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In Chennai besuchten wir diese Tempelanlage aus dem 7.-9. Jahrhundert. (Foto: EMS/Kohrs)
Mamallapuram, Chennai
17. September 2016

Meine ersten Eindrücke

Annegret

Annegret

Indien
leistet ihren Freiwilligendienst in einem Frauenzentrum
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Tage seit Ankunft: 16

Nun sind seit unserer Landung in Chennai schon über zwei Wochen vergangen. Zwei Wochen, in denen eine Menge passiert ist. Jetzt schon hab ich so einige kleine Schocks und diverse Ups und Downs erlebt und ein Alltag hat sich noch nicht eingestellt. Hier also meine ersten Eindrücke und Erlebnisse in diesem vielfältigen Land!

Fangen wir doch mal von vorne an. Am 2. September landeten wir, also die anderen 10 Freiwilligen und ich, in Chennai und wurden neben unserem Mentor vor allem von erdrückender Hitze und dem berühmten „indischen Verkehr“ empfangen. Das heißt: Jede Menge Fahrzeuge, die sich aus deutscher Sicht völlig willkürlich hupend einen Weg durch das Chaos suchen.

Wir kamen beim Headquarter der CSI (Church of South India) unter. Und hier warteten auch schon die ersten Überraschungen auf uns: Paula und ich stellten fest, dass hier anscheinend die Funktionstüchtigkeit der Klimaanlage auf dem Zimmer wichtiger ist als die der Toilette und folglich sofort repariert wird. Eine andere Erkenntnis lag darin, dass man mit Jetlag auch während einer doch etwas abenteuerlichen Fahrt durch diesen Verkehr vorzüglich schlafen kann, gar kein Problem.

Nach etwas Sightseeing und einem englischen Erntedankgottesdienst in der St. George’s Cathedral, der sich gar nicht so sehr von dem unterschied, was ich von zu Hause gewohnt bin, ging es nach ein paar Tagen mit dem Zug nach Bangalore. Diese Zugfahrt war echt komfortabel. Der Zug stand schon eine halbe Stunde vorher am Bahnhof, fuhr pünktlich ab, die Klimaanlage funktionierte zuverlässig und es gab ständig Verpflegung. So viel Luxus waren wir von der Deutschen Bahn nun wirklich nicht gewohnt. In Bangalore gab es dann die zweite Überraschung: Nicht überall in Indien ist es unerträglich heiß und voll, denn hier herrschten angenehme Temperaturen um die 25°C und der Verkehr kam mir auch etwas geordneter vor. Wie gesagt, hier kann man nichts unter einen Hut bringen.

Diesmal waren wir bei dem Board of Childcare der CSI einquartiert und nahmen dort an den morgendlichen Andachten und weiteren Aktivitäten teil, die uns die indische Gesellschaft etwas näher bringen sollten. Die einen besuchten einen Markt oder den Bahnhof, ich ging mit in einen der größten Parks in Bangalore. Zum Abschied gestalteten wir 11 Freiwilligen unsere eigene Andacht. Darum hatte uns unsere Betreuerin Sowmini gebeten, die uns allen sehr ans Herz gewachsen war und die wir nicht enttäuschen wollten. Wir haben also gleich am Anfang erfahren, wie wir im kommenden Jahr uns manchmal Aufgaben stellen werden müssen, durch die wir uns etwas überrumpelt fühlen. Denn in der kurzen Zeit, in der ich nun hier bin, hab ich schon öfter etwas machen müssen wie mich vor Publikum vorstellen, spontan ein Lied singen oder ein Gebet sprechen. Da ist ein bisschen Flexibilität gefragt.

Dann war endlich die Zeit gekommen nach Kottayam , also zu meiner Einsatzstelle aufzubrechen. Zu dieser Stadt in Kerala, ganz im Süden von Indien, brauchten wir mit dem Nachtbus geschlagene 12 Stunden. Ein Erlebnis auf das ich in Zukunft verzichten könnte, aber das gehört hier einfach dazu. Am nächsten Tag konnte ich mir leider nicht wie erwartet die Schule angucken und alle kennenlernen, denn in Kerala sind momentan Onam Ferien.

Onam ist, so wie ich das mitbekommen habe, ein hinduistischer Feiertag, der aber auch in christlichen Kreisen mit einem Mittagessen, das traditionell auf Bananenblättern serviert wird und rein vegetarisch ist, gefeiert wird. Es handelt sich wohl um eine Art Erntedankfest, es gibt aber auch eine Geschichte dahinter. Tante Google hilft euch bestimmt weiter! Auf jeden Fall fiel Onam in diesem Jahr auf den 14. September; drumherum gab es eine Woche Ferien.

Die nächsten Tage verbrachte ich dann in diversen Unterkünften und konnte so schon die Lebensweisen einiger Menschen kennenlernen. Die ersten Nächte war ich in meinem zukünftigen Zimmer im AshaBhavan, also meiner Einsatzstelle, die im Moment auch als Studentenwohnheim dient. Dann zog ich ein paar Tage in ein Konvent, das auf demselben Grundstück liegt. Dort wohnen ein oder zwei „sisters“, die so etwas sind wie evangelische Nonnen wenn ich das richtig verstanden habe. An Onam war ich dann im Haus der Direktorin des Asha Bhavan und jetzt schließlich wohne ich bis zum Ende der Ferien im Bischofshaus. Dadurch habe ich schon einige Leute mit völlig verschiedenen Lebenswegen kennengelernt, die mir nicht nur mit dem Papierkram für die Registrierung geholfen haben, sondern auch dabei, über die anfänglichen Anflüge von Heimweh hinwegzukommen.

Denn hier gibt es schon irgendwie sehr viel Ungewohntes auf einmal und viele Fettnäpfchen, in die man treten kann und die ich auch noch nicht alle durchschaut habe: Wen spricht man mit welchem Namen an? Wie kriegt man es hin nur mit einer Hand Fladenbrot abzureißen oder bei der Hitze immer frisch auszusehen? Wer sollte zu welchem Anlass welche Klamotten tragen? Wie wasche ich überhaupt Wäsche ohne Waschmaschine und wie duscht man sich ohne Dusche? Ich könnte noch viel mehr aufzählen, aber ich denke ihr wisst was ich meine.

Ich hoffe, dass ich mich schon bald in das Leben hier und meine Einsatzstelle integrieren kann, mich im Alltag besser zurechtfinde und freue mich natürlich auf meine Aufgaben im Asha Bhavan. Eine Gitarre habe ich schonmal aufgetrieben, also ist doch das Wichtigste schon geschafft!

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Das festliche Mittagessen an Onam, serviert auf einem Bananenblatt. (Foto: EMS/Kohrs)
Happy Onam!
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Wir 11 Freiwilligen bei unserer Andacht in Bangalore (Foto: EMS/CSIBCC)