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Weihnachtsfeier am Elwin Centre (Foto: EMS/Felger)
20. Januar 2017

Mein auf gesplittetes Weihnachten

Natalie

Natalie

Indien
wirkt in einem Kinderheim mit
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Weihnachten mal anders, jedoch trotzdem schön !

Weihnachtsstimmung ausgelöst durch ein Paket.
Doch fangen wir von vorne an. Lassen wir meinen Dezember einfach einmal gemeinsam Revue passieren. Als ich am 2. Dezember wieder aus Chennai zurück komme, erwartet mich ein Weihnachtspaket von Zuhause, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Voller Freude finde ich einen selbstgebastelten Adventskalender und eine liebe Nachricht drinnen. An dieser Stelle noch einmal Danke @Leonie. Der Adventskalender kam genau zum richtigen Zeitpunkt bei mir an, denn ich vermisste die Adventszeit. Vor allem das gemeinsame-über-den–Weihnachtmarkt-schlendern mit Freunden und meiner Oma, das Anzünden des familiären Adventskranzes, Plätzle backen dabei Weihnachtslieder hören und sie selbstverständlich auch zu essen – generell einfach die Weihnachtstimmung. Dank des Adventskalenders war ich plötzlich in Weihnachtsstimmung und fing an meine Weihnachtsplaylist rauf und runter zu hören.

In der zweiten Dezemberwoche wurde dann auch hier am Elwin Centre alles weihnachtlich dekoriert, es wurden jede Menge Sterne aufgehängt. Ich bekam sogar einen eigenen, der am Eingang des Cottages aufgehängt wurde. Zudem wurden noch zwei kleine Weihnachtbäume in der Halle geschmückt – für meinen Geschmack viel zu kitschig. Geschmäcker sind halt verschieden. Meine Familie hält das Schmücken immer schlicht – ein paar rote Kugeln, goldene, selbstgebastelte Sterne und ein bis zwei Lichterketten. Hier jedoch wird nach dem Motto, desto mehr Farben (auch die der Lichterketten) und Lametta verwendet werden, desto schöner ist der Baum dekoriert. Wie auch in meiner Familie wurde eine Krippe aufgebaut, die aber im Gegensatz zu unserer mit vielen Lichtern angestrahlt wird.

Gesundheitszustand
Überschattet wurde meine Weihnachtsstimmung durch einen Ausschlag, dies wurde zumindest vermutet - angefangen an meinen Händen, dann im Gesicht und dann auf der Kopfhaut ausgebreiteten offenen Wunden, die urplötzlich auftraten. Im Enddefekt handelte es sich aber um eine bakterielle Infektion. Nach drei Arztbesuchen unter anderem bei einem Hautspezialist, die jedoch alle nicht wussten um was für eine Krankheit es sich handelte, konnte mir schlussendlich meine Mama weiterhelfen und überbrachte mir die Nachricht „Impetigo contagiosa" – bakterielle, ansteckende Borkenflechte. Inzwischen ist alles wieder gut verheilt und man sieht nur noch ein paar dunkle Flecken auf der Haut. Weil ich aber lange Zeit nicht wusste, um was für eine Krankheit es sich handelte, konnte ich die zahlreichen Weihnachtsfeiern, die ab der zweiten Dezemberhälfte stattfanden, leider nicht so sehr genießen.

