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Quo vadis? Ein Tro Tro auf dem Weg von Tamale nach Tolon (Foto: EMS/Kreß)
17. Juni 2017

Von Freiwilligem zu Freiwilligem

Felix

Felix

Ghana
arbeitet in einem Weiterbildungszentrum mit
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"Rückblickend die beste Entscheidung meines Lebens"

Chris ist nun seit fast zehn Monaten in Akosombo an einer Computerschule tätig. Das Besondere dieser Schule ist, dass sie durch eine Kooperation aus deutschen, ghanaischen und südkoreanischen Kirchen getragen wird. Wie er sein Umfeld erlebt, was er so macht und wie er es geschafft hat, sich trotz Unterschieden in die Gesellschaft zu integrieren, erfahrt ihr hier.

Chris, du hast dich 2015 dazu entschieden nach dem Abitur nach Ghana zu reisen, um dort für zehn Monate einen ökumenischen Freiwilligendienst zu leisten. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ghana selbst hatte ich nicht direkt auf dem Schirm. Ich habe dann erst beim Bewerbungsseminar der ems als Ghana vorgestellt wurde gedacht, dass es ein sehr cooles Land für einen längeren Aufenthalt als Freiwilliger sein könnte. Meine Entschedung ins Ausland zu reisen war vor allem, dass ich einfach mal diese Erfahrung von etwas völlig Neuem machen und andere Einblicke gewinnen wollte. Das heißt konkret: neue Kultur, neue Beschäftigung. Aber auch eine Vorstellung von Menschen zu bekommen, die nicht unbedingt mit den selben Privilegien wie wir geboren sind.

Ghana - das ist für viele Deutschen ein Land irgendwo in Afrika. Wie reagierten deine Familie und deine Freunde als du ihnen von der Zusage für Ghana berichtetest?

Meine Familie und Freunde haben alles insgesamt sehr positiv aufgefasst und haben mich in meiner Entscheidung dann auch bestärkt.

Wir Freiwillige in Ghana hatten ein zweiwöchiges Einführungsseminar. Hat es deine Integration in die neue Kultur beschleunigt?

Das Einführungsseminar hat mir sehr beim Erwerb der Sprache geholfen, vor allem, dass wir Twi sehr systematisch erlernt haben und auch selber Sätze bilden können. Zur Kultur haben wir interessante Hintergründe erfahren. Ja, es hat meine Integration beschleunigt. Es hatte länger gedauert, mir die Sprache selbst zu erarbeiten.

Was ist dein Leibgericht hier in Ghana?

Also mein Lieblingsessen ist Waakye - das ist Reis mit Bohnen gekocht. Zum Waakye gibt es in der Regel Spaghetti, Maniokmehl, Salat, Ei, Fisch oder Fleisch. Außerdem werden dazu noch verschiedene Saucen gereicht. Waakye wird eher mittags gegessen. Abends ist es schwer zu bekommen. Kommen wir zum Transport in Ghana.

Wenn du hier reist, was vermisst du am meisten von der deutschen Infrastruktur?

Der Transport unterscheidet sich sehr stark von dem in Deutschland. Es ist ja das Tro Tro-System, das heißt, wenn ich verreisen möchte, gehe ich zur Tro Tro-Station. Das Tro Tro ist häufig ein Lieferwagen wie zum Beispiel ein Mercedes Sprinter, der mit Sitzen bis circa 20 Personen ausgestattet wurde. Durch das viele Gepäck wird es dann schon ganz schön eng. Schienenverkehr ist für Personen komplett unbekannt. Um die Tro Tro-Station ist immer ein Trubel von Händlern, was sehr angenehm ist, da man sich dann einfach noch mit Wasser und Verpflegung eindecken kann.

Akosombo ist durch den Staudamm im ganzen Land bekannt, ist aber eigentlich von beschaulicher Größe. Bist du inzwischen im Ort überall bekannt wie ein bunter Hund?

Wie ich bekannt bin, kann ich schwer objektiv beurteilen. Häufig habe ich das Gefühl, dass ich auch Leute treffe, an die ich mich nicht mehr erinnnern kann, aber sie sich an meinen Namen erinnern. Nun ist schon viel Zeit vergangen und das Ende unseres Freiwilligendienstes nähert sich.

Was waren rückblickend die größten Hürden, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen?

Es gibt nicht die eine Hürde, die unüberwindbar ist. Häufig war es eher die Akkumulation vieler kleiner Unterschiede kulturellen und kommunikativen Ursprungs.

Wie hast du das geschafft, dich dennoch zu integrieren?

Ich denke, es braucht vor allem Zeit, um sich an Neues zu gewöhnen. Dazu zählt zum Beispiel das Wetter, aber auch mit der (rechten) Hand zu essen. Mit der Zeit lernt man die Leute mehr verstehen. Man versteht, wie das Geschehen auf dem Markt abläuft und dann ergibt sich auch vieles von selbst. Wichtig ist, dass man sich bei Frustrationen nicht im Zimmer verkriecht, sondern wieder rausgeht und sich der neuen Kultur stellt.

Das klingt sehr vernünftig. Würdest du dich noch einmal für einen Freiwilligendienst bewerben?

Ja, ich würde es auf jeden Fall nochmal machen. Ich weiß jetzt natürlich nicht, was sonst gekommen wäre, aber ich weiß, dass es mir sehr gut gefällt. Was würdest du künftigen Freiwilligen mit auf den Weg geben? Macht euch keinen Kopf wegen allem - man kann gar nicht so viel falsch machen!

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Rinder in Kudula (Foto: EMS/Kreß)
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Chris beim Einführungsseminar (Foto: EMS/Keller)