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Weihnachtliche Stimmung beim Singen von "Silent Night" auf der Weihnachtsfeier des Diocesan Office (Foto: EMS/Kürzinger)
30. Januar 2017

Weihnachten und Silvester in Indien

Katharina

Katharina

Indien
leistet ihren Freiwilligendienst in einem Kinderheim
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Nun kommt der von meiner riesigen Fangemeinde lange sehnsüchtig erwartete obligatorische Blogeintrag zur Weihnachtszeit und zum Start ins neue Jahr in Indien. Es ist schwierig, sich jetzt noch an die Adventszeit zu erinnern, da diese nun doch schon eine Weile zurück liegt, aber ich gebe mein Bestes, euch einen möglichst genauen Eindruck dieser Zeit zu verschaffen. Von vornherein war ich sehr neugierig auf den „indischen Advent“ und auch die Hostelmädchen haben mir schon im September begeistert erzählt, dass sie im Dezember jeden Abend carols (=Weihnachtslieder) singen werden. In Wirklichkeit waren es nur ein paar Tage kurz vor Weihnachten, aber den Mädchen hat es trotzdem viel Spaß gemacht.

Diese Carols sind ein bisschen mit den Sternsingern in Deutschland zu vergleichen. Die singenden Mädchen werden auch von einem Pfarrer, aber auch einem eigenen Fahrer begleitet, der sie von Haus zu Haus fährt, da die christlichen indischen Familien natürlich weiter verstreut leben als in Deutschland. Die Gruppen von Jugendlichen gehen also von Haus zu Haus und singen christliche Weihnachtslieder, daraufhin wird eine Bibelstelle vorgelesen sowie das Haus und die Familie gesegnet. Genau wie in Deutschland werden die Mädchen mit Süßigkeiten und Snacks überschüttet (der Hauptgrund für die Beliebtheit der Carols). Der Unterschied liegt aber in der Tages- beziehungsweise Nachtzeit, zu der diese Besuche bei den Familien stattfinden. Denn die Carols starten erst um neun oder zehn Uhr abends und dauern bis um drei oder vier Uhr nachts, weshalb auch nur die älteren Hostelmädchen ab der 10. Klasse daran teilnehmen dürfen. Auch ich konnte einmal dabei sein und fand es sehr interessant, diesen Aspekt der indischen Adventszeit hautnah zu erleben.

Alle Inder, die Weihnachten feiern, sind verrückt nach Weihnachtsdeko. Doch die Vorstellung von geschmackvoller Weihnachtsdekoration wird in Indien ganz anders als in Deutschland definiert. Im Vordergrund steht, dass die Dekoration bunt und glitzernd ist, weshalb auch bei diversen Weihnachtsfeiern viel Lametta und vor allem in diversen Farben blinkende Lichterketten verwendet werden. Auch ein kitschiger Santa Claus, den die Mädchen immer „Christmas tatha“ nennen (telugu: tatha = Großvater) darf bei einer vollständigen Weihnachtsdeko nicht fehlen. Eine Sache, die mich ein wenig überrascht hat, war das frühe Einläuten der Weihnachtszeit. Die christlichen Inder lieben es „supposed christmas“ zu feiern. Im Hostel wurde dies bereits am 24.11. gefeiert, die verschiedenen Klassenstufen haben Weihnachtslieder vorgesungen und es wurde ein Krippenspiel aufgeführt.

Die eigentliche Weihnachtsfeier war dann am 15.12. Es herrschte die Tage davor ziemliche Betriebsamkeit, um die Tänze und das Krippenspiel zu proben, bei dem ich als Engel mitgespielt habe - mit der Begründung, dass ich ja so schöne weiße Haut wie ein Engel habe. Die kleineren Mädchen der ersten bis siebten Klasse führten auf der Feier eine Mischung aus Tanz und Krippenspiel auf und die Mädchen der zehnten Klasse trugen farbenfrohe „half sarees“ (= übersetzt Halb Sari) und tanzten einen traditionellen Tanz mit indischen Claves. Sogar der Bischof erschien auf der Feier, was die Nervosität aller Beteiligten noch einmal steigerte, doch nach einem verspäteten Start von einer Stunde, ging alles recht glatt. Und um 12 Uhr nachts gab es endlich zum krönenden Abschluss der Feier das für Hyderabad so berühmte Biriyani.