Von einer Chrismas Function zur nächsten
Wenn ich richtig gezählt habe war ich im Zeitraum vom 11. bis zum 24. Dezember auf acht Weihnachtsfeiern. Zunächst fanden zwei Weihnachtsfeiern auf dem Elwin Cenre Gelände ausgerichtet von den zwei Kirchen statt. Die erste am 3. Advent von der Regland Memorial Church in Sivakasi und die zweite am 4. Advent von der St. Peters Church in Satchiyapuram. Nachmittags wurden draußen Spiele für die Kinder, von den Lehrerinnen, Helferinnen und mir ausgerichtet, bei denen die Kinder Preise, die von der Kirche gespendet wurden, gewinnen konnten. Außerdem hat jedes Kind von der Kirche im Voraus ein neues Set (Mädchen: Chudidar, Hose und Schal beziehungsweise Kleid für die kleineren, Jungs: Hemd und Hose) bekommen. Anschließend ging in der Halle das vielfältige Programm weiter – angefangen von einstudierten Tänzen, Liedern, der Weihnachtsgeschichte, Sketche, Reden der zahlreichen Pastoren und eine Art Bescherung für die Kinder. Zum Abschluss gab es dann draußen noch Essen für alle. Auch die Lehrer, Helfer und ich mussten an beiden Weihnachtsfeiern an ein Spiel ran. Beim ersten mussten wir so schnell wie möglich Styroporkugeln auf zehn Nadeln auffädeln und beim zweiten mussten wir uns Gegenstände merken, die wir davor für eine Minute sehen konnten  und danach sollten wir davon so viele wie möglich aufschreiben. Meine Schwierigkeit bestand zusätzlich darin das passende englische Wort für den Gegenstand zu finden, die anderen konnten es ja in ihrer Muttersprache Tamil aufschreiben.

Zwischen diesen zwei Weihnachtsfeiern war noch die der Deaf School. Beeindruckend waren vor allem die traditionellen, tamilischen Tänze der taubstummen Mädchen und Jungen. Am 21.12. war dann die Weihnachtsfeier vom Elwin Centre selbst, bei der wir Lehrerinnen und Helferinnen zwei Lieder vorsangen, "Stille Nacht" auf Englisch und noch ein tamilisches Lied. Da ich die tamilische Schrift noch nicht kann, wurde mein Liedtext in Tamil (English letter, wie hier alle sagen) umgeschrieben. Die Kinder trugen natürlich auch zum Programm bei und sangen Lieder vor und gaben ihre Tänze zum Besten. Ich wurde im Voraus von Barnabas, dem ehemaligen Schulleiter, der jedoch eigentlich täglich präsent ist, gebeten ein Lied auf Deutsch oder Englisch vorzusingen. Ich bereitete ursprünglich "Stille Nacht" auf Englisch, Deutsch und Tamil vor, da wir es aber alle schon gemeinsam auf Englisch gesungen hatten sang ich schlussendlich eine Strophe auf Deutsch und versuchte mich dann an den letzten beiden in Tamil. Am Tag darauf war dann die Weihnachtsfeier vom Thangom Home, einem Mädchenheim, in dem ich auch schon ein paar Mal war.                                                           

Mitte Dezember erreichte mich ein Brief mit einer Einladung zu der Weihnachtsfeier der Hayagrivas International School am 23.12., mit der ich nicht mehr gerechnet hatte. Vor Wochen lernte ich eine der Lehrerinnen auf einem Prayer Meeting kennen und sie lud mich mündlich, jedoch ohne Ort und Datum zu ihrer Weihnachtsfeier ein. An der Schule angekommen war ich überrascht wie gut und fließend die Kinder Englisch konnten, selbst die Siebenjährigen. Die einzelnen Klassen führten Tänze, Lieder und die Weihnachtsgeschichte vor. Auf das Ausmaß der Weihnachtsfeier war ich jedoch nicht vorbereitet gewesen, ich hatte nicht gewusst als Guest of Honour eingeladen worden zu sein. Und so musste ich spontan eine Rede über mich, meine Familie, was ich in Indien mache und wie man Weihnachten in Deutschland feiert, halten. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht der Typ bin der gerne im Mittelpunkt steht, Reden hält oder ein Lied vorsingt. Hier kann das ganze zusätzlich auch noch spontan passieren. Mit der Spontaneität weiß ich inzwischen umzugehen und stelle mich diesen Herausforderungen.

