalten. Einmal haben wir im Rahmen einer Beerdigung bei der Feier auf dem Friedhof gespielt und zwar bis das Grab schließlich von Hand zugeschaufelt worden war. Das hat eine ganz schöne Weile gedauert und danach hatte ich absolut keinen Ansatz mehr.

Ein anderes Mal wurden wir als Brass Band für eine Hochzeit gebucht. Die Hochzeit Location war sehr besonders, da der Hochzeitssaal irgendwo im nirgendwo mitten auf einem Hügel von Weizenfeldern umgeben lag.

Musik verbindet! Für mich bietet der Posaunenchor nicht nur die Chance mein Hobby, das Trompete Spielen aufrecht zu erhalten, sondern auch ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Gerade zu Beginn meiner Zeit in Elim war es sehr schön, über den Posaunenchor Kontakte zu haben. Auch wenn mich das musikalische Niveau manchmal etwas ärgert, macht es mir Spaß im Chor zu spielen. Ich finde es herausragend wie Musik eine Möglichkeit bildet, über kulturelle Differenzen und Sprachbarrieren hinweg Menschen der Welt zusammen zu bringen. Musik verbindet!

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Abendliche Probe des Posaunenchors (Foto: Thomas Lohnes)
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Auftritt bei einer Hochzeit (Fotot: EMS/Nuding)