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Weihnachtsfeier im Poliohome (Foto: EMS/Beerlage)
27. Dezember 2016

Warme Weihnachten

Johanna

Johanna

Indien
wirkt in einem Krankenhaus und Kinderheim mit
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Weihnachten in Indien

Da ich hier unter Christen lebe und diese logischerweise auch Weihnachten feiern, durfte ich hautnah miterleben, wie man Weihnachten mal anders verbringen kann.

Einer der größten aber auch vorhersehbarsten Unterschiede war das Wetter. Morgens und abends ist es hier auch etwas kühl, aber nachmittags ist es dann schon wieder ziemlich warm. Schnee; Fehlanzeige (in Deutschland aber anscheinend auch). Einen Adventskalender, also einen Countdown der einen auf Weihnachten freuen lässt, hatte außer mir keiner, denn glücklicherweise hatte ich einen von meiner Familie und von meiner Freundin aus Deutschland geschickt bekommen. Damit habe ich mich dann schon ein bisschen adventlicher gefühlt.

Am ersten Advent fand eine "welcome Christmas Party" von der Kirche aus statt. Es wurde getanzt, gesungen, gebetet und zu guter Letzt auch noch gegessen. Die Bühne war mit einem riesigen Weihnachtsmann geschmückt und eine Lichterkettenarmee bildete das Dach des Ganzen. Mitten im Programm entzündete sich direkt neben dem Publikum ein lautes Feuerwerk was zehn Minuten anhielt und die Rede des Pastors in lautem Geknalle unterging. Im Laufe des Dezembers haben sich die Häuserfassaden auf dem Gelände mit bunt blinkenden Lichterketten geschmückt und hier und da tönte "Jingle Bells" aus vereinzelten Handys. Den alt bekannten Weihnachstress habe ich auch hier erlebt, da Die Weihnachtsfeiern der Kinderheime und Schulen immer näher rückten. Tänze wurden eingeübt, Lieder geprobt und Einladungen geschrieben. Im Crèche konnte ich helfen die Bibelverse mit den Kindern einzuüben, da diese an der Weihnachtsfeier dem Pastor vorgetragen werden sollten. Außerhalb des Geländes hat man auf den Straßen wenig von dem nahenden Weihnachten mitbekommen, was verständlich ist, da nur drei Prozent der Einwohner in Gadag Christen sind. In ein paar Läden konnte man mehr Glitzergirlanden, Lichterketten und unechte Weihnachtsbäume kaufen als sonst, aber an einen Weihnachtsmarkt oder eine Eislaufbahn war gar nicht zu denken.

Als Weihnachten endlich vor der Tür stand, kam eine Weihnachtsfeier nach der anderen. Die erste fand im Crèche statt. Diese sollte mittags um 12 Uhr beginnen, weshalb ich schon morgens früh kam um zu helfen. Ich half vor allem in der Küche, da die Kinder von ihren Eltern geschminkt und umgezogen wurden. Jedes bekam ein neues Kleid, oder ein neues Hemd von meiner Chefin geschenkt. Nachdem ich circa 50 Zwiebeln geschält und geschnitten und den Reis überwacht hatte, dass dieser nicht überkocht, ging es endlich um 13 Uhr los. Ich sollte als Ehrengast vorne bei dem Pastoren und den Managern auf der Bühne sitzen, nicht im Publikum. Ich fühlte mich dabei ein bisschen wie lebende Deko, da ich keine Rede halten musste und weder die Köchinnen, noch meine Chefin mit vorne saßen. Ein paar der Kinder tanzten ihre Tänze und als sie ihre Bibelverse aufsagen mussten, war ich fast so nervös wie die Kinder selbst. Im Großen und Ganzen hat es dann auch ganz gut geklappt, wenn man von den drei Blackouts mal absieht (aber man muss dabei bedenken, dass diese Kinder auch erst zwei Jahre als sind). Was natürlich nicht fehlen durfte, war eine Weihnachtrede von dem Pastor und ein Paar Gebete von anderen Pastoren. Am Ende des Programms bekam jedes Kind noch ein kleiner Geschenk. Soweit ich weiß, war in den kleinen Tüten ein Becher und Süßigkeiten eingewickelt.

Endlich war mein Lieblingsteil an der Reihe; das Essen. Es gab Reis mit Hühnchen, dazu Jogurt mit Zwiebeln und Tomaten darin und zum Nachtische eine Art Milchreis und Kuchen. Da ich nicht mit abbauen durfte rollte ich völlig gesättigt nach Hause. Schon am nächsten Tag fand die Weihnachtfeier im Polioheim bei mir nebenan statt. Diese verlief sehr ähnlich. Wieder musste ich mit Christina vorne sitzen, es wurden Tänze vorgeführt und der Pastor hielt seine Weihnachtsrede. Doch auf dieser Feier gab es einen Moment, in dem ich die Stimmung so richtig weihnachtlich gefunden habe; jeder hat eine Kerze bekommen, das Licht wurde ausgemacht und wir haben "Stille Nacht" auf Englisch gesungen. Das Essen war das Gleiche weshalb ich mal wieder vollkommen überfüllt heim ging. Aber was ist schon eine Weihnachtszeit ohne viel zu essen?

Am 24. 12. Gab es abends einen Gottesdienst, von dem ich aber erst später erfahren habe. Jedoch kam an diesem Tag ein Päckchen von Freunden an, in dem ein Stollen und Spekulatius drin war (nochmal danke an Ianni). Damit kam dann richtige Weihnachtsstimmung auf, was ich sehr genossen habe. Erst am 25. wird hier jedoch richtig Weihnachten gefeiert. So ging es direkt morgens in die Kirche, die mit einem großen Weihnachtsbaum und Lichterketten geschmückt war. Ein Krippenspiel gab es leider nicht. Am Ende des Gottesdienstes gab es dann eine kleine Überraschung. Jeder hat ein kleines Stück Kuchen in die Hand bekommen und auf Kommando sollten wir uns alle gegenseitig Kuchen in den Mund schieben. Die Kinder aus dem Poliohome kamen dann natürlich alle sofort zu Kristina und mir und versuchten alle gleichzeitig uns ihren Kuchen in den Mund zu schieben. Ich als Kuchenliebhaberin habe das natürlich total gefeiert und auch als dann andere erwachsene Menschen aus der Gemeinde mit ihren Kuchen ankamen, habe ich ihnen grinsend etwas von meinem Kuchen abgegeben.

Abends bin ich dann noch zu Freunden gegangen, mit denen ich dann noch gegessen und geredet habe. Eine Bescherung gab es nicht. Diese findet eher an Geburtstagen und anscheinend an Ostern statt, worauf ich auch schon sehr gespannt bin. Alles in allem war es ein doch sehr anderes Weihnachten, was ich jedoch trotzdem genossen habe. Ich hoffe ihr hattet auch alle schöne Weihnachten und wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Dieses Mal werde ich Silvester mit den anderen Freiwilligen in Goa am Strand feiern, worüber ich in meinem nächten Blogeintrag berichten werde. Viele Grüße, Johanna

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Welcome Christmas Party (Foto: EMS/Beerlage)
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Der Weihnachtsbaum im Poliohome (Foto: EMS/Beerlage)