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Die Kumasi-Tamale Road ist eine wichtige Transitstraße. (Foto: EMS/Kreß)
Road to Tamale
21. Oktober 2016

Endlich in Tamale!

Felix

Felix

Ghana
arbeitet in einem Weiterbildungszentrum mit
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Was nach Abetifi und Kumasi geschah

Kurz nach der Veröffentlichung meines ersten Blogeintrags wurde ich von Jasper Maas, einem Pfarrer im Presbyterian Lay Training Centre, in Kumasi abgeholt. (Er selbst kam als Volunteer 2005 zum ersten Mal nach Ghana. Nach dem Theologiestudium in seiner Heimat, den Niederlanden, kehrte er zurück, heiratete und wirkt nun - nicht nur in der Kirche - hier in Tamale. Ich halte ihn für eine unglaublich interessante Person und werde ihn Euch bald in Form eines Interviews näher vorstellen.)

Mit fortschreitender Fahrtzeit konnte ich aus dem Fenster beobachten, wie sich die Landschaft von tropischem Regenwald mehr und mehr zur Savanne formte. Zudem wurde ich mir erneut bewusst, dass ich nun tatsächlich in Westafrika bin, da viele Lastwagen Kennzeichen aus Mali, Niger und Burkina Faso tragen. Um ehrlich zu sein, wurde es mir etwas mulmig, bei dem Gedanken nun „alleine“ zu sein im Norden, über den im Süden Ghanas nur vereinzelt etwas Nettes gesagt wurde, fernab von den anderen Freiwilligen.

Doch nach einer herzlichen Ankunft in meiner Gastfamilie und einer angenehmen, ersten Woche, in der ich viele Hände schüttelte und viel von Tamale sah, wurde mir bewusst, dass ich hier definitiv nicht alleine bin.

Tamale ist in der Tat der Knotenpunkt des nördlichen Ghanas, beheimatet Menschen aus unzählig vielen Volksgruppen und hat einen großen geschäftigen Markt, der mir immer noch wie ein Labyrinth vorkommt. Dennoch verlasse ich gerne meinen Stadtteil namens Vittin, um dort einzukaufen.

Natürlich könnte ich einige Produkte auch im westlich orientierten Supermarkt erhalten. Aus vielerlei Gründen möchte ich die teuren, importierten Artikel aber vermeiden. Außerdem ist das Einkaufen im Central Market immer wieder eine mentale Herausforderung für sich, und die Lebensmittel sind frischer.

Der Verkehr wird hier von Motorrädern beherrscht, was das Überqueren der Straßen nicht unbedingt vereinfacht, aber mehr und mehr passe ich mich dem Verkehrssystem an, glaube ich zumindest.

Am 9. Dezember werden in Ghana Präsidentschaftswahlen sein. Ich empfinde es als großes Glück, dass meine Gastfamilie zur Hälfte mit der momentanen Regierung sympathisiert und die andere Hälfte mit der führenden Oppositionspartei. Dies führt mitunter täglich zu lebhaften Diskussionen, an denen ich mich auch mehr und mehr beteilige. Auch sonst habe ich das Gefühl, dass viele Ghanaer zurzeit hochpolitisiert sind, das politische Geschehen aufmerksam verfolgen und für eine Partei agitieren. So kamen mir auf dem Heimweg vom Stadtzentrum schon einige Male Demonstrationen in die Quere, die den Straßenverkehr lahmlegten.

Allen, mit denen ich bisher über Politik gesprochen habe, liegt es sehr am Herzen, dass die Wahlen und gegebenenfalls ein Regierungswechsel friedlich verlaufen. Ich werde euch auf dem Laufenden halten!

Doch nun zu meinen Aufgaben: Wie ich bereits erwartet hatte, ist dies eine sehr vielfältige Einsatzstelle. Abgesehen von der recht großen Bibliothek, die ich betreue und verwalte, hatte ich anfangs keine feste Aufgabe.

Ich musste lernen, mir selbst Arbeit zu suchen und so kam ich zu dem Plan, eine regionale Zeitschrift für die Presbyterian Church herauszugeben, die dreimal im Jahr erscheinen und Mitglieder und Partner der Presbyterian Church im Norden Ghanas über Neuigkeiten und Entwicklungen informieren soll. Hierzu sammle ich nun Material in Form von Interviews, Neuigkeiten aus den einzelnen Unterbezirken, aber auch unterhaltsame Kuriositäten und Kommentare zum politischen Geschehen. Geplant ist auch eine Rubrik, in der Muslime und Christen gemeinsam zum gleichen Thema zu Wort kommen. Der interreligiöse Dialog und die friedliche Koexistenz ist in der ganzen Region beiden Glaubensrichtungen ein spürbar wichtiges Anliegen, woraus ich noch viel für mein Leben nach der Rückkehr lernen will.

Da in der Regenzeit viele der Dörfer mit christlichen Gemeinden kaum erreichbar sind, eröffnet sich in der Trockenzeit, die nun Schritt für Schritt beginnt, ein weiteres Tätigkeitsfeld: die sogenannten Outreach-Programme. Mitarbeiter des Lay Training Centres besuchen nach und nach die entlegenen Gemeinden, erkundigen sich über aktuelle Entwicklungen und es werden theologische Laien ausgebildet, die den Gottesdienst in diesen Dörfern übernehmen. Die Kirche dort lebt von freiwilligen Predigern, die unentgeltlich die Verantwortung für die Gemeinde übernehmen. Durch die vorherrschende Subsistenzwirtschaft finden sie meist erst nach der Ernte in der Trockenzeit, Zeit, um sich ihrer theologischen Weiterbildung zu widmen.

Ansonsten betreue ich prinzipiell die Bibliothek, stehe bei Büroarbeiten den anderen Mitarbeitern helfend zur Seite, nehme an den zahlreichen im Centre angebotenen Programmen teil, erkunde Tamale, spiele abends Fußball und genieße einfach die Zeit.

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Seminar über religiösen Fanatismus mit Teilnehmern vieler Konfessionen (Foto: EMS/Kreß)
Interreligiöser Dialog
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Hütten in Sankpala - ein Dorf im Umkreis von Tamale (Foto: EMS/Kreß)
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