Zudem war ich auf der Weihnachtsfeier des Diocesan Office, das ein paar Gehminuten vom Hostel entfernt ist. Auch dort ging es mit Verspätung los, insgesamt kann ich nun behaupten, dass zumindest die Inder mit denen ich bis jetzt zu tun hatte, einen entspannteren Umgang mit Pünktlichkeit haben als wir in Deutschland. Aber das kommt mir als Deutsche wahrscheinlich in jedem Land so vor, viele Deutsche meckern ja schon in Italien über das Thema. Insgesamt habe ich mich zumindest ein bisschen weihnachtlich gefühlt. Zum einen durch die  Weihnachtsfeiern, das Singen von Weihnachtsliedern und die Carols. Aber den größten Teil haben die Adventskalender und die vielen Plätzchen und Lebkuchen beigetragen, die mir meine Familie geschickt hat.Und am 24.12. bekam ich dann auch das schönste Weihnachtsgeschenk, das ich mir nur wünschen konnte, denn meine Eltern und meine Schwester kamen zu Besuch. Am 1. Weihnachtsfeiertag fuhren wir ins zwei Autostunden entfernte Medak, dort trafen zum Gottesdienst Menschen aus der ganzen Umgebung ein und dementsprechend voll war es auch. Da viele der Besucher aus Dörfern kamen, war für sie der Anblick von gleich vier weißen Fremden ein Highlight des Tages und wir konnten uns vor Selfie-Anfragen kaum noch retten. Zudem mussten ich und meine Schwester spontan zwei Interviews für zwei Lokalsender geben und wurden für die Zeitung interviewt. Da mir und meiner Mitfreiwilligen Paula dies bereits beim letzten Mal, als wir zum 70. Jubiläum der CSI in Medak waren, auch passiert ist, entwickele ich wohl eine gewisse Routine für spontane Interviews.

Die Zeit um Silvester habe auch ich mit meiner Familie in Goa verbracht und den Silvesterabend mit den anderen Freiwilligen zusammen gefeiert. Es war eine tolle Atmosphäre, die Feuerwerke am Strand zu beobachten, während die Füße vom warmen arabischen Ozean umspült wurden. Wieder zurück in Secunderabad fiel mir der Abschied von meiner Familie natürlich sehr schwer, doch schon einige Tage später hat mich Paula J. besucht und wir fuhren gemeinsam zu Lotte nach Khammam, denn es waren Sankranti-Ferien. Seit ich nun wieder in meinem Alltagsrhythmus bin, ist nur ständig etwas anderes los, weshalb ich auch so mit meinem Blogeintrag hinterherhinke. Die letzten Tage war ich zum Beispiel damit beschäftigt, mit den Kindern Briefe an ihre Fosterparents zu schreiben, immer wieder kommen Mädchen in mein Zimmer und wollen Klavier-Unterricht oder sich einfach mit mir unterhalten, was ich natürlich auch schön finde. Aber auch alltägliche Dinge, wie mir etwas für meine Tuition-Stunde zu überlegen, Wäsche zu waschen oder mein Zimmer zu putzen, nehmen mehr Zeit in Anspruch als immer geplant.  Das war‘s für diesmal, vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Blogeintrag!

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In Medak mussten wir ein spontanes Interview über die Unterschiede von Weihnachten in Deutschland und Indien geben (Foto: EMS/Kürzinger)
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Die letzten Vorbereitungen während der Weihnachtsfeier des Hostels bevor es auf die Bühne geht (Foto: EMS/Kürzinger)