Abends ging es dann mit Barnabas und Santhi noch in den Gottesdienst, der aber auch einer Art Weihnachtsfeier glich. Einzelne Familien trugen Lieder vor, Tänze wurden aufgeführt und anschließend gab es noch für alle Essen. An dem Tag erfuhr ich auch per Zufall, dass ich den 24.12. bei Barnabas und Santhi verbringen werde, dann bei ihnen übernachten werde und wir am nächsten Morgen in ein kleines Dorf zum Gottesdienst fahren werden. Von der Nachricht war ich zunächst nicht begeistert, da ich mich darauf eingestellt hatte am 24. abends am Elwin Centre zu sein. Mein Plan war es für Goa zu packen, mit meiner gesamten Familie am Heiligen Abend zu telefonieren und einfach ein bisschen Zeit für mich zu haben, da die Tage davor anstrengend und stressig waren. Also warf ich meinen Plan über den Haufen, gab enttäuscht meiner Familie Bescheid und bastelte noch kleine Weihnachtsgeschenke für Barnabas, seinen Vater (der auch im Haus wohnt) und Santhi. Ich lernte bei ihnen neue Weihnachtstraditionen, wie zum Beispiel das Anschauen von tamilischen und englischen Weihnachtsliedern und Tanzvideos im TV, Feuerwerk am Abend, kennen.

Abends ging es, wie sollte es auch anders sein, auf eine Weihnachtsfeier der Kirche in Sivakasi mit dem Thema „family get together“, bei dem sich die einzelnen Familien besser kennenlernen sollten. Es war ein sehr lustiger Abend mit Spielen, Liedern und jede Familie erhielt ein Geschenk. Ich hatte auch die Möglichkeit trotz dem ganzen Program mit meiner Familie zu telefonieren, worüber ich sehr glücklich war. Nach einer sehr kurzen Nacht – wir kamen erst gegen halb 12 heim und mussten am nächsten Morgen schon wieder um 2 Uhr aufstehen - ging es in den Gottesdienst, an dem Barnabas als Pastor beteiligt war. Nach dem Gottesdienst durfte ich noch einmal schlafen, dann gab es Frühstück, dann war wieder Zeit für das Anschauen der Weihnachtsprogramme im TV. Das Mittagessen bereiten wir gemeinsam vor und in diesem Moment fühlte ich mich richtig wohl und geborgen. Es war eine familiäre Atmosphäre, die mir ein bisschen meine nicht mehr vorhandene Weihnachtsstimmung ersetzte und mich wirklich glücklich machte. Erst nach dem Tee versteht sich, den wir täglich gemeinsam haben, brachte Barnabas mich dann wieder ins Elwin Centre zurück.

Rückblickend hatte ich zwei wirklich schöne Tage bei ihm und seiner Frau und es war sehr interessant die beiden einmal privat und nicht als Schulleiter kennenzulernen. Ich habe jetzt neue Seiten von ihnen gesehen und schätze es sehr Weihnachten, auch wenn ich keine Weihnachtsstimmung verspürt habe, mit ihnen verbracht zu haben. Ich hoffe ihr alle hattet schöne Weihnachten im Kreise eurer Familie und wünsche euch noch einen guten Start ins neue Jahr 2017! Mein Jahr startete in Goa am Strand,  wo ich mit ein paar anderen Freiwilligen über Silvester die Tage verbracht habe. Seit dem 04. Januar bin ich wieder zurück, der Schul- und Heimalltag ist wieder eingekehrt. Unterbrochen wurde er von der Pongal-Feier am 13.01. und den anschließenden Ferien, die etwas ganz besonderes für mich waren. Im nächsten Blogeintrag erfahrt ihr mehr über Pongal und wo ich meine Ferien verbracht habe. Also bis dann, eure Natalie   

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Posieren vor dem geschmücktem Weihnachtsbaum und der Krippe (Foto: EMS/Felger)
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Weihnachtsfeier in einer Internationalen Schule, wo Barnabas als Chief Guest und ich als Guest of Honour, geladen waren (Foto: EMS/ Felger)