07. Juni 2017

Migration in Ghana

Christoph

Christoph

Ghana
wirkt in einer Computerschule mit
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Immer mal wieder werde ich auf der Straße von Leuten gefragt, nachdem sie erfahren, woher ich komme, dass ich sie mit nach Deutschland nehmen soll. Zwar sagen dies die Meisten nur im Scherz, doch für viele grade junge Leute ist es ein großer Lebenstraum nach Europa oder Amerika zu gehen und dort das „big money“ zu machen. Dieser Traum vom Auswandern ist unter dem Aspekt, dass ungefähr jeder zweite junge Ghanaer zwischen 15 und 24 ohne Arbeit ist, Angaben der Weltbank,  nicht unverständlich.

Doch ein großer Teil der Ghanaer im Ausland ist nicht in Europa oder Amerika, sondern vor allem in den umliegenden Ländern Westafrikas, vor allem im ebenso englischsprachigen Nigeria, aber auch in Benin, Togo und der Elfenbeinküste. Viele dieser Emigranten sind in den 70er Jahren, als Ghana wirtschaftliche Probleme hatte, in diese Länder ausgewandert, jedoch teilweise wieder zurückgekehrt. Umgekehrt sind, seitdem es Ghana wieder wirtschaftlich besser geht, viele Migranten vor allem aus Togo, Burkina Faso, Elfenbeinküste und Liberia infolge des dortigen Bürgerkrieges nach Ghana gekommen. Zum Teil leben und arbeiten sie hier ohne die entsprechenden Papiere zum Beispiel in illegalen Goldminen, was durch das fehlende Ausweissystem in Ghana noch vereinfacht wird.

Ein anderes wichtiges Thema im Zusammenhang mit Migration ist der Fulani Konflikt. Die Fulani sind noch teilweise nomadisches Hirtenvolk, die in ganz Westafrika verbreitet sind. Manche von ihnen ziehen, vor allem aus Niger und Burkina Faso, aber auch aus dem Norden Ghanas kommend, bis weit in den Süden Ghanas, wobei ihre Rinder die Felder der Bauern oft beschädigen, was zu großen Konflikten führt. Auf der anderen Seite stellen sie die Hauptquelle für Fleisch dar, das von der wachsenden Bevölkerung in immer größerem Maße konsumiert wird. Umgekehrt sind die Fulani auch Diskriminierungen ausgesetzt.

Ebenso hat Ghana eine große interne Migrationsbewegung zum einen vom Land in die Stadt, aber auch vom Norden in den wirtschaftlich weiter entwickelten Süden. In Accra und Kumasi existieren riesige Viertel, Zongos genannt, die von Immigranten aus dem Norden bewohnt sind. Viele der Frauen und Männer arbeiten dann in einfachen Arbeiten zum Beispiel auf dem Markt als Trägerin oder in der Industrie.

Doch gerade in den Städten sind viele Plakate mit Jobangeboten für junge Menschen wie etwa in der Pflege oder auf dem Bau in Amerika, Europa, aber zunehmend auch dem Nahen Osten. Die Organisationen versprechen dabei häufig die Übernahme aller Kosten, wenn die Interessierten sich für eine bestimmte Zeit für die Arbeit verpflichten. Unter diesen Angeboten sind doch auch unseriöse Organisationen, die falsche Versprechungen machen und die Menschen dann schutzlos fern ihrer Heimat ausbeuten. Jedoch bieten die seriösen Organisationen dabei die Möglichkeit im Ausland zu arbeiten und dies für einen höheren Lohn als in Ghana üblich. Vor allem für Krankenschwestern bestehen viele dieser Angebote aufgrund des Mangels an Pflegekräften in Europa.

Ebenso gehen viele junge Leute mit Universitätsabschluss ins Ausland oder sie studieren gleich dort. Durch diesen „Brain Drain“ genannten Effekt fehlen die entsprechenden Fachkräfte vor Ort und so wird auch die Wirtschaft in ihrer Entwicklung behindert. Es gibt auch Angebote von Schleusern für einen Weg über die Sahara, Libyen und das Mittelmeer nach Italien. Jedoch wird auch in ghanaischen Zeitungen vor dieser lebensgefährlichen Route gewarnt.

Unabhängig von ihrem Ort versuchen die meisten Migranten den Kontakt zu ihrer Familie zu halten, die in den afrikanischen Gesellschaftsstrukturen von immenser Bedeutung ist. Häufig hat diese jedoch Erwartungen in Form von Geld oder anderer Dinge, da das Familienmitglied ja im „Gelobten Land“ lebt. Dies erzeugt jedoch einen zusätzlichen Druck und macht es schwerer auch über Probleme und Schwierigkeiten zu sprechen. Auf der anderen Seite sind die Zahlungen aus dem Ausland auch wichtiger für die ghanaische Wirtschaft und den Staatshaushalt, da sie meistens direkt zum Kauf von Waren oder als Investition in Geschäfte verwendet werden und somit auch die Staatseinahmen steigen lassen.

Eine allgemeine Bewertung von Migration zu fällen ist sehr schwierig. Was Migration für den Einzelnen bewirkt, hängt stark von den individuellen Voraussetzungen und vom Zufall ab. Langfristig profitieren können Migranten vor allem dann, wenn im Zuge der Migration auch eine Aus- oder Fortbildung stattfindet. Jedoch wird Migration in jedem Fall auch in der Zukunft noch stattfinden, solange die Menschen in ihrer Heimat nur unzureichend Zugang zu Bildung und Arbeit, verstärkt auch durch die teilweise übertriebenen Vorstellungen ihrer Zielorte. Die Frage ist nur, wie die Gesellschaft damit umgeht.